Das Irland-Risiko der deutschen Banken
Wer wird derzeit gerettet? Irland, deutsche Banken, oder der EZB-Chef? Die Frage führt zu Unstimmigkeiten. Klar ist auch für die Bundesbank: Die Krise ist noch lange nicht vorbei.
Wer wird derzeit gerettet? Irland, deutsche Banken, oder der EZB-Chef? Die Frage führt zu Unstimmigkeiten. Klar ist auch für die Bundesbank: Die Krise ist noch lange nicht vorbei.
Das Risiko für deutsche Banken bei ihren Aktivitäten im hoch verschuldeten Irland ist geringer als oftmals dargestellt. Das machte Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler bei der Vorstellung des "Finanzstabilitätsberichts 2010" am Donnerstag deutlich. Die kursierenden Zahlen von 130 Milliarden bis 140 Milliarden Euro seien Bruttoangaben. "Wenn wir das tatsächliche Irland-Risiko berücksichtigen, liegen wir bei etwa 25 Milliarden Euro."
Zeitler erklärt die große Diskrepanz der Zahlen damit, dass viele der Engagements in Finanzierungs- und Zweckgesellschaften steckten, die aus rechtlichen Gründen in Irland angesiedelt seien.
Die Hilfsmaßnahmen für Irland stehen als verkappte Bankenrettung in der Kritik, von der auch deutsche Institute profitieren, die in Irland engagiert sind. Der Ökonom und Rettungsschirm-Kläger Markus Kerber sagte Anfang der Woche im EURACTIV.de-Interview mit Bezug auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: "Wer Herrn Ackermann in den letzten Tagen in Brüssel bei der Lobby-Arbeit zusehen konnte, dem ist nicht entgangen, dass die sogenannten Kreditinstitute, die zu Spielhöllen geworden sind, um eine Gratis-Vollkaskoversicherung bei Vater Staat nachsuchen."
Ackermann hatte in Brüssel am Rande eines EU-Finanzministertreffens vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf weitere Länder gewarnt. Das gelte es "mit allen Mitteln" zu vermeiden. Ackermann rief die EU auf, "alles zu tun, um jedes Land in Schwierigkeiten aufzufangen". Europa sei "jeden Preis wert". Inwieweit Ackermann dabei die Interessen der Deutschen Bank im Sinn hatte, bleibt offen.
Die Rettung für EZB-Chef Trichet?
Frank Schäffler, Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, deutet die Irland-Hilfe dagegen als eine ‚Rettungsaktion‘ für Jean-Claude Trichet, den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). "Hier geht es lediglich darum, die irischen Banken vom Tropf der EZB zu nehmen und EZB-Chef Trichet aus seinem selbst verursachten Schlamassel zu helfen", so Schäffler gegenüber dem Handelsblatt (Donnerstag).
Schäffler bezieht sich auf die Praxis der EZB, Banken in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien unbegrenzt Geldmarktkredite zu sehr niedrigen Zinsen einzuräumen. Damit sichert sie Banken das Überleben, die sich auf dem freien Markt nicht mehr finanzieren könnten.
Krise noch lange nicht vorbei
Obwohl die Bundesbank das Risiko für deutsche Institute in Irland relativiert, zeichnet sie insgesamt ein ernstes Bild der Lage. "Mehr als drei Jahre nach ihrem Ausbruch ist die Finanzkrise keineswegs überwunden", heißt es im Finanzstabilitätsbericht. "Um die Krise zu überwinden, muss es gelingen, das Vertrauen in nachhaltig tragfähige Staatsfinanzen in allen Staaten der Europäischen Währungsunion zurückzugewinnen und langfristig bestmöglich abzusichern."
Derweil steht sogar ein Auseinanderbrechen der Eurozone zur Debatte (EURACTIV.de vom 25. November 2010).
awr
Links
Presse
Handelsblatt: In Irland-Krise gerät Trichet in die Schusslinie (25. November 2010)
Dokumente
Bundesbank: Finanzstabilitätsbericht 2010. Pressemitteilung (25. November 2010)
Bundesbank: Finanzstabilitätsbericht 2010 (25. November 2010)
Bundesbank: Rede von Professor Dr. Franz-Christoph Zeitler
Vizepräsident der Deutschen Bundesbank. Zur Stabilität des deutschen Bankensystems: Erfolge und Risiken auf dem Weg aus der Krise (25. November 2010)
Bundesbank: Rede Dr. Andreas Dombret. Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank zum Finanzstabilitätsbericht 2010 der Deutschen Bundesbank (25. November 2010)
EURACTIV.de: Bricht die Eurozone auseinander? (25. November 2010)
EURACTIV.de: Irland-Hilfe: "Ackermanns Lobby-Arbeit für die Spielhöllen" (23. November 2010)
EURACTIV.de: Irland flüchtet unter den Rettungsschirm (22. November 2010)