"Das wird man doch noch sagen dürfen": Für ein Sexismus-freies Weihnachten

Die Gruppe NousToutes bietet in ihrem Anti-Sexismus-Guide Antworten auf die (leider) oft üblichen sexistischen Bemerkungen, die beim Fest der Liebe fallen können.

EURACTIV.fr
shutterstock_523907602
Zwischen Weihnachtsgans und Rotkohl passt immer noch ein kleines "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen". [Rawpixel.com_Shutterstock]

Die Gruppe NousToutes bietet in ihrem Anti-Sexismus-Guide Antworten auf die (leider) oft üblichen sexistischen Bemerkungen, die beim Fest der Liebe fallen können. EURACTIV Frankreich berichtet.

Auch wenn die Zahl der Gäste dieses Jahr kleiner sein mag als in „normalen“ Jahren, wird die COVID-19-Pandemie nicht das Ende aller Weihnachtstraditionen bedeuten.

Auch mit einem Meter Abstand kann es im Lichterschein laut werden: Nach dem Geschimpfe über Impfstoffe beim Aperitif, gefolgt von ein wenig Politik bei der Vorspeise, dürften auch sexistische Bemerkungen die Verkostung des Festtagsbratens begleiten.

„In Frankreich im Jahr 2020 haben die Frauen nichts zu beklagen. Sieh dir doch mal Afghanistan an,“ wird Onkel Peter, unterstützt von Papa, sagen. Und überhaupt: „In jedem Fall übertreiben die Feministinnen. Man darf ja über gar nichts mehr Witze machen.“

Dann folgt Oma Erika, voller Wohlwollen: „Du hast immer noch keinen Freund? Wie sieht es denn aus mit Kindern?“

Damit bei all diesen gut oder weniger gut gemeinten Bemerkungen der Appetit und die Lust auf Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius nicht verloren geht, hat das feministische Kollektiv NousToutes einen Anti-Sexismus-Guide entwickelt.

Der Guide beginnt mit einfachen, aber effektiven Tipps wie der schlichten Anmerkung: „Was du da sagst, ist mir unangenehm.“ Weitere Strategien sind Gegenfragen an die Gesprächspartner oder das Suchen von „Verbündeten“ in der Gruppe.

Das letztendliche Ziel: Ruhe bewahren, damit mit sexistischen Klischees aufgeräumt werden kann; und es trotz der weißwein-erregten Gemüter ein schöner Abend wird.

Von sachlich bis zynisch

Der Leitfaden bietet eine Liste möglicher Reaktionen auf diverse sexistische Äußerungen nach verschiedenen „Modi“: von humorvoll über zynisch bis sachlich.

Als Antwort auf das besagte „Wir sind ja nicht in Afghanistan! Hier müssen sich Frauen gar nicht beschweren“ könne man (bzw. Frau) beispielsweise ein paar Zahlen in Erinnerung rufen: „In Frankreich erhalten Frauen durchschnittlich 24 Prozent weniger Lohn. Sie übernehmen den Großteil der Hausarbeit. Jede zehnte Frau ist Opfer von Gewalt in der Partnerschaft,“ heißt es in dem Ratgeber.

Für den lächerlichen Klassiker „Man darf ja nichts mehr sagen“ wird indes Zynismus empfohlen: „Da habt ihr Recht. Frankreich geht den Bach hinunter. Man darf gar nicht mehr ungestraft antisemitische, homophobe, rassistische oder sexistische Dinge sagen. Es lebe die Meinungsfreiheit.“

„Und wann kommen Kinder?“ Auf diese meist nicht einmal bewusst sexistische Frage hat sich das Kollektiv eine besonders knackige Antwort ausgedacht: „Danke, dass du das Thema ansprichst. Ich dachte mir auch schon, dass mein Sexleben und mein Eisprung tolle Themen sind, die wir beim Hauptgang besprechen sollten.“

Der Guide enthält zahlreiche weitere Antworten, um auf Klischees und Geschlechterstereotypen zu reagieren.

Und wenn diese Antworten nicht überzeugen, dann war das Jahr 2020 sicherlich ereignisreich genug, um das Thema wenigstens auf andere Debatten zu lenken. Wie viele Neuinfektionen gab’s gestern eigentlich?

[Bearbeitet von Tim Steins]