Der Europäer Franz Liszt und Ungarns EU-Präsidentschaft

Franz Liszt mischt in Sachen Europa fest mit: Er feiert seinen 200. Geburtstag und ist derzeit bei vielen europäischen Anlässen präsent. Er gilt als wahrer Europäer. Die EU fördert Kulturprojekte, und für Lehrende und Studierende aus Europa finden im Liszt-Jahr Erasmus-Programme statt.

Franz Liszt bringt Schwung in europäische Rituale, hier gespielt vom Klavierduo Eduard und Johannes Kutrowatz, den beiden Intendanten des Liszt Festivals (Foto: lisztomania)
Franz Liszt bringt Schwung in europäische Rituale, hier gespielt vom Klavierduo Eduard und Johannes Kutrowatz, den beiden Intendanten des Liszt Festivals (Foto: lisztomania)

Franz Liszt mischt in Sachen Europa fest mit: Er feiert seinen 200. Geburtstag und ist derzeit bei vielen europäischen Anlässen präsent. Er gilt als wahrer Europäer. Die EU fördert Kulturprojekte, und für Lehrende und Studierende aus Europa finden im Liszt-Jahr Erasmus-Programme statt.

Jüngst gab der belgische Botschafter in Berlin, Mark Geleyn, von der Last der halbjährigen belgischen EU-Ratspräsidentschaft befreit, die Europaflagge an das nächste Land weiter. Da nun Ungarn die Präsidentschaft innehat, überreichte Geleyn das Symbol an den ungarischen Botschafter, József Czukor, der soeben erst sein Amt Unter den Linden angetreten hat. Fast das gesamte diplomatische Corps Berlins war zugegen und sprach nur am Rande über die Aufregungen um das umstrittene Mediengesetz der Regierung Orban oder über das ungarische Semester in der Präsidentschaft. Im Mittelpunkt stand nämlich vor allem Franz Liszt.

Noch ohne Schengen-Raum

Nicht nur Ungarn, auch Österreich und Deutschland rühmen sich Franz Liszts, und das Jahr 2011 zeigt, wie sehr der Komponist, Klaviervirtuose und Dirigent ein wahrer Europäer war und ist. Er war in Wien, Budapest, Paris, London, Weimar, Bayreuth, München und Rom zu Hause, als hätte es zu seinen Lebzeiten schon den Schengen-Raum und die Euro-Zone gegeben; er pflegte den regen Austausch mit Künstlern wie Richard Wagner, Fréderic Chopin, Hector Berlioz und den Intellektuellen seiner Zeit, als hätte es schon Facebook gegeben; er war in ganz Europa bekannt und gefeiert, als hätte es schon YouTube gegeben. Und er war ein Frauenschwarm, von der europäischen Damenwelt fast hysterisch verehrt.

Wie sehr Liszt Europäer war, lässt sich übrigens auch aus der Herkunft der Leihgaben für eine Ausstellung ablesen. Für eine Ausstellung, die am 17. März im Burgenland startet, kommen Leihgaben aus zahlreichen europäischen Ländern.

EU-Kulturprojekt mit Drittstaaten

Die Europäische Union beteiligt sich am Kulturprojekt um Franz Liszt. Aus dem Bereich „Kulturelles Kooperationsprojekt mit Drittstaaten“ wurde das Joseph Haydn Konservatorium in Eisenstadt ausgewählt, an diesem EU-Kulturprojekt zum Thema „Das Klavier als Spiegel der Europäischen Kultur“ teilzunehmen.

Innerhalb von zwei Jahren werden je drei herausragende Pianisten von Konservatorien und Musikuniversitäten in Frankreich, Polen, Mazedonien, Moldawien und Österreich in jedem teilnehmenden Land für zwei Wochen zu Gast sein, um mit renommierten Referenten an der Klavierliteratur des jeweiligen Landes zu arbeiten.

In der Zeit vom 5. bis 16. April 2011 werden 18 Pianisten am Joseph Haydn Konservatorium in Eisenstadt Station machen und sich schwerpunktmäßig mit der Klaviermusik des Komponisten Franz Liszt beschäftigen.

Erasmus Intensiv Programm: „Liszt, the progressive“

Ferner veranstaltet das Joseph Haydn Konservatorium in Eisenstadt ein Internationales Erasmus-Intensivprogramm zum Thema „Liszt, the progressive“, an dem 60 Studierende und 20 Lehrende von Partnerschulen in Deutschland, Frankreich, Holland, Ungarn, Italien, Spanien und der Slowakei zu Gast sein werden.

Von 10. bis 21. Mai 2011 stehen die kompositorischen Neuerungen und Innovationen in der Musik Franz Liszts und ihre Zurückführung auf die musikalische Sprache Joseph Haydns im Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Ausstrahlung und Bedeutung des Komponisten Franz Liszt für die nachgeborenen Komponisten, auch auf die Komponisten der Wiener Schule A. Schoenberg, A. Berg und Anton v. Webern, stellt den zweiten großen Bereich dieses Intensivprogramms dar und wird ebenso in Workshops und Vorträgen behandelt und in Konzerten präsentiert werden.

Franz Liszt soll nun den Ungarn helfen, über hausgemachte Probleme ihrer EU-Ratspräsidentschaft hinwegzukommen und das erste Halbjahr 2011, in dem sie im Mittelpunkt der EU-Beobachtung stehen, erträglich zu gestalten. Bei der feierlichen Übergabe der EU-Flagge vom belgischen an den ungarischen Botschafter fragte sich jedoch der eine oder andere Gast, was das wohl bedeuten mochte, dass auf die fröhliche Ungarische Rhapsodie die schwere Kost der 14 Kreuzwegstationen Christi des späten Franz Liszt folgte. 

ekö

Weitere Informationen: www.lisztfestival.at und www.lisztomania.at

Die Presse, Wien: Ungarns Botschafter: "Nerven liegen blank" (20. Januar 2011)

EURACTIV.de: Interview mit Ungarns Botschafter Peisch: "Orbán könnte den ‚harten‘ Ungarn machen" (12. November 2009)

EURACTIV.de: Interview mit Belgiens Botschafter Marc Geleyn "Belgien: Präsidentschaft ohne Programm" (8. Juli 2010)