Deutschland beginnt Bau von 10 Milliarden Euro teurer Stromtrasse

Nach einem Jahrzehnt voller Verzögerungen hat Deutschland mit dem Bau einer wichtigen Hochspannungsleitung zur Versorgung seiner südlichen Regionen mit Strom begonnen – dem berüchtigten SuedLink.

Euractiv.com
High voltage line in Essen
Eine unterirdische Hochspannungsleitung, die Strom aus dem windigen Norden Deutschlands in den Süden bringen soll, befindet sich endlich im Bau. [EPA-EFE/FRIEDEMANN VOGEL]

Nach einem Jahrzehnt voller Verzögerungen hat Deutschland mit dem Bau einer wichtigen Hochspannungsleitung zur Versorgung seiner südlichen Regionen mit Strom begonnen – dem berüchtigten SuedLink.

Im Jahr 2013 standen die deutschen Hochspannungsnetzbetreiber vor einem Rätsel: Wie sollten sie Süddeutschland mit Strom versorgen, wenn die Atomkraftwerke des Landes abgeschaltet sind?

Ihre Lösung: eine 10 Milliarden Euro teure Stromtrasse, die Windstrom ins Herz des Kontinents transportieren soll – das größte Projekt der deutschen Energiewende.

„SuedLink garantiert eine sichere Stromversorgung in Bayern und Baden-Württemberg“, erklärte Vizekanzler Robert Habeck beim Startschuss für den Bau, der mit einem gewaltigen, 20 Meter tiefen Tunnel mit einem Radius von 4 Metern unter der Elbe beginnt.

Nach Abschluss der Bauarbeiten – laut Plan Anfang 2028 – wird die Stromleitung 700 Kilometer lang sein und bis zu 4 Gigawatt Leistung transportieren.

Nach dem Widerstand in Bayern wird die Leitung unterirdisch verlaufen, statt auf Masten zu ruhen. Für die ersten 17 Kilometer liegen bereits Genehmigungen vor.

Die Energie, die durch das Kabel fließt, wird so stark sein, dass bereits geringe Reibungen Wärme erzeugen, die den Boden über dem Kabeltunnel beschädigen könnte. Dennoch ist SuedLink weit davon entfernt, genügend Übertragungskapazität bereitzustellen, um die Spitzenwerte der Windenergieerzeugung in den norddeutschen Küstenregionen zu erreichen.

„Wir sprechen hier sicherlich von 20 Gigawatt zusätzlicher Transportkapazität, die hinzukommen müssen, um die Windenergie in windreichen Zeiten nutzen zu können“, sagte Philip Gordon vom Think-Tank Agora Energiewende dem NDR.

Es bleibt noch viel zu tun, um den wohlhabenden Süden Deutschlands mit Energie zu versorgen. Laut Tim Meyerjürgens, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers TenneT, ist Bayern im Durchschnitt für etwa 7.000 Stunden pro Jahr auf Stromimporte angewiesen.

Lange Projektpipeline

Einem Bericht der Bundesregierung vom Juli zufolge will Deutschland fast 14.000 Kilometer an Stromleitungsprojekten entwickeln, um den sich ändernden Bedürfnissen eines Landes gerecht zu werden, das sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet.

Davon sind 2.000 Kilometer bereits in Betrieb, 1.500 befinden sich im Bau und der größte Teil sitzt noch im bürokratischen Sumpf Deutschlands fest. In den kommenden Jahren soll mit dem Bau von rund 5.400 Kilometern begonnen werden.

Die Regierung habe „mit der Reform des Energiewirtschaftsgesetzes den beschleunigten Baubeginn ermöglicht. Wir zeigen, dass wir auch Großprojekte beschleunigen können“, erklärte Ingrid Nestle, energiepolitische Sprecherin der Grünen.

Klaus Müller, Leiter der Bundesnetzagentur, sagte, die von der jetzigen Regierung beschlossenen Gesetze könnten den Ausbau der Stromtrassen beschleunigen.

„Die Bundesregierung hat das letzte Jahr genutzt, um eine ganze Reihe von Beschleunigungsgesetzen auf den Weg zu bringen. Die Bundesnetzagentur kann jetzt schneller genehmigen“, sagte er der WELT.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Frédéric Simon]