Deutschland bleibt wichtigster Investitionsstandort für US-Unternehmen

Deutschland ist neben China für US-Unternehmen der wichtigste Investitionsstandort – noch vor Osteuropa. Die zukünftigen Herausforderungen aus Sicht der US-Investoren: die europäische Schuldenkrise, die starke Exportabhängigkeit und der zunehmende Fachkräftemangel.

Laut Business Barometer der Amerikanischen Handelskammer rechnen 87 Prozent der in Deutschland tätigen US-Unternehmen für 2011 mit einem weiteren Umsatzzuwachs. Foto: AmCham
Laut Business Barometer der Amerikanischen Handelskammer rechnen 87 Prozent der in Deutschland tätigen US-Unternehmen für 2011 mit einem weiteren Umsatzzuwachs. Foto: AmCham

Deutschland ist neben China für US-Unternehmen der wichtigste Investitionsstandort – noch vor Osteuropa. Die zukünftigen Herausforderungen aus Sicht der US-Investoren: die europäische Schuldenkrise, die starke Exportabhängigkeit und der zunehmende Fachkräftemangel.

Die überwiegende Mehrheit der in Deutschland tätigen US-Unternehmen (87 Prozent) rechnet für 2011 mit einem weiteren Umsatzzuwachs. Trotz der befürchteten Auswirkungen der Eurokrise erwarten rund 60 Prozent, dass die deutsche Wirtschaft aufgrund des hohen Anteils außereuropäischer Exporte und eines starken Binnenmarktes den Nachfragerückgang – verschuldet durch die Schuldenkrise – kompensieren kann.

Zu diesen Ergebnissen kommt das VIII. AmCham Business Barometer, eine gemeinsame Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) und der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany). Die Befragung wurde Anfang 2011 unter 107 US-Firmen mit einem jährlichen Gesamtumsatz von etwa 120 Milliarden Euro und mehr als 320.000 Arbeitsplätzen am deutschen Standort durchgeführt.

Kurzarbeit als Wettbewerbsvorteil

"Insbesondere Kurzarbeit wird als komparativer Wettbewerbsvorteil des deutschen Wirtschaftsstandorts wahrgenommen. Aber auch die Umsetzung dringender wirtschaftspolitischer Aufgaben wie Zurückhaltung beim Lohnniveau, Reformen des Arbeitsmarktes und Steuersenkungen wurde aus Sicht der von uns befragten Unternehmen in den vergangenen Jahren erfolgreich angegangen, was sich nun auszahlt", erklärte Ernst-Wilhelm Frings, Schatzmeister der AmCham Germany.

"Der Optimismus hat sich bewahrheitet und das allgemeine Selbstbewusstsein der Deutschen ist gestiegen, da wir über uns in der Zeitung lesen, dass wir besser als die meisten anderen durch die Krise gekommen sind", sagte Lutz Raettig, Vizepräsident der AmCham Germany. "Durch diese Erfahrung sind wir psychologisch für die Zukunft gut gerüstet."

"Erhebliche Risiken"

BCG-Senior-Partner Daniel Stelter erklärte: "Nachdem Deutschland die Krise so gut gemeistert hat, sollten auch die zukünftigen, großen Herausforderungen mit gleicher Energie in Angriff genommen werden. Dazu zählt zum einen die starke Exportabhängigkeit. Zum anderen fordert mittelfristig die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise die deutsche Wirtschaft. Und auf lange Sicht stellen die zunehmende Überalterung der Gesellschaft und der Mangel an hoch qualifizierten Nachwuchskräften erhebliche Risiken dar."

Rund die Hälfte der Befragten beabsichtigt für 2011 eine Erhöhung ihrer Mitarbeiterzahlen. Neben der hohen Auslastung, die den Personalbedarf vergrößert, werden nun auch Einstellungen realisiert, die in der Krise zurückgestellt wurden. Für 2011 plant die Mehrheit der US-Firmen (58 Prozent) auch einen Anstieg ihrer Investitionstätigkeit. Dennoch halten sich viele Unternehmen derzeit mit Investitionsentscheidungen zurück, nicht zuletzt, um ihre Eigenkapitalquote zu verbessern.

Ungelöste Strukturprobleme

Eine deutliche Mehrheit der Befragten sieht in der hohen öffentlichen Verschuldung (81 Prozent) beziehungsweise in der hohen Verschuldung der Privathaushalte (61 Prozent) die beiden wichtigsten bislang ungelösten Strukturprobleme des europäischen Wirtschaftsraums. Rund die Hälfte der Befragten hält die Stabilität des Bankensektors in Europa für unzureichend und sieht die stark divergierende Wettbewerbsfähigkeit einzelner EU-Mitgliedsländer als Standortnachteil für die europäische Wirtschaft.

Transferunion wird abgelehnt

Die befragten Unternehmen bekennen sich eindeutig zur Eurozone mit einer einheitlichen europäischen Währung. Mehr als 88 Prozent lehnen die Idee einer Nord-Süd-Teilung der Eurozone ab, 96 Prozent wenden sich gegen eine Auflösung der Eurozone. Sie fordern jedoch Kontrollmechanismen, um eine dauerhafte Subventionierung wirtschaftsschwächerer EU-Staaten zu verhindern. Zudem plädieren 42 Prozent der Unternehmen für eine Mithaftung privater Gläubiger. Jedes dritte Unternehmen befürwortet Umschuldungsmaßnahmen, jedes fünfte Unternehmen im Sinne einer Ultima Ratio auch den forcierten Austritt hoch verschuldeter Mitgliedsländer der EU als Lösung für die Schuldenkrise. Eine Transferunion – im Sinne einer dauerhaften finanziellen Unterstützung der wirtschaftsschwächeren Länder im Euroraum – wird mehrheitlich abgelehnt.

Vertrauen auf einen stabilen Euro

In Bezug auf die Auswirkungen der Schuldenkrise auf ihr Unternehmen schätzen 65 Prozent der Befragten die Gefahr eines Anstiegs der Inflation infolge der expansiven Geldpolitik der EZB als besonders hoch ein. Zudem halten 56 Prozent der Unternehmen höhere Wechselkursschwankungen auf den Devisenmärkten für wahrscheinlich. Rund zwei Drittel (67 Prozent) planen für 2011 eine stärkere Kostenkontrolle – unabhängig von der Eurokrise soll sie dabei helfen, künftig in schlanker und effizienter Weise auf konjunkturelle Schwankungen zu reagieren.

Um sich besonders auf die Auswirkungen der Eurokrise vorzubereiten, plant jedes vierte Unternehmen mittel- oder langfristig eine Abstoßung unprofitabler Geschäftssegmente, jedes fünfte will seine Unternehmensaktivitäten stärker diversifizieren. Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass ein stabiler Euro und eine stabile Entwicklung der europäischen Konjunktur sich kurz- bzw. mittel- und langfristig positiv auf die Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort auswirken.

dto

Links

Dokumente

AmCham: VIII. AmCham Business Barometer

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