Deutschland: Noch keine chinesische "Autoflut" in Sicht
Während der Gesamtanteil chinesischer Autos am deutschen Markt noch überschaubar ist, bereitet der wachsende Anteil an chinesischen Elektroautos, Herstellern und Politikern Sorgen. Sie befürchten, dass Europas Position auf dem sich schnell entwickelnden Markt gefährdet ist.
Während der Gesamtanteil chinesischer Autos am deutschen Markt noch überschaubar ist, bereitet der wachsende Anteil an chinesischen Elektroautos, Herstellern und Politikern Sorgen. Sie befürchten, dass Europas Position auf dem sich schnell entwickelnden Markt gefährdet ist.
In ihrer „Rede zur Lage der Europäischen Union“ im September warnte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass „die globalen Märkte nun mit billigeren chinesischen Elektroautos überschwemmt werden.“ Daher kündigte sie an, dass die EU eine Antisubventionsuntersuchung einleiten werde, die zu neuen Zöllen auf chinesische Elektroautos führen könnte.
In Deutschland sind die chinesischen Hersteller jedoch noch weit davon entfernt, den Markt zu dominieren. Laut den am Donnerstag (5. Oktober) vom Kraftfahrtbundesamt veröffentlichten Daten lag ihr Anteil an den gesamten Neuzulassungen von Januar bis September 2023 bei nur 1,4 Prozent.
Bei den Elektroauto-Neuzulassungen ist der Anteil chinesischer Hersteller jedoch höher und erreichte in den ersten neun Monaten des Jahres einen Marktanteil von 5,8 Prozent.
Während die Berechnung Marken wie die chinesische BYD („Build Your Dreams“), Great Wall Motors und NIO einschließt, könnten einige chinesische Hersteller nicht berücksichtigt worden sein, so der deutsche Branchenverband VDA gegenüber Euractiv. Die Zahlen könnten sich in Zukunft noch erhöhen, wenn mehr chinesische Marken auf den deutschen Markt kommen würden.
In Deutschland wurde von der Leyens Ankündigung einer Untersuchung mit breiter Skepsis aufgenommen, da die Autohersteller mögliche Vergeltungsmaßnahmen der chinesischen Regierung befürchteten. Politiker äußerten sich besorgt über eine Aushöhlung der Position Europas als Verfechter des Freihandels und des offenen Marktzugangs, die für Deutschlands exportorientierte Industrien von entscheidender Bedeutung sind.
Die Ankündigung spaltete auch die Abgeordneten in von der Leyens eigener Europäischer Volkspartei (EVP).
Der bayerische EVP-Abgeordnete Markus Ferber warnte, „ein Handelskrieg mit China könnte sich schnell zum nächsten Sargnagel für den Automobilstandort Deutschland entwickeln.“ EVP-Chef Manfred Weber, ebenfalls von der bayerischen CSU, begrüßte die Ankündigung hingegen umgehend.
Mehr Elektroautos in Deutschland, trotz geringerer Subventionen
Trotz einer stark reduzierten staatlichen Förderung für den Kauf neuer Elektroautos steigt der Anteil der Elektroautos in Deutschland weiter an.
Im September 2023 wurden in Deutschland insgesamt 224.500 Autos neu zugelassen, davon 47.120 Elektroautos (entweder vollelektrisch oder Plug-in-Hybrid), was einem Anteil von 20 Prozent entspricht.
Während diese Zahl unter der Menge der im September 2022 verkauften Fahrzeuge lag, stieg die Anzahl der Elektroautos über das gesamte Jahr hinweg im Vergleich zu 2022 deutlich an.
Der Rückgang im September ist vor allem auf die im August 2023 auslaufende Förderung für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge zurückzuführen, als die Verkäufe in letzter Minute ihren Höhepunkt erreichten und dann zurückgingen.
Trotzdem der sogenannte „Umweltbonus“ für private Käufer ebenfalls zum Jahreswechsel gekürzt wurde, stieg der Absatz von Elektroautos in den ersten neun Monaten des Jahres 2023 insgesamt um 5 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2022.
Der Bonus für Privatkäufer wurde im Januar 2023 für Elektroautos, die mehr als 40.000 Euro kosten, von 5.000 Euro auf 3.000 Euro und für günstigere Autos von 6.000 Euro auf 4.500 Euro gesenkt. Für Plug-in-Hybridfahrzeuge, die sowohl über einen Elektro- als auch über einen Verbrennungsmotor verfügen, wurde die Subvention ganz abgeschafft.
Infolgedessen sind die Zulassungen von Plug-in-Hybriden eingebrochen, was jedoch durch die steigende Zahl rein batterieelektrischer Fahrzeuge (BEVs) mehr als ausgeglichen wurde.
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder, der sich derzeit im Landtagswahlkampf befindet, kritisierte die Kürzungen: „Ich finde es falsch, dass wir Stück für Stück die Förderungen reduziert haben, gerade weil wir im internationalen Kontext stehen.“
Von den 47.120 Elektroautos, die im September zugelassen wurden, stammten allerdings nur 2.045 von chinesischen Marken, davon weniger als 200 von BYD. In China hat BYD mit seinem Marktanteil bereits den deutschen Platzhirsch Volkswagen überholt, was die Befürchtung weckt, dass die deutschen Hersteller auf dem größten Automarkt der Welt ins Hintertreffen geraten könnten.
Während Frankreich erwägt, sein Subventionsprogramm nur auf europäische Hersteller zu beschränken und chinesische Automarken aufgrund des Einsatzes von Kohlestrom bei der Produktion ihrer Autos auszuschließen, zieht Deutschland eine solche Maßnahme bisher nicht in Betracht.
Deutschland leicht über EU-Durchschnitt
Der Anteil der Elektroautos in Deutschland liegt leicht über dem europäischen Durchschnitt.
Während umfassende Daten für alle EU-Staaten für September noch nicht verfügbar sind, hatte Deutschland in der ersten Hälfte des Jahres 2023 einen Anteil von 21,7 Prozent an Elektroautos (BEVs und Plug-in-Hybride) an allen Neuwagenverkäufen, gegenüber einem Anteil von 20,3 Prozent in der EU insgesamt, so der Automobilherstellerverband ACEA.
In Schweden lag dieser Anteil bei 58 Prozent, wobei Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Luxemburg, Malta, die Niederlande und Portugal allesamt höhere Anteile als Deutschland aufwiesen. In anderen EU-Staaten, vor allem im Osten, lag der Anteil deutlich niedriger.
Auf der IAA in München im September forderte Bundeskanzler Olaf Scholz Autohersteller auf, Elektroautos für alle zugänglich zu machen, indem sie mehr Modelle in niedrigeren Preisklassen einführen – ein Bereich, in dem die deutschen Hersteller bisher hinterherhinken.
[Bearbeitet von Sean Goulding Carroll/Zoran Radosavljevic]