Deutschland verschärft Sicherheitsmaßnahmen nach mutmaßlichem Hybridangriff auf den Flughafen Leipzig

Die Behörden vermuten, dass ein staatlicher Akteur beteiligt war, da sowohl das Ziel als auch die Raffinesse der angewandten Methoden darauf hindeuten.

EURACTIV.com
Following a drone incident at Leipzig/Halle Airport
Polizeieinsatz am Flughafen Leipzig/Halle, [Foto: Hendrik Schmidt/picture alliance via Getty Images]

Die deutschen Behörden bereiten zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen Leipzig vor, nachdem in der Nähe von ukrainischen Frachtflugzeugen, die die Lufttransportoperationen der NATO unterstützen, eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt wurde.

Leipzig ist ein wichtiger Logistikknotenpunkt für Militärgüter, die für die Ukraine bestimmt sind, und war bereits zuvor Ziel mutmaßlicher Sabotageakte.

Die Drohne wurde am Mittwoch in der Nähe von vier Antonov-Frachtflugzeugen gefunden, die im Rahmen der Strategic Airlift International Solution (SALIS) der NATO im Einsatz sind. Das Programm ermöglicht den teilnehmenden Bündnispartnern den Zugang zu Schwerlasttransportkapazitäten, über die sie selbst nicht verfügen.

Eines der Frachtflugzeuge, das in unmittelbarer Nähe der Drohne geparkt war, hatte Berichten zufolge militärische Munition geladen und war kurz zuvor auf einem Flug aus Frankreich in Leipzig gelandet.

„Sehr schwerwiegendes sicherheitsrelevantes Ereignis“

Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt brach seinen Urlaub ab und kehrte nach dem Vorfall, den er als „sehr schwerwiegendes sicherheitsrelevantes Ereignis“ und als Teil einer umfassenderen „hybriden Bedrohung“ bezeichnete, ins Land zurück. „Das war kein Werk von Amateuren“, sagte Dobrindt und fügte hinzu, dass die Drohne offenbar gezielt modifiziert worden sei, um Abwehrsysteme zu umgehen.

Deutsche Beamte erklärten gegenüber Euractiv, dass Deutschland als größter europäischer militärischer Unterstützer der Ukraine zu einem besonders prominenten Ziel für russische hybride Operationen geworden sei.

Ein deutscher Sicherheitsbeamter fügte hinzu, dass man die Beteiligung eines staatlichen Akteurs angesichts des offensichtlichen Ziels und der Raffinesse der eingesetzten Methoden für sehr wahrscheinlich halte.

Nach Angaben des deutschen öffentlich-rechtlichen Senders ARD entdeckte ein am Flughafen tätiger Busfahrer die Drohne, nachdem deren Zünder offenbar versagt hatte. Nach einer Reihe von Tests stellten Spezialisten der Bundeskriminalpolizei fest, dass das an der Drohne befestigte Material den Kunststoffsprengstoff Semtex enthielt.

(mm)