Ehemaliger Klimaverantwortlicher fordert Rolle des Privatsektors bei UN-Gesprächen

Yvo Boer, der ehemalige Klimaverantwortliche bei den Vereinten Nationen, hat gefordert, dass es dem privaten Sektor ermöglicht werde, an internationalen Verhandlungen über die Finanzierung des Grünen Klimafonds im Wert von 100 Milliarden Dollar jährlich teilzunehmen. Er sprach mit EURACTIV in einem Exklusivinterview.

Yvo De Boer 2008_Picnik.jpg
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Yvo Boer, der ehemalige Klimaverantwortliche bei den Vereinten Nationen, hat gefordert, dass es dem privaten Sektor ermöglicht werde, an internationalen Verhandlungen über die Finanzierung des Grünen Klimafonds im Wert von 100 Milliarden Dollar jährlich teilzunehmen. Er sprach mit EURACTIV in einem Exklusivinterview.

Was man brauche, sei eine Art von Konsultationsmechanismus, der dabei helfe, Perspektiven des privaten Sektors in die Debatte einzubringen, erklärte de Boer gegenüber EURACTIV.

Wenn die Finanzierung durch den privaten Sektor ein bedeutsamer Teil der Lösung sei, dann solle dieser auch bei der Ausarbeitung dieser Lösung entscheidend mitreden dürfen, sagte der ehemalige Klimaverantwortliche der Vereinten Nationen, der jetzt beim internationalen Beratungsunternehmen KPMG arbeitet.

Ein solcher Schritt würde die Art, wie Klimagespräche geführt werden, verändern – und seitens der Schwellenländer wahrscheinlich auf großen Widerstand stoßen.

Am 8. April hat die Europäische Kommission den privaten Sektor aufgefordert, einen großen Anteil der beim Cancún-Gipgel im vergangenen Dezember beschlossenen Gelder bereitzustellen. Die Gelder sollen den Schwellenländern bei der Vermeidung der Auswirkungen des Klimawandels und bei ihrer Anpassung an diese Auswirkungen helfen.

Ein Interimausschuss, der aus Regierungsvertretern besteht, arbeitet zur Zeit an der Gestaltung des Fonds, und de Boer sagte, es wäre „förderlich“, wenn der derzeitige Beobachterstatus des privaten Sektors in diesem Prozess auf eine höhere Stufe gebracht werden könnte. Dies würde durch einen neuen Mechanismus „mehr direkte Beiträge und Ratschläge“ der Banken, Pensionskassen und Energieinvestoren ermöglichen.

Doch einem Konsens im Süden nach sollte die westliche Hilfe hauptsächlich aus öffentlichen Quellen stammen. Oxfam hat den Schritt der EU, in den Grünen Klimafonds private Finanzierung einzubinden verurteilt, und als „lediglich schlaue Buchhaltung“ und „falsch“ bezeichnet.

De Boer hatte mit „etwas Widerstand aus den Schwellenländern“ gerechnet aber er beharrte darauf, dass wenn man sich ins eigene Fleisch schneide, und sage, der private Sektor müsse außerhalb der Diskussionen bleiben, würde dies schließlich zu Lasten der Schwellenländer gehen.

Statt eines einzigen Grünen Klimafonds schlug de Boer ein Netzwerk unterschiedlicher öffentlicher und privater Finanzinstitutionen vor.

Man solle an eine Familie von Finanzinstitutionen denken, welche ihre unterschiedlichen Fachkompetenzen und finanziellen Rollen kombinierten, um die Ziele des Klimawandels wirksamer zu erreichen, sagte er.

Seines Erachtens nach sei es „ein wenig seltsam“, dass Finanzinstitutionen derzeit am Tisch, an dem der Grüne Fonds gestaltet werde, nicht vertreten seien. Für ihn mache dies keinen Sinn, fügte er hinzu.

Yvo de Boer war Chefsekretär des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) bis zum Scheitern des Kopenhagener Gipfels im Dezember 2009.

Zwei Monate später gab er seinen Rücktritt bekannt. Als Grund gab er an, mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und als Klimaberater für das internationale Beratungsunternehmen KPMG arbeiten zu wollen.

In einem umfassenden Interview sagte de Boer auch, er glaube, dass die Einnahmen durch das Emissionshandelssystem der EU (EHS) für die weitere Kürzung der CO2-Emissionen genutzt werden sollten.

Derzeit sei es unbestreitbar, dass Energieunternehmen in Europa unerwartete Gewinne gemacht hätten. Dies sei auf die Art, wie das EHS gestaltet sei zurückzuführen, gestand er ein.

In Phase I des EU-EHS wird es geschätzt, dass die Energieunternehmen Zufallsgewinne von circa 19 Milliarden Euro angehäuft hätten, die in Phase II auf 71 Milliarden Euro steigen könnten.

Er denke, dass der Hauptzweck der so gewonnenen Einnahmen eine weitere Reduzierung der Emissionen sein sollte, so de Boer.

Teil der Herausforderung sei es, sicherzustellen, dass die finanziellen Ressourcen auf eine Art genutzt würden, die zur Lösung beitrage.

Allerdings stelle seine große Befürchtung die Auswirkung dar, die die zögernden Versprechen der Industrieländer bezüglich auf den ohnehin schon langsam bewegenden CO2-Markt haben könnten.

Man brauche auch eine angemessene Nachfrage, die durch ehrgeizige Kürzungsziele der Industrieländer geschaffen werde, erklärte er. Dies geschehe jedoch nicht.

Der Stand der Dinge sei, dass sich die einzigen „bedeutenden“ CO2-Märkte in Japan und in der EU befänden, sagte de Boer.

Arthur Nelsen von EURACTIV führte das Gespräch.

Um das ganze Interview (auf Englisch) zu lesen, klicken Sie bitte hier.