"Energiesparlampen sind politischer Sondermüll"
Energiesparlampen bergen erhebliche Gesundheitsrisiken, so eine deutsche Studie. Damit flammt ein alter Streit wieder auf. Verbraucherschützer und der EU-Politiker Herbert Reul (CDU) fordern, das EU-Verbot klassischer Glühbirnen sofort auszusetzen.
Energiesparlampen bergen erhebliche Gesundheitsrisiken, so eine deutsche Studie. Damit flammt ein alter Streit wieder auf. Verbraucherschützer und der EU-Politiker Herbert Reul (CDU) fordern, das EU-Verbot klassischer Glühbirnen sofort auszusetzen.
Umstritten war das EU-Glühbirnen-Verbot von Anfang an. Vielen gilt es als Inbegriff der Brüsseler Regelungswut, obwohl auch Deutschland die Vorschrift maßgeblich vorantrieb (EURACTIV.de vom 31. August 2009). Nun erhalten die Verbotsgegner Rückenwind: Alternativen zur klassischen Glühbirne bergen Gesundheitsrisiken. Tests des Umweltbundesamtes (UBA) ergaben: Gehen Energiesparlampen zu Bruch, kann hochgiftiges Schwermetall in die Innenraumluft gelangen. Unmittelbar nach dem Bruch könne die Quecksilber-Belastung um das 20-fache über dem zulässigen Wert liegen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert deshalb von der Bundesregierung, in Brüssel eine Aussetzung des Verbots zu erwirken, bis sichere und praktikable Alternativen auf dem Markt sind. "Es kann nicht sein, dass der Staat ein sicheres Produkt verbietet und durch ein unsicheres ersetzt", so vzbv-Vorstand Gerd Billen. Die geplante dritte Stufe des Glühbirnen-Verbots bedeute für Verbraucher einen besonders starken Einschnitt, da die 60-Watt-Birnen im Haushalt am häufigsten eingesetzt würden. "Wenn die Industrie es nicht schafft, bruchsichere und ungefährliche Lampen anzubieten, muss die Glühbirne über den Herbst 2011 hinaus im Handel bleiben", so Billen.
"Klimaschutzwahn führte zu Hauruck-Verbot"
"Jetzt kommt raus, wie gefährlich Energiesparlampen sind", kommentiert der Vorsitzende des Industrieausschuss des EU-Parlaments, Herbert Reul (CDU). Bei der Produktsicherheit habe sich die EU-Kommission offenbar keine Gedanken gemacht. "Getrieben vom Klimaschutzwahn musste ein Hauruck-Verbot her", so Reul. "Nun aber sind die Energiesparlampen zum politischen Sondermüll geworden." Reul fordert von der EU-Kommission, das Verbot der Glühlampen mit sofortiger Wirkung auszusetzen.
Neben quecksilberhaltigen Kompaktleuchtstofflampen bieten auch LED-Lampen eine Alternative zur klassischen Glühbirne.
Hintergrund
Im September 2011 soll die dritte Stufe der EU-Effizienzvorschriften in Kraft treten. Nach den Glühbirnen mit 100 und 75 Watt dürfen dann auch solche mit 60 Watt nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Bis Ende 2012 sollen schließlich auch 40 und 25 Watt Glühbirnen vom Markt verschwunden sein.
awr
Links
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:
EURACTIV.de: Das Ende der Glühbirne (31. August 2009)
Dokumente
Umweltbundesamt (UBA): Quecksilber aus zerbrochenen Energiesparlampen (2. Dezember 2010)
vzbv: Aussetzung des Glühbirnen-Verbots. Untersuchung des UBA zeigt Gesundheitsgefährdung durch zerbrochene Energiesparlampen. Pressemitteilung (2. Dezember 2010)
Rat/Parlament: Ökodesign-Rahmenrichtline 2005/32/EG (2005)
Kommission: Glühbirnen-Verordnung 244/2009 (18. März 2009)
Kommission: Mitteilung zum Arbeitsprogramm für die Jahre 2009-2011 gemäß der Ökodesign-Richtlinie