Erdgas für Nabucco aus Aserbaidschan

Die EU bekommt direkten Zugang zu Gasreserven im Kaspischen Meer. Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew unterzeichneten hierzu eine Absichtserklärung. Verhandlungen über Visaerleichterungen sollen "in naher Zukunft" beginnen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (L) reiste 2011 mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger (R) nach Aserbaidschan und Turkmenistan, um die Gasversorgung über den „Südlichen Korridor“ voranzutreiben. Foto: EC
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (L) reiste 2011 mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger (R) nach Aserbaidschan und Turkmenistan, um die Gasversorgung über den "Südlichen Korridor" voranzutreiben. Foto: EC

Die EU bekommt direkten Zugang zu Gasreserven im Kaspischen Meer. Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew unterzeichneten hierzu eine Absichtserklärung. Verhandlungen über Visaerleichterungen sollen „in naher Zukunft“ beginnen.

Die EU hat am Donnerstag ein Gaslieferabkommen mit Aserbaidschan unterzeichnet, mit dem die Abhängigkeit von russischen Lieferungen verringert werden soll. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Präsident der Republik Aserbaidschanin unterzeichneten in der Hauptstadt Baku eine gemeinsame Deklaration über den Südlichen Energie-Korridor. Demnach geht Baku die Verpflichtung ein, langfristig "substanzielle Gasmengen" nach Europa zu pumpen.

Barroso sprach nach der Zeremonie mit Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew von einem großen Durchbruch. Aserbaidschan verpflichtet sich, genügend Gas zu liefern, damit der sogenannte Südliche Korridor über die Türkei geschaffen werden kann. Drei Konsortien konkurrieren darum, die Infrastruktur zu errichten, mit der Gas aus Aserbaidschan nach Europa transportiert werden soll, darunter die Pipeline Nabucco und TAP.

Gleichzeitig erklärte der Kommissionspräsident, dass Verhandlungen zu einem Abkommen über Visaerleichterungen "in naher Zukunft" beginnen würden. "Dadurch wird es leichter für das aserbaidschanische Volk, in die EU zu reisen", so Barroso.

Beiderseitiges strategisches Interesse

"Dieser Korridor liegt in unserem beiderseitigen strategischen Interesse", sagte Barroso. "Aserbaidschan will seine Exporte diversifizieren, die EU ihre Importe." Zusammen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger reist Barroso als nächstes nach Turkmenistan, um die Gasversorgung über den Südlichen Korridor voranzutreiben.

Größtes Projekt im Rahmen des Südlichen Korridors ist die Nabucco-Pipeline (Aserbaidschan-Türkei-Österreich). Dazu gehören auch die Leitung ITGI (Türkei-Griechenland-Italien) und die Trans Adriatic Pipeline (TAP). Aserbaidschan hat noch keine Entscheidung darüber getroffen, in welche Pipeline das Gas fließen wird.

Chance für Nabucco?

Die von Brüssel und den USA favorisierte Nabucco-Leitung muss erst gebaut werden, während die ITGI- und die TAP-Pipeline nur modernisiert bzw. erweitert werden sollten. Mehrere Experten sind der Ansicht, dass das Projekt Nabucco nach der Unterzeichnung in Baku mehr Chancen hat, realisiert zu werden.

Für den Bau der Nabucco-Leitung, über die Erdgas von Feldern im Kaspischen Meer via Türkei und Balkan unter Umgehung Russlands nach Zentraleuropa gepumpt werden soll, wurde das Konsortium Nabucco Gas Pipeline International GmbH gegründet. Gesellschafter des Projekts sind die OMV Gas & Power GmbH (Österreich), MOL (Ungarn), Bulgargaz (Bulgarien), Transgaz (Rumänien), Botas (Türkei) und die RWE Supply & Trading GmbH (Deutschland) mit einem Anteil von jeweils 16,67 Prozent.

Inbetriebnahme von Nabucco für 2013 geplant

Die rund 3.300 Kilometer lange Pipeline soll eine Durchsatzkapazität von 31 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr haben. Die Inbetriebnahme ist für 2013 geplant. Die 7,9 Milliarden teure Pipeline soll im Grunde genommen eine Verlängerung der Leitung Baku-Tiflis-Erzurum sein. Zwei Drittel der Röhre sollen durch das türkische Gebiet führen.

Über die ITGI-Pipeline soll Erdgas aus dem Raum des Kaspischen Meer nach Italien fließen. Die etwa 800 Kilometer lange Leitung wird eine Durchsatzkapazität von voraussichtlich bis zu zehn Milliarden Kubikmeter im Jahr haben. Aktionäre des Projekts sind der griechische Gaskonzern Depa und das italienische Unternehmen Edison.

Die 520 Kilometer lange TAP-Leitung ist für die Versorgung Südostitaliens, Griechenlands und Albaniens mit kaspischem Gas bestimmt. Die Pipeline mit einer Jahresleistung von bis zu zehn Milliarden Kubikmeter soll 2011 in Betrieb genommen werden. Künftig könnte die Durchsatzkapazität auf 20 Milliarden Kubikmeter verdoppelt werden. Ein 115 Kilometer langer Teil der Leitung – von Albanien nach Italien – wird auf dem Meeresgrund verlegt.

EURACTIV/rtr/RIA Novosti/dto

Links

Dokumente

EU-Kommission: Commission and Azerbaijan sign strategic gas deal (13. Januar 2011)

EU-Kommission:
Joint Declaration on the Southern Gas Corridor (13. Januar 2011)

EU-Kommission: Statement by President Barroso following his meeting with Ilham Aliyev, President of Azerbaijan (13. Januar 2011)

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