EU-Emissionshandel nach Hacker-Angriff gestoppt
Nach Hacker-Angriffen in mehreren europäischen Ländern hat die EU-Kommission den Emissionsrechtehandel gestoppt. Mindestens eine Woche lang werden die Transaktionen ausgesetzt, um die Sicherheitslücken zu schließen.
Nach Hacker-Angriffen in mehreren europäischen Ländern hat die EU-Kommission den Emissionsrechtehandel gestoppt. Mindestens eine Woche lang werden die Transaktionen ausgesetzt, um die Sicherheitslücken zu schließen.
Erneut musste die EU-Kommission den Handel mit Emissionsrechten weitgehend stoppen. Ausgenommen sind die Zuteilung und Rückgabe von Emissionsrechten. Die Brüsseler Behörde reagiert damit auf "wiederholte Sicherheitseinbrüche in nationale Handelsregister in den vergangenen zwei Monaten". Diese Maßnahme gilt bis mindestens 26. Januar, teilte die EU-Kommission gestern mit. Bis dahin sollen die Sicherheitslücken in den nationalen Handelsregistern geschlossen werden. Bei den jüngsten Vorfällen ist es Hackern offenbar gelungen, europäische Emissionsrechte im Wert von etwa 6,7 Millionen Euro aus dem Handelsregister in Tschechien zu stehlen.
Vor wenigen Tagen, am 10. Januar, kam es bereits zu Angriffen auf Computer der österreichischen Registrierstelle.
Es ist nicht der erste Hacker-Angriff auf das EU-Emissionsrechtehandelssystem (ETS) und es ist nicht das erste Mal, dass der Handel mit Emissionsrechten ausgesetzt werden musste. EURACTIV.de berichtete.
Die Kommission verweist darauf, dass die nationalen Behörden für die Sicherheit der nationalen Handelsregister zuständig seien. Die Vorfälle der letzten Wochen zeigten, dass angemessene Sicherheitsmaßnahmen schnell in allen nationalen Handelsregistern umgesetzt werden müssten.
ETS mit ernsthaftem Image-Problem
Der Handel mit den Verschmutzungsrechten gilt in Europa als eines der effektivsten Mittel für den Klimaschutz. Weitere Informationen zum Emissionshandel gibt es bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt).
Das ETS sorgt allerdings seit zwei Jahren immer wieder für Negativschlagzeilen: Mal ging es um Mehrwertsteuerbetrug, mal um Phishing-Mails, mal um den Wiederverkauf bereits verbrauchter Verschmutzungsrechte. Das ETS hat inzwischen ein ernsthaftes Image-Problem.
Jos Delbeke, Direktor der EU-Klimabehörde macht die europäischen Regierungen für die Sicherheitslücken verantwortlich. "Ich bin sprachlos über die Nachlässigkeit einiger Mitgliedsstaaten." Mitarbeiter seiner Behörde hätten einige Mitgliedsstaaten über bestehende Sicherheitslücken informiert. "Es sieht so aus, als ob die Hälfte der Mitgliedsstaaten unsere Botschaft nicht ernst genommen hat", sagte Delbeke.
Umstellung auf zentrales Register
Delbeke erklärte zudem, dass die EU ihren Emissionsrechtehandel ab 2013 auf ein sicheres zentrales Registrierungssystem umstellen wird. "In der Woche, in der der Handel ausgesetzt ist, werden wir jedem Mitgliedsstaat individuell sagen, was sie tun müssen, um sich vor Hacker-Angriffen und Diebstahl zu schützen", ergänzte Delbeke. "Wir müssen das System reparieren."
Wie hoch der Schaden durch die jüngst gestohlenen Emissionsrechte ist, konnte Delbeke noch nicht beziffern. "Wir stecken noch mitten in den Ermittlungen. Wir haben noch kein stimmiges Ergebnis."
Reaktion aus dem EU-Parlament
Der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen erklärte, es sei "nicht akzeptabel, dass dieses Handelssystem derart große Sicherheitslücken und Anfälligkeiten für Betrügereien aufweist". "Der Emissionshandel ist das Kernelement der europäischen Klimaschutzpolitik. Wir treten in die entscheidende Phase des europäischen Emissionshandelssystems ein und können uns derartige Pannen und Schäden nicht erlauben", so Leinen.
EEX von unberechtigten Kontenzugriffen nicht betroffen
Die deutsche Strombörse European Energy Exchange (EEX) ist nach eigenen Angaben von den Hacker-Angriffen auf verschiedene nationale Emissionsregister nicht betroffen. Der Handel am EEX Spot- und Terminmarkt für Emissionsrechte sei bis auf weiteres nur geringfügig beeinträchtigt, teilte die EEX am Donnerstag mit. Verkäufe von Emissionsberechtigungen seien nur zulässig, sofern diese aus einem hinterlegtem Bestand des verkaufenden Börsenteilnehmers erfolgen. Verkäufe, die nicht durch die erforderlichen Bestände gedeckt seien, würden von der Börse aufgehoben.
EURACTIV/rtr/mka
Links
EU-Kommission
Announcement of transitional measure: EU ETS registry system (19. Januar 2011)
Website mit Informationen zum Emissions Trading System (EU ETS)