EU konnte dank Solar- und Windkraft 11 Milliarden Euro an Gasimporten sparen
Erneuerbare Energien haben es der Europäischen Union ermöglicht, seit Beginn des Krieges in der Ukraine Importe von fossilem Gas im Wert von 99 Mrd. € zu vermeiden.
Erneuerbare Energien haben es der Europäischen Union ermöglicht, seit Beginn des Krieges in der Ukraine Importe von fossilem Gas im Wert von 99 Mrd. € zu vermeiden. Dank des Rekordwachstums der Wind- und Solarkapazitäten hat sich dieser Betrag im Vergleich zum Vorjahr um 11 Mrd. € erhöht, so ein neuer Bericht.
Solar- und Windenergie haben seit März 2022 ein Viertel des Stroms in der EU erzeugt, wodurch 70 Mrd. m³ Gasimporte vermieden werden konnten, so eine neue Studie der Think-Tanks E3G und Ember.
Dies hat wiederum dazu beigetragen, den Rückgang der Stromerzeugung aus Wasser- und Atomkraft abzufedern. Die Ursache dafür war eine Kombination von Dürreperioden und Wartungsarbeiten sowie Ausfälle in der französischen Atomflotte.
„Wind- und Solarenergie helfen den europäischen Bürgern:innen bereits“, sagte Chris Rosslowe, Senior Analyst bei Ember. „Aber das zukünftige Potenzial ist noch größer“, fügte er hinzu.
Erneuerbare Energien auf Rekordniveau
Seit März haben 19 EU-Mitgliedstaaten einen Rekord bei der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie erzielt, wie die Studie zeigt.
Unter ihnen ist Polen das Land mit dem größten prozentualen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (+48,5 Prozent im Vergleich zu 2021), während Spanien den größten absoluten Anstieg der Stromerzeugung verzeichnete.
Eine neue Studie von Ember und dem CREA (Centre for Research on Energy and Clean Air) bestätigt, dass der Krieg in der Ukraine und die Preise für fossile Brennstoffe die Energiewende in der EU beschleunigt haben. Die EU-Mitgliedstaaten erkennen die Rolle der erneuerbaren Energien für die Energiesicherheit an und kündigen an, ihren Einsatz deutlich zu erhöhen.
„Die EU hat die Energiewende auf Turbolader gestellt, und die Regierungen wollen ernsthaft aus den teuren fossilen Brennstoffen aussteigen“, sagte Pawel Czyzak, leitender Datenanalyst für Energie und Klima bei Ember.
„Es besteht ein Konsens darüber, dass ein schnellerer Ausbau der Wind- und Solarenergie der EU helfen kann, mehrere Krisen abzuwenden“, fügte er hinzu.
Die Analyse zeigt, dass die jüngsten Pläne der EU-Länder ehrgeiziger sind und einen Rückgang der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen um 31 Prozent bis 2030 im Vergleich zu ihren Strategien von 2019 vorsehen.
In den letzten zwei Jahren haben 19 europäische Regierungen den Ehrgeiz ihrer Dekarbonisierungsstrategie erhöht, wobei einige von ihnen planen, bis 2030 nahezu den gesamten Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen.
Gas ist keine Lösung
Trotz himmelhoher Preise wurden zwischen März und September 2022 immer noch 20 Prozent der Stromerzeugung in der EU durch Erdgas gedeckt, was Kosten in Höhe von 82 Milliarden Euro verursachte, so der Bericht.
Die Analysten von Ember und E3G warnten vor den schädlichen Auswirkungen fortgesetzter Investitionen in die Gasinfrastruktur und erklärten, dass die EU-Politik der Vergangenheit für die zunehmende Gasabhängigkeit verantwortlich sei.
„Die Wette auf Gas als Brückentreibstoff und die Zurückhaltung beim Ausbau der erneuerbaren Energien sind die Hauptursachen für die Energiekrise in Europa“, heißt es in dem Bericht.
„Die Entscheidung, eine weitere Diversifizierungsstrategie zu verfolgen und neue Gasinfrastrukturen vor dem Hintergrund anhaltend hoher Preise und knapper LNG-Märkte zu entwickeln, birgt das Risiko, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und wird nicht zur Überwindung der aktuellen Krise beitragen“, heißt es weiter.
Dem Bericht zufolge liegt die Lösung in dem von der Europäischen Kommission im Mai vorgeschlagenen REPowerEU-Plan, der darauf abzielt, die Abhängigkeit der EU von russischen fossilen Brennstoffen rasch zu beenden.
„Die Regierungen müssen das Ziel von REPowerEU, saubere Energie zu erzeugen, unterstützen und es zu einem Kernelement der Reaktion auf die Energiepreiskrise machen“, sagte Artur Patuleia, Senior Associate bei E3G.
[Bearbeitet von Frédéric Simon]