EU will Macht der vier großen Wirtschaftsprüfer brechen

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den "hyper-konzentrierten" Markt für Wirtschaftsprüfung öffnen.

Die vier großen Wirtschaftsprüfer sahen die Finanzkrise nicht kommen. EU-Kommissar Michel Barnier sucht nach Wegen, sie zu entmachten. Foto: EC.
Die vier großen Wirtschaftsprüfer sahen die Finanzkrise nicht kommen. EU-Kommissar Michel Barnier sucht nach Wegen, sie zu entmachten. Foto: EC.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den „hyper-konzentrierten“ Markt für Wirtschaftsprüfung öffnen.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier kündigte am Donnerstag bei einer Anhörung in Brüssel eine Richtlinie bis November an, die für mehr Wettbewerb unter den Wirtschaftsprüfern sorgen und den "großen Vier" KPMG, Deloitte, Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers engere Fesseln anlegen soll. Man könne beim Thema Prüfung nicht so tun, als ob es kein Problem gäbe, sagte Barnier.

Die Kommission hat im Dezember eine Konsultation zur Abschlussprüfung abgeschlossen (EURACTIV.de vom 13. Oktober 2011). Daran beteiligten sich fast 700 Akteure aus der Branche und der Wissenschaft. Ein Teil der Positionen ist öffentlich einsehbar, darunter auch die Antwort von PricewaterhouseCoopers. Grundlage war ein Grünbuch zum Thema. Die Kommission hat die Reaktionen in einer Übersicht zusammengefasst. 

Die Macht der vier Großen

Die EU-Parlamentarier fürchten, dass der Zusammenbruch eines der vier Unternehmen, die praktisch alle großen Konzerne prüfen, die Märkte ins Wanken bringen könnte. Für Verärgerung hatte in der Finanzkrise gesorgt, dass die Prüfer die Bilanzen vieler Banken testiert hatten, die wenig später vom Steuerzahler teuer gerettet werden mussten. Ernst & Young etwa sieht sich als Prüfer der Pleite-Bank Lehman Brothers mit Klagen und Ermittlungen konfrontiert.

"Der Markt für Wirtschaftsprüfung ist hyper-konzentriert. Das gilt umso mehr für die lukrativsten Segmente des Marktes, und das verhindert die Entstehung neuer großer Prüfungsfirmen", sagte Barnier. Er denke daher daran, die Prüfungen künftig von jeweils zwei Gesellschaften anfertigen zu lassen, und nur eine davon dürfe zu den großen Vier gehören. Der Kommissar will auch klären lassen, ob die Wirtschaftsprüfer über die Durchsicht der Bilanzen hinausgehen und eine Art "Gesundheitszeugnis" für die geprüften Unternehmen abgeben sollten.

Interessenkonflikt im Beratungsgeschäft?

Ein Dorn im Auge ist den Aufsehern auch die Doppelfunktion der Wirtschaftsprüfungskanzleien als Abschlussprüfer und Berater der Unternehmen. Sie befürchten dadurch Interessenkonflikte. Zu dessen Lösung könnten Doppel-Aufträge verboten und/oder eine Rotation der Abschlussprüfer bei einem Unternehmen zur Pflicht werden, sagte Barnier.

Das deutsche Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) erklärte am Donnerstag, ein Verbot der Beratungstätigkeit sei unnötig. Sie führe zu Synergien, erklärte IDW-Vorstandssprecher Klaus-Peter Naumann.

EURACTIV/rtr/awr

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EU sagt Wirtschaftsprüfern den Kampf an (13. Oktober 2010)

Dokumente

EU-Kommission: 2011 – Année utile et essentielle pour la mise en œuvre de la reforme des services financiers. Rede von Michel Barnier (10. Februar 2011)

EU-Kommission: Summary of responses / Green Paper Audit Policy: Lessons from the crisis (4. Februar 2011)

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EU-Kommission: Grünbuch. Weiteres Vorgehen im Bereich der Abschlussprüfung: Lehren aus der Krise (13. Oktober 2010)