EU will Schattenbanken besser überwachen
Die EU plant eine bessere Regulierung und Aufsicht von Schattenbanken. EU-Kommissar Michel Barnier hat dazu das "Grünbuch Schattenbankwesen" vorgestellt. Die öffentliche Konsultation zu den geplanten EU-Vorschriften ist eröffnet.
Die EU plant eine bessere Regulierung und Aufsicht von Schattenbanken. EU-Kommissar Michel Barnier hat dazu das „Grünbuch Schattenbankwesen“ vorgestellt. Die öffentliche Konsultation zu den geplanten EU-Vorschriften ist eröffnet.
Die EU-Kommission treibt die Reform des europäischen Finanzsektors weiter voran und will sich nun den Schattenbanken widmen. Zu den Schattenbanken zählen beispielsweise Investmentfonds, Finanzierungsgesellschaften oder Rückversicherer. Sie bieten Anlegern alternative Finanzierungsquellen an, unterliegen aber nicht den Regulierungen für den regulären Bankensektor. Die Kommission schätzt das Volumen des Schattenbankensektors im Jahr 2010 auf auf 46 Billionen Euro. Das entspricht etwa einem Viertel des gesamten Finanzsektors.
Grünbuch und Konsultation
Mit der am Montag (19. März) gestarteten öffentlichen Konsultation will die Kommission Optionen ausloten, wie diese "Nichtbanken", die mehr und mehr Kredite vergeben, wirksamer reguliert und überwacht werden könnten. Die EU-Kommission will "mit einem angemessenen Regulierungsrahmen eine umfassende Beaufsichtigung des Schattenbankwesens gewährleisten", heißt es in der Mitteilung zum Grünbuch.
Die Kommission prüfe in fünf Bereichen (Bankenwesen, Vermögensverwaltung, Wertpapierleih- und Pensionsgeschäfte, Verbriefung und andere Unternehmen des Schattenbanksektors) mögliche Optionen und weitere Schritte.
Der für die Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier begründete die EU-Initiative in diesem Bereich wie folgt: "Was wir nicht wollen, ist, dass Tätigkeiten und Unternehmen des Finanzsektors bestehende und geplante Vorschriften umgehen und dies die Akkumulierung neuer Risikofaktoren im Finanzsektor nach sich zieht. Aus diesem Grund müssen wir unseren Kenntnisstand darüber verbessern, welche Unternehmen den Schattenbanksektor ausmachen, worin ihre Tätigkeit besteht und welche Art von Regulierung und Aufsicht auf welcher Ebene für sie angemessen sein könnte. Wir müssen Transparenz in alle Bereiche des Finanzsektors bringen."
Interessierte Kreise können sich bis zum 1. Juni 2012 an der Konsultation beteiligen.
Konferenz in Brüssel
Am 27. April findet in Brüssel eine Konferenz zum Thema Schattenbankwesen statt. Die Konferenz richtet sich hauptsächlich an im Bereich der Finanzmärkte tätige Praktiker, Aufseher, Gesetzgeber, Akademiker, Gewerkschaftsvertreter und andere Beteiligte. Die Teilnehmerzahl ist auf 400 begrenzt. Weitere Informationen zur Konferenz und zur Online-Anmeldung gibt es hier.
Red.
Links
Informationen der EU-Kommission
Schattenbankwesen: Neue Risikofaktoren im Finanzsektor ausschalten (Pressemitteilung, 19. März 2012)
Green Paper on Shadow Banking – FAQ (19. März 2012)
Grünbuch Schattenbankwesen (März 2012, englisch)
Website zum Schattenbankensystem
Studien zum Thema
FES: Gute Bank – Schlechte Bank. Kann ein Trennbankensystem Finanzkrisen verhindern? (März 2012)
Weitere Beiträge auf EURACTIV.de
EU-Parlament: Strengere Regeln gegen Spekulanten (5. Juli 2011)
Grünes Licht für neue Finanzmarktaufsicht (22. September 2010)