Eurozone trotz Wachstum weiter unter Druck
Die Wirtschaft in der Eurozone wächst in diesem und im kommenden Jahr durchschnittlich um 1,5 Prozent. Das geht aus der Konjunkturprognose für 2011/2012 hervor, die vom "Makro-Konsortium von IMK, WIFO und OFCE" heute in Berlin präsentiert wurde. Die Wirtschaftsexperten warnen vor erheblichen Risiken, die den moderaten Aufschwung bremsen könnten.
Die Wirtschaft in der Eurozone wächst in diesem und im kommenden Jahr durchschnittlich um 1,5 Prozent. Das geht aus der Konjunkturprognose für 2011/2012 hervor, die vom „Makro-Konsortium von IMK, WIFO und OFCE“ heute in Berlin präsentiert wurde. Die Wirtschaftsexperten warnen vor erheblichen Risiken, die den moderaten Aufschwung bremsen könnten.
Die Konjunkturforscher aus Deutschland (IMK), Österreich (WIFO) und Frankreich (OFCE) haben heute in Berlin ihre erste gemeinsame Diagnose der Eurozone vorgestellt. Das Makro-Konsortium hat dabei eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft. Das Wachstum liegt 2011 bei 2,7 Prozent. Nächstes Jahr könnte sich die Konjunktur leicht abschwächen. Insgesamt zeichne sich für Deutschland aber eine günstige Entwicklung ab, mit der wir beruhigt leben könnten, so Gustav A. Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Auch andere nördliche Euro-Staaten wie Österreich und Niederlande können wirtschaftlich zulegen.
Beunruhigt blicken die Forscher allerdings auf die Entwicklungen im Südteil der Eurozone. Die Wirtschaftsleistung Spaniens stagniert, die Griechenlands und Irlands schrumpft zunächst weiter. Dazu tragen laut Prognose maßgeblich die rigiden Konsolidierungsprogramme bei. Die Konjunkturforscher prognostizieren in ihrem Bericht
Der Euroraum im Umbruch eine verstärkte Nord-Süd-Teilung des Währungsraumes.
Für Eurobonds
Die Konjunkturforscher prophezeien für den Euroraum ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 1,8 Prozent. Einseitige Sparprogramme europäischer Regierungen könnten diesen leichten Aufschwung allerdings erheblich beeinträchtigen, so die Forscher. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die europäischen Regierungen entschieden mit ihrer Geld- und Steuerpolitik über Wachstum oder Abschwung.
Die Konjunkturexperten setzen auf eine Niedrigzinspolitik der EZB bis 2015 und auf die Ausgabe von Eurobonds. Nur so könne der Zinssatz für europäische Staatsanleihen bei 3 Prozent gehalten werden. Diese Kombination aus niedrigen Zinsen für Krisenstaaten und höheres Wirtschaftswachstum könne Krisenstaaten aus der Krise helfen.
Gegen Umschuldungen
Die Wirtschaftsforscher lehnen dagegen Umschuldungen von Euroländern ab. Das wäre zwar populär, aber ökonomisch nicht sinnvoll. Auch nach einem Schuldenschnitt würde das Anhäufen von Schulden einfach weitergehen, wenn keine Strukturreformen umgesetzt würden. Das habe auf Dauer destabilisierende Auswirkungen für die gesamte Eurozone.
Erhebliche Risiken
Die europäische Währungskrise bleibt nach Ansicht der drei Institute das größte Risiko für die europäische Wirtschaft. Der Pakt für den Euro gehe teilweise in die falsche Richtung, denn undifferenzierte Sparprogramme und eine einseitige Orientierung am deutschen Exportmodell bringe der europäischen Wirtschaft mehr Schaden als Nutzen. Länder mit dauerhaften Leistungsbilanzüberschüssen wie Deutschland, Österreich und Niederlande müssten ebenfalls die Ungleichgewichte überwinden, indem sie ihre Binnennachfrage ankurbeln.
Der leichte Aufschwung kann nach Ansicht der Ökonomen aber auch durch eine Erhöhung der Rohstoffpreise in Folge der politischen Veränderungen in der arabischen Welt getrübt werden. Der Atomunfall in Japan würde dagegen nur zu kurzfristigen Lieferengpässen bei einzelnen Unternehmen führen. Die Folgen einer weitreichenden Verstrahlung seien aber nicht absehbar und müssten zu einer neuen Bewertung führen, so die Forscher.
mas
Links
IMK: Erste Konjunkturprognose des Makro-Konsortiums von IMK, WIFO und OFCE (7. April 2011)
IMK, OFCE und WIFO:
Der Euroraum im Umbruch. Erste gemeinsame Diagnose des Makro-Konsortiums, IMK Report Nr. 61 (April 2011)
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