Experten: Französische Regierung hat keine "echte" Geschlechtergleichstellung
Zwar gilt in der französischen Regierung technisch gesehen eine strikte Geschlechterparität mit 21 Frauen und 21 Männern, aber "die Verteilung der Ministerien beruht auf geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Geschlechterstereotypen".
Obwohl im Mai zum zweiten Mal in der modernen politischen Geschichte Frankreichs eine Frau zur Premierministerin ernannt wurde, sei die Geschlechterparität in der neuen französischen Regierung nur eine Fassade, mahnt der Hohe Rat für die Gleichstellung von Frauen und Männern (HCE).
Zwar gilt technisch gesehen eine strikte Geschlechterparität mit 21 Frauen und 21 Männern, aber „die Verteilung der Ministerien beruht auf geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Geschlechterstereotypen“, so der Rat.
So sind beispielsweise vier von fünf „Exekutiv“-Ministerien (solche mit den meisten Exekutivbefugnissen) von Männern besetzt, während sieben von neun Ministerien für soziale Angelegenheiten von Frauen geleitet werden.
Zusätzlich sind neun von zehn der sogenannten „Juniorministerien“ mit Frauen besetzt.
Die Geschlechterparität in der neuen Regierung sei also „rein rechnerisch“, so der HCE in einer Pressemitteilung.
Die Gleichstellung der Geschlechter hatte Präsident Emmanuel Macron in seiner ersten Amtszeit als „großes nationales Anliegen“ bezeichnet.
Er hatte auch versprochen, nach seiner Wiederwahl eine Frau zur Premierministerin zu ernennen, was mit Élisabeth Borne, der einzigen Frau, die dieses Amt nach Édith Cresson im Jahr 1991 innehatte, auch umgesetzt wurde.
Unterdessen wurden in den letzten Wochen zahlreiche Anschuldigungen wegen sexueller Gewalt gegen Politiker erhoben. Damien Abad, seit Mai Minister für Solidarität, wurde nach Vergewaltigungsvorwürfen entlassen.
Eric Coquerel, linksextremer Abgeordneter von La France Insoumise und neu gewählter Vorsitzender des einflussreichen Finanzausschusses in der Nationalversammlung, wurde ebenfalls der sexuellen Belästigung beschuldigt.