Gasversorgung: Chancen im "Südlichen Korridor"

Die EU will ihre Erdgas-Versorgungssicherheit erhöhen und arbeitet mit Hochdruck an mehreren wichtigen Pipeline-Projekten. Dabei kommt dem so genannten "Südlichen Korridor" einer Analyse der Friedrich Ebert Stiftung zufolge eine Schlüsselrolle zu. Bisher bleiben allerdings viele Fragen offen.

Noch ist unklar, ob die Visafreiheit für Bürger der Türkei im Juni umgesetzt wird. Foto: dpa
Heute werden die EU-Parlamentarier in Straßburg über die Aussetzung der Beitrittsgespräche mit der Türkei sprechen.

Die EU will ihre Erdgas-Versorgungssicherheit erhöhen und arbeitet mit Hochdruck an mehreren wichtigen Pipeline-Projekten. Dabei kommt dem so genannten „Südlichen Korridor“ einer Analyse der Friedrich Ebert Stiftung zufolge eine Schlüsselrolle zu. Bisher bleiben allerdings viele Fragen offen.

In der Publikation "Beyond Turkey: The EU’s Energy Policy and the Southern Corridor" diskutieren Energieexperten aus der Europäischen Union, der Türkei, Russland und der Kaspischen Region diese Fragen bei der Umsetzung des "Südlichen Korridors". 

Zusammenfassung:

Die Diversifizierung der Erdgas- und Öllieferungen ist eines der wichtigsten Ziele, das die europäische Energiepolitik seit Jahren verfolgt, um die Versorgungssicherheit der EU-Mitgliedsländer zu erhöhen.

Dabei gewinnen der so genannte "Südliche Korridor", der die bestehenden Transportwege aus Russland, der Nordsee und Nordafrika ergänzen soll, an Bedeutung. Gleiches gilt für die Türkei, der bei der Umsetzung von zentralen Pipeline-Projekten, wie der Nabucco-Pipeline (Internetseite), eine Schlüsselrolle zukommt.

Offene Fragen und ungenutzte Chancen

Hinsichtlich der konkreten Umsetzung der energiepolitischen Vorhaben der EU bestehen jedoch noch viele offene Fragen: Werden die Pipeline-Projekte die Türkei auf ihrem Weg zum EU-Beitritt enger an die EU binden und dadurch auch die Sicherheit der Energielieferungen erhöhen? Aus welchen Staaten des Kaspischen Raums und der Golfregion sollen Erdgas und Öl bezogen werden? Welche Rolle wird Russland spielen, das bereits eng mit der Türkei kooperiert und für seine South-Stream-Pipeline ebenfalls türkische Gewässer nutzen will?

Der "Südliche Korridor" könnte die Versorgungssicherheit der EU mit Gas deutlich erhöhen und würde außerdem die politische und wirtschaftliche Integration der Türkei in die EU verbessern. Außerdem würde es die Stabilität und Sicherheit der europäischen Nachbarschaft erhöhen, wenn die Staaten der kaspischen Region und des Nahen Ostens zusammenarbeiten würden. Es ist aber fraglich, ob die bisherigen Ansätze sowie die politische und finanzielle Unterstützung dazu ausreichen.

Europa sollte Politik überdenken

Ein stärkeres politisches und finanzielles Bekenntnis der europäischen Mitgliedsstaaten könnten den "Südlichen Korridor" hingegen entscheidend voranbringen. Gleiches gilt für eine engere Zusammenarbeit in Energiefragen, an der Russland oder der Iran beteiligt sind. Die EU wird sich in Zukunft entscheiden müssen, ob sie mit ihrer jetzigen Politik fortfährt oder sie überdenkt oder verstärkt. Der "Südliche Korridor" wird zur Feuerprobe für die gemeinsame Außenpolitik.

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Dokumente

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EU-Kommission:Energiestrategie 2020. Übersicht.

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