Griechenland will später zahlen
Griechenland bereitet weiterhin Sorgen. Das Staatsdefizit soll höher ausfallen als angekündigt. Die Milliarden-Hilfskredite könnten später zurückgezahlt werden als vereinbart. Die EZB warnt vor einem Glaubwürdigkeitsverlust.
Griechenland bereitet weiterhin Sorgen. Das Staatsdefizit soll höher ausfallen als angekündigt. Die Milliarden-Hilfskredite könnten später zurückgezahlt werden als vereinbart. Die EZB warnt vor einem Glaubwürdigkeitsverlust.
Die griechische Regierung hat erneut eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist für seine Milliarden-Hilfskredite ins Gespräch gebracht. Diese Frage stehe bereits im Raum, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou der Zeitung "Proto Thema" am Sonntag (14. November 2010). "Aber das heißt nicht, dass unser Problem automatisch gelöst ist." Mit oder ohne die Frist sei "ein Defizit ein Defizit".
Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) sich dagegen ausgesprochen, die Bedingungen für die Hilfskredite der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) neu zu verhandeln. Der Notenbanker Lorenzo Bini Smaghi warnte der Zeitung "Kathimerini" zufolge vor einem Glaubwürdigkeitsverlust.
Bereits im Oktober brachten der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou und der IWF einen neuen Zeitplan für die auf drei Jahre angelegte Schuldentilgung ins Gespräch. Insbesondere Deutschland lehnt eine Fristverlängerung ab (EURACTIV.de vom 11. Oktober 2010).
Defizit erneut größer als angenommen
Die Länder der Euro-Zone und der IWF hatten im Frühjahr einen 110 Milliarden Euro umfassenden Schutzschirm für Griechenland aufgespannt, weil das überschuldete Euro-Land neue Kredite an den Finanzmärkten nur noch zu sehr hohen Zinsen bekommen hätte.
Athen hatte seine Daten über Jahre hinweg geschönt. Zuletzt hatte sich die Finanzmisere in Griechenland erneut als größer erwiesen als angenommen: Regierungskreisen zufolge steuert das Land in diesem Jahr auf ein Haushaltsdefizit von 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung zu (EURACTIV.de vom 22. Oktober 2010). Damit verfehlt Griechenland das Ziel von 7,8 Prozent. Nach den Sparauflagen der EU muss Griechenland seine Neuverschuldung bis 2014 unter die Grenze von drei Prozent bringen.
EURACTIV / rtr
Links
Eurostat: Zweite Datenmeldung zu öffentlichem Defizit und
Schuldenstand für 2009 (22. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Irland taumelt, EU will helfen (12. November 2010)
EURACTIV.de: Griechenlands Kampf gegen Korruption scheitert (26. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Irland und Griechenland bleiben Sorgenkinder der EU (22. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Luksic: "Befristung der Griechenlandhilfe ist kein Selbstzweck" (14. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Griechenland-Hilfen – vorerst keine Verlängerung (11. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Merkel kämpft gegen dauerhafte Rettungsschirme (17. September 2010)
EURACTIV.de: Steinbrück fordert Umschuldung für Griechenland (12. September 2010)
EURACTIV.de: Waigel zur Euro-Rettung: "Das ist wie in einer Familie" (9. September 2010)
EURACTIV.de: Athens Strukturreformen: "Beeindruckende Fortschritte" (5. August 2010)