Großbritannien will Rumänen und Bulgaren Zugang zum Arbeitsmarkt versperren [DE]

Trotz der positiven Auswirkungen des Zustroms von Arbeitskräften aus Mittel- und Osteuropa auf die britische Wirtschaft, wird Großbritannien wahrscheinlich Arbeitnehmern aus Rumänien und Bulgarien nach dem EU-Beitritt der beiden Länder im Januar 2007 den Zugang zum Arbeitsmarkt verwehren.

Trotz der positiven Auswirkungen des Zustroms von Arbeitskräften aus Mittel- und Osteuropa auf die britische Wirtschaft, wird Großbritannien wahrscheinlich Arbeitnehmern aus Rumänien und Bulgarien nach dem EU-Beitritt der beiden Länder im Januar 2007 den Zugang zum Arbeitsmarkt verwehren.

Der britische Innenminister John Reid wird nach Angaben der Financial Times voraussichtlich noch vor Ende des Monats Beschränkungen für Arbeitskräfte aus Bulgarien und Rumänien bekanntgeben, die sich auf Stellensuche in Großbritannien begeben wollen. Wie die Zeitung schreibt, soll nur eine begrenzte Zahl ungelernter Arbeitskräfte aus den beiden Balkanländern Zutritt zum britischen Arbeitsmarkt erhalten. Die Einführung so genannter Übergangsmaßnahmen, mit der Einwanderer vom britischen Arbeitsmarkt ferngehalten werden sollen, setzt eine Entscheidung der Regierung voraus.

Ein solcher Schritt würde im starken Kontrast zu der gegenüber den acht 2004 der EU beigetretenen mittel-  und osteuropäischen Staaten vertretenen Politik stehen. Zehntausende Polen, Slowaken, Tschechen, Ungarn, Slowenen und Balten konnten sich damals ungehindert zur Stellensuche nach Großbritannien begeben, 300 000 Arbeitskräfte wurden letztlich registriert. Die Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sind sich einig, dass die britische Wirtschaft von diesem Zustrom profitiert hat, auch wenn die Anzahl der Arbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa auf dem britischen Arbeitsmarkt alle Erwartungen übertroffen hat.  

Im Hinblick auf den Beitritt Rumäniens und Bulgariens im Januar 2007 zeigen sich die britischen Unternehmer weniger optimistisch. Im August 2006 hatten die British Chamber of Commerce und die British Hospitality Association, die Gewerkschaft der Hotels, Restaurants und Catering-Betriebe – ein Bereich des Arbeitsmarktes, in dem besonders viele Einwanderer beschäftigt sind – dazu aufgerufen, vorerst keine ausländischen Arbeitskräfte mehr anzuwerben, schließlich könne niemand garantieren, dass Großbritannien eine zweite große Einwanderungswelle aus neuen EU-Mitgliedstaaten verkraften könne. 

Unterstützung erhielten die Handelskammer und die Gewerkschaft von den Konservativen und Teilen der Labour-Regierung. Der Handels- und Industrieminister Alastair Darling sagte am 21. August 2006, es gäbe gute Gründe dafür, den Arbeitsmarkt für eine Weile zu verschließen, ehe Arbeitskräfte aus Bulgarien und Rumänien in Großbritannien Einlass erhalten. Das Land solle zunächst darüber nachdenken, was es aus den bisherigen Erfahrungen zu lernen habe, so Darling. Vor allem der Umstand, dass sich Großbritannien 2004 bei der Anzahl der zu erwartenden Arbeitnehmer stark verschätzt hatte, lässt Befürchtungen wachsen, dass auch aus Bulgarien und Rumänien viel mehr Arbeitskräfte auf die Insel strömen könnten, als prognostiziert.