Habeck reduziert Förderung von Wärmepumpen trotz bescheidenem Absatzwachstum

Die deutsche Regierung wird ab Montag (15. August) die Zuschüsse für Energiesparmaßnahmen an Gebäuden, wie den Austausch von Fenstern oder den Einbau einer Wärmepumpe, senken. 

EURACTIV.com
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Deutschland hat die Fördersätze für Renovierungsarbeiten gesenkt. [[Shutterstock/lapas77]]

Die deutsche Regierung senkt ab dem 15. August die Zuschüsse für Energiesparmaßnahmen an Gebäuden, wie den Austausch von Fenstern oder den Einbau einer Wärmepumpe.

Etwa 20 Millionen Haushalte in Deutschland werden mit Gas beheizt, wobei Raumheizung und Warmwasserbereitung derzeit etwa 30 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs und einen Großteil der Emissionen ausmachen. Zwar kam zuletzt die große Meldung, dass die Gasspeicher zu 75 Prozent gefüllt sind, bleiben doch die Gaslieferungen aus Russland weiterhin gering.

Die angespannte Energiesituation und die Klimakrise machen nach Ansicht der Bundesregierung ein schnelles Handeln erforderlich.

„Beides erhöht die Dringlichkeit, fossile Technologien im Gebäudesektor zügig zu ersetzen und verstärkt auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu setzen“, erklärte Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz.

„Weniger Energie zu verbrauchen ist in Zeiten steigender Energiepreise der günstigste und effizienteste Beitrag zu mehr Unabhängigkeit und Klimaschutz und trägt zur Einsparung von Energiekosten bei“, so Habeck weiter.

Bislang lässt der Erfolg eher auf sich warten. Trotz anhaltend meilenhoher Gaspreise war der Absatz von Gasheizungen im ersten Halbjahr 2022 kaum rückläufig, so der Branchenverband BDH am 12. August.

Einerseits wurden von Januar bis Juli 299.500 Gasheizungen verkauft. Andererseits verzeichneten Wärmepumpen, die ab 2024 vollständig in den Heizungsabsatz einfließen sollen, lediglich einen bescheidenen Anstieg um 25 Prozent, was 96.000 verkaufte Geräten entspricht.

Um der unerwünschten anhaltenden Dominanz von Gasheizungen entgegenzuwirken, fördert die Regierung den Heizungstausch weiterhin, allerdings seit Montag mit einem deutlich geringeren Zuschuss, um die Förderung länger anbieten zu können.

„Der Einzelne wird künftig etwas weniger Förderung erhalten als bisher, dafür können mehr Menschen von den Förderprogrammen profitieren“, sagte Habeck. Je nach Sanierung wurden 5 bis 10 Prozent der gesamten Preiszuschüsse gestrichen.

Konkret wird der Austausch von Fenstern gegen besser abgedichtete Modelle künftig mit 15 Prozent bezuschusst und der Umstieg auf eine Wärmepumpe mit bis zu 40 Prozent des Neupreises unterstützt. Zuvor konnten bis zu 50 Prozent des Preises als Zuschuss gewährt werden.

Die Optimierung der Heizungsanlage, die vor dem kommenden Winter oft als tief hängende Früchte bezeichnet wurde, wird künftig mit 15 % bezuschusst.

Insgesamt werden durch diese Änderungen rund 13 bis 14 Milliarden Euro an Fördermitteln aus dem Bundesförderprogramm für energieeffizientere Gebäude zur Verfügung stehen, davon 12 bis 13 Milliarden Euro für Sanierungen, so das Klimaministerium.

Bisher war die staatliche Förderung eher auf Neubauten ausgerichtet. 2021 werden 8 Milliarden Euro an Fördermitteln für Sanierungen zur Verfügung gestellt, im Jahr davor sind es 5 Milliarden Euro.

„Der Energieeinspar- und Klimaschutzeffekt ist bei der energetischen Gebäudesanierung etwa 4,5-mal höher als beim Neubau“, so Habeck.

Beobachter:innen haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Koalitionsregierung durch die restriktive Finanzpolitik der FDP eingeschränkt werde, die nicht bereit sei, neue Steuern zu erheben oder die Schuldenbremse aufzuheben.

„Hier wird deutlich: Trotz der Aufstockung der Fördermittel für Sanierungen auf 12-13 Milliarden Euro pro Jahr reicht das Geld bei weitem nicht aus“, twitterte die Referentin für Energie und Klimaschutz bei der Umwelthilfe.

„Vor dem Hintergrund des Haushaltsziels ist das eine gute Lösung“, warb der Klimaminister für seinen Ansatz, der von Branchenverbänden heftig kritisiert wurde.

„Eigentümer und Eigentümerinnen bräuchten eine höhere Förderung anstelle einer niedrigeren, wenn man den Umstieg von fossilen auf regenerative Energien ernst meint“, sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Ähnliche Kritikpunkte äußerten auch Baugewerbeverbände und Umweltgruppen.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]