Japans Atomkatastrophe löst heftige EU-Debatte aus
Der Atomreaktor-Notstand in Japan hat eine Welle von Reaktionen in der Europäischen Union ausgelöst – Umweltminister haben auf Stresstests für die sich in Betrieb befindenden Atomanlagen gedrängt und Europaabgeordnete haben gefordert, dass die Kernkraft ganz eingestellt wird.
Der Atomreaktor-Notstand in Japan hat eine Welle von Reaktionen in der Europäischen Union ausgelöst – Umweltminister haben auf Stresstests für die sich in Betrieb befindenden Atomanlagen gedrängt und Europaabgeordnete haben gefordert, dass die Kernkraft ganz eingestellt wird.
Während sie aus Japan klarere Informationen erwarten, werden sich heute (15. März) die EU-Minister und Experten, die für Energie- und Atomfragen zuständig sind, auf Bitten von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Brüssel treffen.
Sie werden die Möglichkeit von EU-weiten Stresstests für die 143 Atomreaktoren, die derzeit auf dem Gebiet der Union in Betrieb sind, erwägen und darüber hinaus die weiter reichende Frage der Atomsicherheit in Europa debattieren.
Die EU-Umweltminister, die gestern (14. März) in Brüssel für ein planmäßiges Treffen versammelt waren, haben einen Vorschlag Österreichs unterstützt, die Sicherheit der laufenden Atomanlagen zu prüfen.
Die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, kündigte die dreimonatige Aussetzung eines Gesetzes an, welches auf die Verlängerung der Betriebszeit alter Atomanlagen abzielt. Zwei unter den 17 in Deutschland laufenden Atomanlagen werden wahrscheinlich vorübergehend außer Betrieb gesetzt werden.
Während des Moratoriums werden „alle deutschen Kernkraftwerke einer umfassenden Sicherheitsprüfung unterzogen werden“ „im Lichte der Erkenntnisse, die wir aus Japan haben“, sagte Merkel während einer Pressekonferenz in Berlin.
Die beiden größten Fraktionen im Europäischen Parlament, die Europäische Volkspartei (EVP) und die Sozialdemokraten (S&D), haben die Durchführung von Sicherheitsprüfungen an allen Atomanlagen in Europa gefordert.
Spanische und portugiesische Regierungsvertreter für Umweltfragen (beide von sozialdemokratischen Regierungen) sind einen Schritt weiter gegangen und haben eine allmähliche Einstellung der Atomenergie gefordert – dabei unterstützen sie die Position der Grünen.
Großbritannien, Frankreich und Italien haben „Ruhe“ gefordert. Frankreich und Großbritannien sind diejenigen EU-Länder, die die höchste Zahl an Atomreaktoren besitzen – jeweils 58 und 19. Italien hat keine Atomanlagen aber es hat ein ehrgeiziges Atomprogramm eingeleitet, um seine Abhängigkeit von externen Energiequellen einzuschränken.
Die EU-Kommissarin für Klimapolitik, Connie Hedegaard, hat versichert, dass „alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden“ würden. Sie fügte jedoch hinzu, dass mit 143 Reaktoren in Betrieb die Kernkraft noch für einige Zeit eine Realität sein werde – was auch immer geschehe.