Kaczynski: Polnische Arbeitslosenstatistik zu hoch [DE]

Der polnische Präsident Lech Kaczynski hat polnischen Arbeitnehmern in Großbritannien vorgeworfen, die polnische Arbeitslosenstatistik künstlich in die Höhe zu treiben. Viele der etwa 1 Mio. Polen, die in Großbritannien leben, sind in ihrem Heimatland immer noch arbeitslos gemeldet.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski hat polnischen Arbeitnehmern in Großbritannien vorgeworfen, die polnische Arbeitslosenstatistik künstlich in die Höhe zu treiben. Viele der etwa 1 Mio. Polen, die in Großbritannien leben, sind in ihrem Heimatland immer noch arbeitslos gemeldet.

Trotz des anhaltenden Wirtschaftswachstums und der steigenden Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften ist die Arbeitslosenquote eine der größten Herausforderung für Polen. Bislang wird der Mobilität der Polen nicht Rechnung getragen: Die aktuelle Arbeitslosenrate von 15,2% (September 2006) umfasst auch diejenigen Polen, die im Ausland vor allem in Großbritannien arbeiten, im Inland aber immer noch als arbeitslos gemeldet sind.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski hat das Problem bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair am 7. November 2006 angesprochen. Kaczynski zeigte sich dafür dankbar, dass Großbritannien 2004 seinen Arbeitsmarkt für den neuen EU-Mitgliedstaat geöffnet hatte, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass durch die Abwanderung nach Großbritannien die polnische Arbeitslosenrate künstlich in die Höhe getrieben würde.

Kaczynski sagte, diese Arbeitnehmer seien in Polen als arbeitslos gemeldet und steigerten so die Arbeitslosenrate während sie ein schönes Leben in Großbritannien führten und am liebsten hätten, dass ihr Arbeitslosengeld direkt nach London überwiesen würde. Polen wolle künftig gern hierauf verzichten, so der Präsident. 

Dieser „statistische Effekt“ bringt für die abgewanderten Polen finanzielle Leistungen mit sich, auf die sie wegen ihres Arbeitslosenstatus einen Anspruch haben. Nach Schätzungen wird die Zahl der Polen, die auf den britischen Arbeitsmarkt strömen, abnehmen. Als Gründe dafür werden das anhaltende Wirtschaftswachstum in Polen, die Bemühungen der Regierung, der Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte vorzubeugen, sowie ein wachsender Mangel an qualifizierten Arbeitskräften genannt.