Massive Kritik an Bachelor- und Masterstudiengängen
Mehr als 10 000 Schüler und Studenten protestierten heute gegen Missstände im deutschen Bildungssystem. Viele wollen nicht länger "Punktejäger" sein, fürchten den Burnout und die Gleichmacherei.
Mehr als 10 000 Schüler und Studenten protestierten heute gegen Missstände im deutschen Bildungssystem. Viele wollen nicht länger „Punktejäger“ sein, fürchten den Burnout und die Gleichmacherei.
Im Zentrum der Proteste stand das Bachelor-Master-System, das flächendeckend seit 1999 an deutschen Hochschulen eingeführt wurde.
Die Studenten kritisierten vor allem die massive Reglementierung, die dieses System mit sich bringt. „Innerhalb von kürzester Zeit soll man möglichst viel verwertbares Wissen sammeln. Kritische Lehrinhalte und Erfahrungen bleiben völlig auf der Strecke“, beschwerte sich eine Demonstrantin.
Zudem bleibe den Studenten aus weniger privilegiertem Elternhaus kaum noch Zeit, neben dem Studium zu arbeiten. Auch die Freizeit falle der hohen Arbeitsbelastung in den neuen Studiengängen zum Opfer. Viele Studenten würden unter dem enormen Leistungsdruck zusammenbrechen. „Sei Burnout, sei Punktejäger, sei Student“, war auf Bannern zu lesen.
Auf einem anderen Transparent stand: „Wochenstunden: 60- Unbezahlte Praktika: 7- Tippgeschwindigkeit: 350- Freunde/ Freundin- für sowas hab’ ich keine Zeit“.
Hoher Preis für Mobilität und Verkürzung
Die im Rahmen des Bologna-Prozess seit 1999 eingeführten Bachelor-Master-Studiengänge sollen zu einem europaweiten Hochschulraum führen.
Die Abschlüsse sind europaweit anerkannt. Die Studiendauer wurde im Vergleich zu früheren Abschlüssen deutlich verkürzt, was einen frühen Berufseinstieg ermöglichen soll. Durch strengere Regeln sollen die hohen Abbruchquoten und die Zahl der Langzeitstudenten in Deutschland gesenkt werden.
Allerdings verlangt der schnelle, straffe und praxisorientierte Studienplan den Studenten viel ab und lässt kaum Raum für eigene Schwerpunkte, so die Meinung vieler Studenten.
Die europaweite Harmonisierung soll es den Studenten ermöglichen, barrierefrei im EU-Ausland zu studieren. Die Umsetzung in Deutschland halten viele aber für unzureichend: „Ich habe vorher in Freiburg studiert und hatte sogar Probleme, hier in Berlin meine Leistungen anerkannt zu bekommen“, so eine Studentin.
Isabel Robles Salgado
Weiterführende Dokumente
EU-Kommission: Übersicht zum Bologna-Prozess
EURACTIV Dossier: Bologna-Prozess