Nach der Auszählung von 94,4 Prozent der Wahlbezirke soll der schwedische Rechtsblock bei den Parlamentswahlen am Sonntag einen knappen Sieg gegen das Linksbündnis der regierenden sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson errungen haben.
Die regierenden Sozialdemokrat:innen blieben mit 30,5 Prozent (108 Sitze) die stärkste Partei, eine Position, die die S&D-Mitglieder seit 1917 innehaben, doch ihr Bündnis mit drei anderen Parteien konnte die rechte Opposition nicht schlagen.
Es steht eine äußerst komplizierte Regierungsbildungsphase bevor: Die nationalkonservativen Schwedendemokraten (ECR), eine Partei mit rechtsextremer Ausrichtung und Verwurzelung, sind mit einem Rekordergebnis von 20,7 Prozent und 73 Sitzen zum ersten Mal auf den zweiten Platz vorgerückt.
Obwohl die Partei die Mitte-Rechts-Moderaten vom zweiten Platz verdrängt hat, den die EVP-nahe Partei seit 1979 innehatte, haben sich alle drei Mitte-Rechts-Parteien bisher geweigert, eine Regierung mit der SD zu bilden.
Der Vorsitzende der Moderaten Sammlungspartei, Ulf Kristersson, der wahrscheinlich die Bildung einer rechten Minderheitsregierung anführen wird, hatte jedoch im Vorfeld der Wahlen deutlich gemacht, dass eine Zusammenarbeit mit der SD unter der Führung von Jimmie Åkesson möglich sei.
„Ich möchte um Geduld bitten; das Ergebnis muss entschieden werden“, sagte Kristersson im Wahllokal und fügte hinzu, dass er, wenn möglich, die Rechten um sich scharen und eine neue Regierung bilden werde, „die handlungsfähig ist, für ganz Schweden und alle Bürger.“
Er bedankte sich auch bei Andersson für „ein gutes Zusammenspiel“. Er fügte hinzu, dass sie bewiesen hätten, dass es möglich ist, eine gemeinsame Basis zu finden, wenn es nötig ist. Damit bezog er sich auf Schwedens NATO-Mitgliedschaft und die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft 2023.
Die SVT-Wahltagsbefragung ergab, dass 25 Prozent der Männer für die Schwedendemokraten gestimmt haben, während es bei den Frauen nur 16 Prozent waren. Die nationalkonservative Partei schnitt auch bei den Arbeitern und Unternehmern gut ab.
Das endgültige Ergebnis wird voraussichtlich am Mittwoch bekannt gegeben, wenn die ersten Stimmen und die Stimmen aus dem Ausland hinzugezählt werden. Erst dann können die Koalitionsverhandlungen starten.