Moskau greift bei Rubel für Gas hart durch
Russland sollte zu gegebener Zeit entsprechende Entscheidungen treffen, sollten sich europäische Länder weigern, in der russischen Währung zu zahlen.
Der Kreml gab am Montag (28. März) bekannt, dass Russland nach Wegen sucht, Zahlungen für seine Gasexporte in Rubel zu akzeptieren. Russland sollte zu gegebener Zeit entsprechende Entscheidungen treffen, sollten sich europäische Länder weigern, in der russischen Währung zu zahlen.
Bei einem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am vergangenen Freitag wurde keine gemeinsame Haltung zu Russlands Forderung deutlich, dass „feindliche“ Länder für ihr Gas in Rubel und nicht in Euro zahlen müssen. In der Zwischenzeit haben sich die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten auf eine Reihe von Sanktionen gegen Russland geeinigt.
Die Sorge um die Versorgungssicherheit wurde durch diese Forderung noch größer, und Unternehmen und EU-Staaten versuchten krampfhaft, sich über die Auswirkungen klar zu werden.
Die russische Zentralbank, die Regierung und Gazprom, auf das 40 Prozent der europäischen Gasimporte entfallen, sollten Präsident Wladimir Putin bis zum 31. März ihre Vorschläge für die Gaszahlungen in Rubel vorlegen.
„Wir werden kein Gas umsonst liefern, das ist klar“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bei einer Telefonkonferenz. „In unserer Situation ist es kaum möglich und angemessen, sich auf Wohltätigkeit [mit europäischen Kunden] einzulassen.“
Am Freitag hat Bundesfinanzminister Christian Lindner in einem Interview mit der Welt den deutschen Energieversorgern geraten, russisches Gas nicht in Rubel zu bezahlen.
Italien wird Russland gegenüber weiterhin Energie in Euro bezahlen, sagte ein hochrangiger Wirtschaftsberater der italienischen Regierung letzte Woche.
„Das einzige große Thema in Europa ist Gas, und Russland verlangt von uns, in Rubel zu zahlen, die wir nicht haben und die nicht im Vertrag stehen“, sagte der Chef des italienischen Energiekonzerns Eni, Claudio Descalzi, am Montag auf einer Branchenveranstaltung in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der polnische Gaskonzern PGNiG, der einen Vertrag mit Gazprom bis Ende des Jahres hat, sagte ebenfalls, man könne nicht einfach umstellen auf die Zahlung in Rubel.
Meinungsbildung in Russland zur Gasversorgung
„Die russischen Behörden haben sich offensichtlich für ein hartes Spiel entschieden“, sagte Andrei Belyi, Gründer der Energieberatungsfirma Balesene OU in Tallinn, Estland.
Belyi zufolge bereitet der Kreml die russische Öffentlichkeit auf eine Kürzung der Gaslieferungen nach Europa vor. „Seit dem 25. März haben die wichtigsten russischen Fernsehsender wiederholt die Frage nach der ‚Irrelevanz der Gaslieferungen nach Europa im Zusammenhang mit den Sanktionen‘ aufgeworfen“, sagte er gegenüber EURACTIV.
„All diese Äußerungen deuten auf Russlands Bereitschaft hin, die Gaslieferungen zu kürzen. Kurzfristige politische Vorteile – was auch immer sie sein mögen – scheinen Vorrang vor kurz- und langfristigen wirtschaftlichen Interessen zu haben“, sagte er.
Nach Ansicht von Belyi müssen sich Europäer jetzt darauf vorbereiten, sowohl in Bezug auf die Reaktivierung von Kohlekraftwerken als auch auf dringende kurzfristige Gaslieferungen.
Anfang dieses Monats kündigte die EU an, dass sie ihre Abhängigkeit von russischem Gas in diesem Jahr um zwei Drittel reduzieren und die Einfuhren fossiler Brennstoffe aus Russland bis 2027 beenden werde.
Am Freitag erklärten sich die USA bereit, dieses Jahr 15 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas (LNG) an die EU zu liefern.
Die LNG-Anlagen in den USA sind bereits voll ausgelastet. Analysten zufolge müsste der größte Teil des zusätzlichen US-Gases, das nach Europa geliefert wird, aus Exporten stammen, die sonst anderswo hingehen würden.
Die russischen Gasexporte in die EU beliefen sich letztes Jahr auf rund 155 Milliarden Kubikmeter.
[Bearbeitung und zusätzliche Berichterstattung durch Frédéric Simon]