Muss die Energiesparlampe verboten werden?

Die Stimmen für eine Aufhebung des Verbots der klassischen Glühbirne mehren sich. "Getrieben vom Klimaschutzwahn" hätte die EU-Kommission "Symbolpolitik" betrieben. Wegen der Gesundheitsrisiken müsse Brüssel ein Verbot der Energiesparlampe in Betracht ziehen.

MdEP Herbert Reul (L) fordert die Aufhebung des Glühbirnenverbots. Zuständig wäre EU-Energiekommissar Günther Oettinger (R). Foto: EP
MdEP Herbert Reul (L) fordert die Aufhebung des Glühbirnenverbots. Zuständig wäre EU-Energiekommissar Günther Oettinger (R). Foto: EP

Die Stimmen für eine Aufhebung des Verbots der klassischen Glühbirne mehren sich. „Getrieben vom Klimaschutzwahn“ hätte die EU-Kommission „Symbolpolitik“ betrieben. Wegen der Gesundheitsrisiken müsse Brüssel ein Verbot der Energiesparlampe in Betracht ziehen.

"Ich werde alles tun, um das Glühbirnenverbot in der EU doch noch zu kippen", sagte der Vorsitzende des Industrie-Ausschusses im EU-Parlament, Herbert Reul (EVP/CDU), der "Welt". Er forderte die EU-Kommission auf, das Verbot "unverzüglich" außer Kraft zu setzen.

Brüssel müsse prüfen, ob die als Alternative zur Glühbirne vorgesehene Energiesparlampe aufgrund der nachgewiesenen Gesundheitsgefahren überhaupt noch vertrieben werden dürfe. Der EU-Kommission warf er vor, "getrieben vom Klimaschutzwahn Symbolpolitik betrieben" zu haben, die weder dem Klimaschutz noch der Gesundheit der Menschen diene.

Tests des Umweltbundesamtes (UBA) hatten Anfang Dezember ergeben: Gehen Energiesparlampen zu Bruch, kann hochgiftiges Schwermetall in die Innenraumluft gelangen. Unmittelbar nach dem Bruch könne die Quecksilber-Belastung um das 20-fache über dem zulässigen Wert liegen (EURACTIV.de vom 3. Dezember 2010).

"Oettinger ist zuständig"

Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im EU-Parlament, erklärte: "Das Glühbirnenverbot kann aufgehoben werden. Zuständig ist Kommissar Günther Oettinger. Er ist für die Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie verantwortlich. Genügend Argumente hätte er, denn in den zwei Jahren seit die Glühbirne per Verwaltungsakt der Kommission verboten wurde, liegen ausreichend Studien vor, die die Gefahren für die Gesundheit durch Quecksilber in Energiesparlampen bestätigen."

Das giftige Quecksilber in Energiesparlampen sei beim Verbot der Glühbirne nicht beachtet worden. "Statt neue Energiespargesetze, aktuell für Kaffeemaschinen, zu verabschieden, sollte das Glühbirnenverbot aufgehoben werden", so Krahmer.

"Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes"

Silvana Koch-Mehrin (FDP), Vizepräsidentin des EU-Parlaments, fordert ebenfalls eine Aussetzung des Verbots. "Solange nach wissenschaftlichen Erkenntnissen davon auszugehen ist, dass Energiesparlampen zu erheblichen Gesundheitsschäden führen könnten, muss die EU das Glühbirnenverbot zumindest für Privathaushalte aussetzen." Es könne nicht sein, dass unter dem Deckmantel des Umweltschutzes die beim Verbraucher "beliebten und bewährten" Glühbirnen vom Markt genommen und durch gesundheitsgefährdende Produkte ersetzt werden.

Seit dem 1. September 2009 ist die herkömmliche Glühbirne in der EU verboten. 15 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen könnten so jedes Jahr gespart werden, begründete die Kommission die Verordnung, die im Rahmen der so genannten "Ökodesign-Richtlinie" erlassen wurde.

Im September 2011 soll die dritte Stufe der EU-Effizienzvorschriften in Kraft treten. Nach den Glühbirnen mit 100 und 75 Watt dürfen dann auch solche mit 60 Watt nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Bis Ende 2012 sollen schließlich auch 40 und 25 Watt Glühbirnen vom Markt verschwunden sein.

dto

Links

Die Welt: EU-Politiker wollen Energiesparlampen verbieten (22. Dezember 2010)

Dokumente

Umweltbundesamt (UBA): Quecksilber aus zerbrochenen Energiesparlampen (2. Dezember 2010)

vzbv: Aussetzung des Glühbirnen-Verbots. Untersuchung des UBA zeigt Gesundheitsgefährdung durch zerbrochene Energiesparlampen. Pressemitteilung (2. Dezember 2010)

Rat/Parlament: Ökodesign-Rahmenrichtline 2005/32/EG (2005)

Kommission: Glühbirnen-Verordnung 244/2009 (18. März 2009)

Kommission: Mitteilung zum Arbeitsprogramm für die Jahre 2009-2011 gemäß der Ökodesign-Richtlinie (21. Oktober 2008)

Zum Thema

"Energiesparlampen sind politischer Sondermüll" (3. Dezember 2010)

Das Ende der Glühbirne (31. Dezember 2009)