Nationalismus auf dem Arbeitsmarkt im Zuge der Wirtschaftskrise [DE]
Überall in der EU scheinen die ausländischen Arbeitnehmer als erste von Stellenkürzungen im Zuge der Wirtschaftskrise betroffen zu sein. So wie Premierminister Gordon Brown in Großbritannien nach „britischen Jobs für britische Bürger“ rief, hört man auch in anderen EU-Ländern, unter anderem in Rumänien nationalistische Parolen.
Überall in der EU scheinen die ausländischen Arbeitnehmer als erste von Stellenkürzungen im Zuge der Wirtschaftskrise betroffen zu sein. So wie Premierminister Gordon Brown in Großbritannien nach „britischen Jobs für britische Bürger“ rief, hört man auch in anderen EU-Ländern, unter anderem in Rumänien nationalistische Parolen.
Die britische Regierung werde demnächst neue „Richtlinien für Arbeitgeber” veröffentlichen, die Firmen, die sich um die Vergabe von öffentlichen Aufträgen bewerben, an ihre „(unternehmerische) soziale Verantwortung“ erinnern sollen, möglichst britische Angestellte zu beschäftigen, berichtet die britische Presse.
Nachdem die Arbeiter in der Lindsey Ölraffinerie in Lincolnshire ihre Arbeit niedergelegt hatten um gegen die Anstellung ausländischer Arbeiter zu protestieren, waren in der letzten Woche in ganz Großbritannien eine Reihe von wilden Streiks ausgebrochen, Minister hatten daraufhin versucht, den Konflikt zu entschärfen.
Der französische Ölkonzern Total, Betreiber der Raffinerie, das US-amerikanische Ingenieurunternehmen Jacobs Engineering und Irem, ein italienisches Subunternehmen waren unter massive Kritik geraten, nachdem sie, am Standort an der Humber-Mündung italienische und portugiesische Arbeiter angestellt hatten.
Berichten der britischen Presse zufolge, wird es in der näheren Zukunft immer häufiger zu Protesten gegen Firmen kommen, die ausländische Arbeitnehmer einstellen, solange auch die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Mögliche Ziele zukünftiger Proteste sind zwei Alstom-Subunternehmer, die in einem Kraftwerk bei Staythorpe in Nottinghamshire mehrere hundert spanische Arbeiter beschäftigen, sowie zwei weitere Unternehmen, die auf der Isle of Grain bei Kent polnische Arbeiter angestellt haben.
Ein Alstom-Sprecher stritt den Vorwurf ab, dass seine Firma britische Arbeitnehmer diskriminiere und bestand darauf, der Konzern mit Sitz in Frankreich habe seine Subunternehmer gebeten, freiwerdende Stellen mit britischen Arbeitnehmern zu besetzen.
Auch anderswo scheinen die ersten Opfer der Wirtschaftskrise Arbeitnehmer aus dem Ausland zu sein.
Tschechien und Rumänien schicken Ausländer nach Hause
Die tschechische Regierung hat ausländischen Arbeitnehmern, die nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in Tschechien freiwillig nach Haus zurückkehren wollen, kostenlose Flugtickets und eine Prämie von 500 Euro in Aussicht gestellt. In Brüssel hatte diese Initiative scharfe Kritik ausgelöst (EURACTIV vom 11. Februar 2009).
Von EURACTIV Journalisten darauf angesprochen, ob diese Initiative als protektionistische Maßnahme zu werten sei, antwortete der tschechische Premierminister Mirek Topolánek, die Arbeiter müssten ohnehin das Land verlassen, da sie als nicht EU-Bürger, nach Verlust ihres Arbeitsplatzes keinen weiteren Anspruch auf ein Visum hätten.
In Rumänien protestieren momentan mehrere hundert chinesische Arbeiter vor der chinesischen Botschaft in Bukarest. Sie versuchen in ihre Heimat zurückzukehren, nachdem ihre Arbeitgeber, rumänische Bauunternehmen, nicht mehr in der Lage waren ihnen ihren Lohn auszahlen.
Rumänische Unternehmen hatten in den letzten Jahren mehrere tausend asiatische Arbeiter angeworben, um das blühende Baugewerbe zu unterstützen. In den letzten Monaten war der Sektor aber in eine tiefe Krise gestürzt und die ausländischen Arbeitskräfte werden nicht länger benötigt.
Gabriel Ghelmegeanu, Vertreter der rumänisch-chinesischen Handelskammer wurde von der AP mit der Aussage zitiert, dass hunderte, wenn nicht tausende chinesische Arbeiter in Rumänien gestrandet seien.