NGOs fordern Verbot von giftigen Chemikalien in Windeln

NGOs und EU-Abgeordnete haben die Europäische Kommission aufgefordert, die Verwendung von Chemikalien in Babywindeln zu regulieren.

EURACTIV.com
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Eine im Januar 2019 durchgeführte Studie der französischen Sicherheitsbehörde belegt, dass 90 Prozent der Säuglinge "sehr bedenklichen" Chemikalien ausgesetzt sind, die in Windeln enthalten sind. [[New Africa/Shutterstock]]

NGOs und EU-Abgeordnete haben die Europäische Kommission aufgefordert, die Verwendung von Chemikalien in Babywindeln zu regulieren.

Die französische Sicherheitsagentur (ANSES) hat 2019 aufgedeckt, dass fast alle europäischen Kinder gesundheitsgefährdenden Substanzen ausgesetzt sind.

„Tag für Tag, Woche für Woche können unglaublich empfindliche Neugeborene und Kleinkinder einigen der giftigsten Substanzen auf dem Planeten ausgesetzt sein. Es ist kaum zu glauben, dass diese Situation völlig legal ist“, so Dolores Romano, Referentin für Chemikalienpolitik beim europäischen Umweltbüro (EEB) in einer Pressemitteilung.

Romano verwies auf eine im Januar 2019 durchgeführte Studie der ANSES, die belegte, dass 90 Prozent der Babys „sehr bedenklichen“ Chemikalien ausgesetzt sind, die in Windeln enthalten sind.

Diese gesundheitsschädlichen Chemikalien könnten Säuglinge im Laufe ihres Lebens „potenziell sehr schweren Krankheiten“ zuführen, so ANSES.

Laut der Weltgesundheitsorganisation sind Kinder besonders anfällig für Chemikalien.

Im Jahr 2020 führte ANSES eine weitere Studie durch, um herauszufinden, ob die gefährlichen Chemikalien nach 2019 verschwunden waren, und stellte fest, dass nur noch das krebserregende Formaldehyd in den Windeln enthalten sei.

„Der Druck aus Frankreich hat die Hersteller gezwungen, sich zu bessern, und gezeigt, dass dies durchaus möglich ist. Aber sobald die Inspektoren weg sind, könnte das Problem wieder auftauchen. Deshalb brauchen wir ein Gesetz“, sagte Romano.

Bislang gibt es kein gesetzliches Regelwerk für die Verwendung von Chemikalien in Windeln. Im Dezember 2020 betonte ANSES jedoch, dass in der EU ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden müsse, um die Verwendung dieser gefährlichen Chemikalien zu begrenzen.

Die europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat zwar eingeräumt, dass die Chemikalien nicht in Windeln enthalten sein sollten, sagte aber, dass die ANSES-Studie nicht ausreiche, um zu beweisen, dass ein echtes Risiko für Babys bestehe.

Die ECHA zieht es vor, „die wirtschaftlichen Interessen der Industrie zu verteidigen, anstatt Sicherheitsbeschränkungen zu unterstützen, die die Gesundheit dieser kleinen Kinder schützen würden“, bemerkte Anja Hazekamp, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) im Europäischen Parlament.

Nach Angaben der ANSES werden in Europa jede Minute tausend Windeln hergestellt. Der Markt macht 7 Milliarden Euro pro Jahr und wird von zwei Marken beherrscht: Pampers und Huggies.

Angesichts der Untätigkeit der europäischen Institutionen entschied eine Gruppe von 21 Nichtregierungsorganisationen, darunter das EEB, ein Schreiben an die Kommission zu verfassen.

In ihrem Brief weisen sie darauf hin, dass die Folgen für die Gesundheit von Kindern „irreversibel“ sein könnten, und fordern die Kommission daher auf, diese Chemikalien zu verbieten, indem sie sich auf das in den EU-Verträgen enthaltene „Vorsorgeprinzip“ berufen, das ein hohes Schutzniveau für die Umwelt und die menschliche Gesundheit gewährleisten soll.

„Giftige Windeln abschaffen“

„Die Kommission hat sich kürzlich verpflichtet, Kinder vor chemischen Gefahren zu schützen. Sie sollte diese Bedrohung durch Windeln ernst nehmen, keine Zeit mehr verschwenden und giftige Windeln verbieten“, so Romano weiter.

„Es gibt eine Reihe von Belegen dafür, wie sich Chemikalien auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Warum ist die EU so langsam und zögerlich, wenn es darum geht, Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu ergreifen?“, fragte ENVI-Mitglied Tilly Metz.

„Ich fordere die Kommission auf, hier dringend Abhilfe zu schaffen und hohe europäische Standards für gesündere Einwegwindeln festzulegen“, fügte sie hinzu.

Bis 2019 hat ANSES 38 chemische Substanzen mit einer „sehr ernsten Gefahr“ für Kinder entdeckt. Bei den meisten dieser Stoffe handelt es sich um endokrine Disruptoren.

Bisher waren mehr als 14 Millionen Kinder in Europa diesen Stoffen ausgesetzt, die Krebs, „Verdacht auf endokrine Störungen“ oder „reproduktionsschädigende Wirkungen“ verursachen können.

[Bearbeitet von Benjamin Fox]