Niger-Putsch: Uranlieferungen laut Atomkraftkonzern nicht gefährdet
Die Versorgung Frankreichs mit Uran, einem wichtigen Rohstoff für die Erzeugung von Atomenergie, sei nicht gefährdet, erklärte der Atomkraftkonzern Orano, nachdem die nigrischen Behörden angekündigt hatten, Exporte nach Frankreich einzufrieren.
Die Versorgung Frankreichs mit Uran, einem wichtigen Rohstoff für die Erzeugung von Atomenergie, sei nicht gefährdet, erklärte der Atomkraftkonzern Orano, nachdem die nigrischen Behörden angekündigt hatten, Exporte nach Frankreich einzufrieren.
Bei dem Putsch, der sich seit einer Woche abspielt, stürzte der nigrische Armeegeneral Abdourahamane Tiani am Mittwoch (26. Juli) den demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum und nahm ihn gefangen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte wie andere führende Politiker die gewaltsame Machtübernahme und erklärte, jeglicher „Angriff auf Frankreich und seine Interessen“ könne „nicht toleriert werden.“
Frankreich ist im Niger nur in begrenztem Umfang wirtschaftlich tätig – abgesehen vom Uranabbau, einer für die Atomkraft notwendigen Ressource. Der französische Atomkraftkonzern Orano bewirtschaftet eine der Uranminen im Norden, in der Nähe der Stadt Arlit, und beschäftigt über 900 Mitarbeiter, von denen die meisten Einheimische sind.
Frankreich verfügt über eine der fortschrittlichsten Atominfrastrukturen in der EU, und fast 70 Prozent des Energiemixes des Landes stammen aus der Atomkraft. Der rasche und einfache Zugang zu Uran, das Frankreich nicht im eigenen Land produziert, ist von entscheidender Bedeutung.
„Keine kurzfristigen Risiken“
Nach dem Staatsstreich kündigten die nigrischen Behörden an, die Uranexporte nach Frankreich einzufrieren.
„Unsere Uranimporte sind stark diversifiziert, und der Niger macht nur vier Prozent der weltweiten Produktion aus“, erklärte ein Sprecher des französischen Außenministeriums am Montag (31. Juli) gegenüber Journalisten. Auch das Ministerium für die Energiewende bestätigte, dass es keine Versorgungsrisiken gebe.
„Die derzeitige Krise birgt keine kurzfristigen Risiken für die Versorgungskapazitäten von Orano sowohl in Frankreich als auch international“, sagte ein Sprecher von Orano gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Versorgung sei mit Minen auf vier Kontinenten ausreichend diversifiziert.
Zwischen 2005 und 2020 war der Niger mit einem Anteil von 17,9 Prozent an den Gesamtlieferungen (24.787 Tonnen) der drittgrößte Uranlieferant Frankreichs, so die Daten von Euratom, einer europäischen öffentlichen Organisation. Kasachstan ist mit 20,1 Prozent (27.748 Tonnen) aller Exporte die Nummer eins, und Australien steht mit 18,7 Prozent (25.804 Tonnen) an zweiter Stelle.
Im Jahr 2022 war der Niger mit einem Anteil von 25,38 Prozent der zweitgrößte Exporteur von Natururan in der EU, wie Euratom gegenüber AFP erklärte.
Bis zu 75 Prozent aller Uranlieferungen der EU kommen aus Kasachstan, dem Niger und Kanada. Kasachstan ist nach Angaben des Industrie-Dachverbands World Nuclear Association mit 43 Prozent des gesamten Weltangebots im Jahr 2022 der mit Abstand größte Produzent.
Der Abwärtstrend der nigrischen Uranexporte in den letzten zehn Jahren sei sowohl auf die regionale Instabilität als auch auf die „hohen Produktionskosten“ im Vergleich zu den zentralasiatischen Partnern zurückzuführen, so Teva Meyer, Experte für Geopolitik, gegenüber Libération.
Daher sei die Diversifizierung der Lieferanten für Frankreichs Strategie von entscheidender Bedeutung gewesen, in deren Sinne es engere Beziehungen zu Kasachstan, Usbekistan und Australien aufbaute.
Langfristige Überlegungen
Der beruhigende Ton, der von allen Seiten zu hören ist, zeigt, dass die Behörden bemüht sind, Ängste zu beschwichtigen und eine weitere Eskalation der politischen Instabilität zu vermeiden.
„China ist im Niger sehr präsent und würde jede größere politische Destabilisierung vermeiden wollen“, sagte Raphaël Danino-Perraud, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Think-Tank IFRI, gegenüber EURACTIV.
China ist auf der Suche nach großen Mengen an Uran, um sein weitreichendes Atomprogramm zu unterstützen, das von Energieexperten als „das größte und schnellste […] der Welt“ bezeichnet wird.
Während in den vergangenen zehn Jahren ein Überangebot an Uran und durchweg niedrige Preise herrschten, sodass die Produzenten wenig Appetit hatten, zu investieren, könnte Chinas wachsende Atomenergie nun beginnen, die weltweite Nachfrage zu steigern und die Preise nach oben zu treiben.
Erst vor einem Monat hat die staatseigene China Nuclear International Uranium Corporation eine Vereinbarung mit der nigrischen Regierung über die Wiederaufnahme des Uranabbaus in einer Mine in Azelik, im Zentrum des Landes, getroffen.
Ähnlich verhält es sich mit den USA, die in den letzten Jahren erhebliche militärische Investitionen im Niger getätigt haben.
Letztendlich „kann es sich Frankreich leisten, hart gegen den Putsch vorzugehen“ und mit internationaler Unterstützung zu rechnen, um so schnell wie möglich eine Deeskalation im Niger zu erreichen, so Danino-Perraud.