Oettinger: Höhere Strompreise wegen Ausbau der Energienetze

Wegen des geplanten Ausbaus der Energienetze müssen sich die Bürger der EU auf höhere Strompreise einstellen, sagt EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Grünen-Chef Cem Özdemir spricht von einer "billigen Ausrede". Auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist anderer Meinung.

Auf einen Vierpersonenhaushalt mit einem Stromverbrauch von 4500 Kilowattstunden könnten bis zu 90 Euro Mehrkosten im Jahr zukommen – wenn die Bürger den von Energiekommissar Günther Oettinger geforderten Netzausbau mitbezahlen. Foto: EC.
Auf einen Vierpersonenhaushalt mit einem Stromverbrauch von 4500 Kilowattstunden könnten bis zu 90 Euro Mehrkosten im Jahr zukommen - wenn die Bürger den von Energiekommissar Günther Oettinger geforderten Netzausbau mitbezahlen. Foto: EC.

Wegen des geplanten Ausbaus der Energienetze müssen sich die Bürger der EU auf höhere Strompreise einstellen, sagt EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Grünen-Chef Cem Özdemir spricht von einer „billigen Ausrede“. Auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist anderer Meinung.

"Es geht um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde", sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger dem "Hamburger Abendblatt" (Mittwochausgabe). "Damit lassen sich die neuen Leitungen und weitere Speicherkapazitäten finanzieren."

Damit würden auf einen Vierpersonenhaushalt mit einem Stromverbrauch von 4.500 Kilowattstunden bis zu 90 Euro Mehrkosten im Jahr zukommen. Die Energiekonzerne könnten den Netzausbau nur bewältigen, wenn sie die Kosten teilweise an die Verbraucher weitergäben, sagte Oettinger. Die deutschen Energieversorger wie E.ON, RWE, und EnBW seien "im internationalen Vergleich nur mittelgroß". Ihre Wettbewerbsfähigkeit dürfe nicht gefährdet werden.

Die EU will mit dem Ausbau die langfristige Stromversorgung Europas grenzüberschreitend sicherstellen und die Voraussetzung für die Einspeisung eines höheren Anteils an erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne schaffen. Der EU-Gipfel hatte Oettinger vergangene Woche damit beauftragt, dem Rat bis Juni 2011 Angaben über die Höhe der voraussichtlich notwendigen Investitionen sowie Vorschläge zur Deckung des Finanzierungsbedarfs und zur Beseitigung etwaiger Hindernisse für Infrastrukturinvestitionen vorzulegen (EURACTIV.de vom 7. Februar 2011).

Die Brüsseler Behörde hat bereits die Energiestrategie 2020 und Pioritäten für die Energie-Infrastruktur vorgelegt.

Grüne warnen Energieversorger

Grünen-Chef Cem Özdemir warnt davor, Investitionen in neue Netze an die Verbraucher weiterzugeben. "Der Ausbau der Stromnetze in Europa ist überfällig. Das dürfen die großen Energiekonzerne aber nicht wieder als billige Ausrede für Preiserhöhungen benutzen", sagte Özdemir dem Hamburger Abendblatt. "Wenn die Energiekonzerne die zunehmende Verbilligung des Stroms an den Märkten durch das rasante Wachstum der Erneuerbaren in den letzten Jahren an die Stromkunden weitergeben würden, würden die Kosten für den Netzausbau für die Verbraucher nicht so ins Gewicht fallen."

Röttgen rechnet mit sinkenden Preisen

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rechnet eher mit geringeren Kosten für die Verbraucher. "Zusätzliche Netze sind die Basis für mehr Wettbewerb", so Röttgen im Interview mit dem Handelsblatt. "Davon profitiert jeder Stromverbraucher durch sinkende Preise." Die fehlenden Leitungskapazitäten verhinderten bisher einen reibungslosen Stromaustausch über Ländergrenzen hinweg und verfestigten regionale Monopole oder Oligopole in Deutschland oder Frankreich.

EURACTIV/rtr/awr

Links


Presse

Hamburger Abendblatt: Grüne warnen Energiekonzerne vor Preiserhöhung (10. Februar 2011)

Hamburger Abendblatt: Günther Oettinger: Strom wird deutlich teurer (9. Februar 2011)

Hamburger Abendblatt: EU-Beschlüsse. Energieplan kann für Deutsche teuer werden (7. Februar 2011)

Handelsblatt: Interview mit Norbert Röttgen: "Zusätzliche Netze sind Basis für mehr Wettbewerb" (7. Februar 2011)

Dokumente

Europäischer Rat: Schlussfolgerungen des Europäischen Rates (4. Februar 2011)

EU-Kommission: Günther Oettinger, EU Commissioner for Energy:Statement on the outcome of the EU Summit (4. Februar 2011)

EU-Kommission: Progress reports. Renewable Energy Targets: Commission calls on Member States to boost cooperation (31. Januar 2011)

EU-Kommission: Commission Communication on renewable energy (31. Januar 2011)

EU-Kommission: Ziele für erneuerbare Energien: Kommission fordert Mitgliedstaaten zu intensiverer Zusammenarbeit auf. Pressemitteilung (31. Januar 2011)

EU-Kommission: Financing Renewable Energy in the
European Energy Market
(2. Januar 2011)

EU: Richtlinie zur zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (23. April 2009)

EU-Parlament: Entschließung des Europäischen Parlaments vom 25. November 2010 zu dem Thema "Weg zu einer neuen Energiestrategie für Europa 2011-2020" (25. November 2010)

EU-Kommission: Energieinfrastrukturprioritäten bis 2020 und danach – ein Konzept für ein integriertes europäisches Energienetz (17. November 2010)

EU-Kommission: Energie 2020. Eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie (10. November 2010)

Öko-Institut: "The Vision Scenario for the European Union
2011" Update for the EU-27. Zusammenfassung auf deutsch
(Januar 2011)

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Fahrplan zur Energiestrategie (20. Dezember 2010)

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Oettinger will mehr regionale Kooperation (7. Dezember 2010)

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Oettinger legt Energie-Infrastrukturpaket vor (17. November 2010)

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