Oettinger will Europäer und Stuttgarter sein

Günther Oettinger will auch als EU-Kommissar seine Heimat nicht vergessen - und sich in Wahlkämpfe einmischen. Zugleich kündigt Oettinger an, sein Englisch zu trainieren.

In den vergangenen 30 Jahren brauchte Günther Oettinger nicht „jeden Tag“ Englisch. Foto: EC.
In den vergangenen 30 Jahren brauchte Günther Oettinger nicht "jeden Tag" Englisch. Foto: EC.

Günther Oettinger will auch als EU-Kommissar seine Heimat nicht vergessen – und sich in Wahlkämpfe einmischen. Zugleich kündigt Oettinger an, sein Englisch zu trainieren.

Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident und designierter EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) will sich im Südwesten weiter politisch einmischen. "Innerhalb der EU-Kommission haben wir geklärt, dass wir unsere Parteimitgliedschaften nicht zum Ruhen bringen müssen, sondern in jeder Form an der öffentlichen Meinungsbildung mitwirken dürfen. Auch in Wahlkämpfen", sagte der CDU-Politiker den "Stuttgarter Nachrichten". Seine neue Aufgabe beschreibt Oettinger so: "Ich sehe mich mehr denn je als Dienstleister, als Frühwarnsystem, als Informationsbörse."

Oettinger warnt vor instabilem Euro

Bei seiner Anhörung (Siehe EURACTIV.de vom 14. Januar 2010) vor dem EU-Parlament hatte Oettinger Befürchtungen zurückgewiesen, er könne in der Kommission einseitig deutsche Interessen vertreten: "Ich habe nicht die Absicht, Partei für deutsche Interessen zu sein."

Ein Thema ist für Oettinger aus deutscher Sicht allerdings besonders sensibel: es bestehe die Gefahr, dass der Euro instabil werde. Diesem Prozess werde er als deutscher Kommissar nicht tatenlos zusehen.

Oettinger schämt sich nicht für Dialekt

Oettinger kündigt an, seinen Wohnsitz in Stuttgart behalten zu wollen. Seine Lebensgefährtin Friederike Beyer ziehe aber nach Hamburg zurück "und kommt dann zwei bis drei Tage pro Woche zu mir nach Brüssel", sagte Oettinger dem "Mannheimer Morgen" und der "Heilbronner Stimme". Er hoffe, als EU-Kommissar in Brüssel weniger im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen: "Ich freue mich darauf, dass ich in Brüssel mal in eine Kneipe gehen kann, ohne dass viel Aufheben gemacht wird."

Jüngst hatte ein Internetvideo zur Diskussion über Oettingers Englisch-Aussprache geführt. Den Stuttgarter Nachrichten sagte Oettinger: "Ich halte es nicht für verwerflich, dass der Dialekt zu hören ist, wenn ich Englisch spreche." Er habe in den letzten 30 Jahren nicht "jeden Tag" Englisch gebraucht. Oettinger kündigt an, Sprachtraining zu nehmen.

Der ehemalige Präsident der EU-Kommission, Jacques Santer, sieht für Oettinger keine unlösbaren Sprachprobleme. Gegenüber Deutschlandradio Kultur äußerte Santer sich lobend über ehemalige Kommissare, die ihr sprachliches Können mit Crash-Kursen verbessert hätten. "Das sollte man (…) tun."

dpa / awr

Presse

Stuttgarter Nachrichten: Oettinger befürchtet Absturz des Euro (29. Januar 2010)

Deutschlandradio Kultur:
Santer: Oettinger wird sich trotz schlechtem Englisch in Brüssel verständigen können (28. Januar 2010)