Österreich: Vertrauen in den Euro rückläufig

Über zwei Drittel der Österreicher sind vom Fortbestand des Euro überzeugt, ergab die jüngste Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE). Das Vertrauen ist jedoch rückläufig. Hauptsorge ist die steigende Inflation.

Wo der Euro rollt… Foto: Lilo Kapp / pixelio.de
Wo der Euro rollt... Foto: Lilo Kapp / pixelio.de

Über zwei Drittel der Österreicher sind vom Fortbestand des Euro überzeugt, ergab die jüngste Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE). Das Vertrauen ist jedoch rückläufig. Hauptsorge ist die steigende Inflation.

"Trotz Schuldenkrise, langwierigem Krisenmanagement und medialer Lust am Untergang glaubt eine große Mehrheit an den Fortbestand des Euro", kommentiert Paul Schmidt, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), das Ergebnis einer aktuellen österreichweiten ÖGfE-Umfrage zu zehn Jahren Euro-Bargeld.

"Die Österreicher ziehen aber eine nüchterne Bilanz: Eine Mehrheit sieht zwar für unser Land mehr Vor- als Nachteile durch die Euro-Mitgliedschaft. Allerdings sinkt das Vertrauen in die gemeinsame Währung. Die Euro-Einführung wird nach wie vor, neben anderen Faktoren, für steigende Preise verantwortlich gemacht", fasst Schmidt zusammen.

Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Österreicher sind sich sicher, dass der Euro langfristig "auf jeden Fall” bzw. “eher schon" Bestand haben wird. 29 Prozent sind sich unsicher ("eher nicht” bzw. “sicher nicht").

"Dass die Österreicher an einen langfristigen Fortbestand des Euro glauben, macht auch eines klar: Die Mehrheit ist optimistisch, dass die derzeitige Krise überwunden werden kann", interpretiert Schmidt die aktuellen Werte.

40 Prozent der Befragten geben in der aktuellen Umfrage an, "sehr großes" bzw. "großes" Vertrauen in den Euro zu haben. "Sehr geringes" bzw. “gar kein" Vertrauen in die Gemeinschaftswährung haben 25 Prozent. 33 Prozent nehmen eine mittlere Position zwischen diesen beiden Extremen ein.

"Die aktuellen Werte bedeuten einen Rückgang des Euro-Vertrauens von 7 Prozentpunkten gegenüber der letzten Stichprobe vom Juni 2011. Die Zahl jener, die dem Euro gar nicht vertrauen, bleibt aber auf niedrigem Niveau", analysiert Schmidt.

Männer zeigen mit 49 Prozent (sehr) großes Vertrauen in den Euro, Frauen lediglich zu 32 Prozent. Während Hochschulabsolventen zu 53 Prozent (sehr) großes Euro-Vertrauen angeben, tun dies nur 35 Prozent der Befragten mit Berufs- und Handelsschulabschluss. Besonders die Jungen bis 25 Jahre haben mit 51 Prozent (sehr) großes Vertrauen in den Euro.

Euro bringt eher mehr Vorteile für das kleine Land…


39 Prozent der Befragten meinen, dass der Euro für ein kleines 
Land wie Österreich "eher mehr Vorteile" bringt. 31 Prozent sehen die Nachteile überwiegen (21 Prozent sind unentschieden). "Eher mehr Vorteile" sehen 69 Prozent der Personen mit Uni-Abschluss, 49 Prozent der Befragten mit Matura, aber nur rund ein Drittel der Befragten mit Berufs-, Handels- und Pflichtschulabschluss.

…wird aber auch für steigende Inflation verantwortlich gemacht

Lediglich 13 Prozent der befragten Österreicher meinen, dass sich die Einführung des Euro in den vergangenen zehn Jahren positiv auf die Entwicklung der Inflation ausgewirkt hat. 59 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Diese Sichtweise zieht sich quer durch alle Befragungsgruppen.

Unter den Preistreibern der letzten zehn Jahre nennen die Österreicher "steigende Rohstoffpreise wie Erdöl oder Benzin" (63 Prozent), die "Einführung des Euro" (43 Prozent), "Steuern- und Gebührenerhöhungen" (39 Prozent) und die "Folgen von Klimakatastrophen wie Dürren und Ernteausfälle" (23 Prozent).

"Das Gefühl, vieles sei durch den Euro teurer geworden, besteht heute noch, auch wenn die Teuerung – statistisch gesehen – in den letzten zehn Jahren geringer war als in dem Jahrzehnt vor der Euro-Einführung. Dass viele der aktuellen Teuerungen aber nicht ursächlich auf den Euro zurückzuführen sind, wird zu selten kommuniziert."

21 Prozent rechnen "immer" in Schilling um

21 Prozent der Befragten geben an, "immer" in Schilling umzurechnen. 40 Prozent tun dies nur mehr bei "größeren Ausgaben", 37 Prozent rechnen gar nicht mehr um.

Schmidt über das Ergebnis: "29 Prozent der Über-66-Jährigen rechnen nach eigenen Angaben immer in Schilling um, bei den Unter-35-Jährigen sind es dagegen 12 Prozent. Heutige Euro-Preise sind jedoch mit alten Schilling-Preisen aufgrund der kumulierten Inflation nicht vergleichbar."

Hintergrund

Quelle: Telefonumfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik ÖGfE. Befragt wurden im Dezember 2011 österreichweit 507 Personen. Zur digitalen Pressemappe gelangen Sie hier.

Red.