Polen will 1,3 Billionen Euro Kriegsreparationen von Deutschland fordern
Vertreter:innen der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PIS) kündigten am Donnerstag, dem 83. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, an, dass sie rund 1,3 Billionen Euro an Kriegsreparationen von Deutschland fordern werden.
Vertreter:innen der polnischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kündigten am Donnerstag, dem 83. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen, an, dass sie rund 1,3 Billionen Euro an Kriegsreparationen von Deutschland fordern werden.
Am Donnerstag beriefen Mitglieder der PiS, darunter ihr Vorsitzender Jarosław Kaczyński und Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, eine Pressekonferenz ein.
Im Mittelpunkt stand die Veröffentlichung eines von einem parlamentarischen Sonderausschuss erstellten Berichts über die geschätzten Verluste, die Polen infolge des Zweiten Weltkriegs erlitten hat.
Unter Berücksichtigung des Verlusts an Humankapital, der Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sowie Reparationszahlungen für die Verbrechen Nazi-Deutschlands beziffern die Politiker:innen den Gesamtschaden, den Polen während der deutschen Besatzung erlitten hat, auf 6,2 Billionen polnische Zloty (1,3 Billionen Euro).
„Für solche Dinge [wie Reparationszahlungen] muss man kämpfen, manchmal viele Jahre lang. Wir versprechen nicht, dass es einen schnellen Erfolg geben wird“, so PiS-Chef Kaczynski.
„Wir sagen nur, dass es eine polnische Pflicht ist, einen gewissen Mangel, eine gewisse Lücke in unserer Tätigkeit als souveräner Staat zu schließen, indem wir endlich etwas melden, was schon längst hätte gemeldet werden müssen“.
Allerdings waren Oppositionspolitiker:innen mit der Idee eher unzufrieden.
„Ich glaube nicht, dass unsere künftige Regierung, die sich aus demokratischen Gruppierungen zusammensetzt, auf die Frage der Kriegsreparationen aus Deutschland zurückkommen wird“, sagte der liberale Abgeordnete der Bürgerplattform (PO), Grzegorz Schetyna.
„Was die PiS heute tut, ist eine Verweigerung des Dialogs; sie nutzt den Schmerz der Opfer aus und beschmutzt die Erinnerung“, urteilte der Vorsitzende der Partei Polen 2050, Szymon Holownia. „Die antideutsche Kampagne, die von der Partei Recht und Gerechtigkeit losgetreten wurde, ist beschämend“, fügte er hinzu.
Am 24. August 1953 verzichtete Polen, zu der Zeit ein Land des Ostblocks, auf Kriegsreparationen von deutscher Seite. Damals war man der Ansicht, dass das Gebiet, das Polen von den Deutschen übernommen hatte, eine ausreichende Entschädigung für sechs Jahre brutaler Besatzung darstellte.
Ein Sprecher des deutschen Außenministeriums erklärte kurz und bündig: „Die Frage der Reparationen an Polen ist abgeschlossen.“