Polnischer Kirchenfonds erhält Rekordsumme an staatlichen Geldern
Die polnische Regierung plant eine Aufstockung des Kirchenfonds, der unter anderem für die Pensionen von Geistlichen bestimmt ist.
Die polnische Regierung plant eine Aufstockung des Kirchenfonds, der unter anderem für die Pensionen von Geistlichen bestimmt ist.
Der Kirchenfonds deckt trotz seines Namens alle nach polnischem Recht anerkannten Kirchen und religiösen Vereinigungen ab. Allerdings erhält die katholische Kirche den größten Teil der Gelder aus diesem Fonds.
Bis 2012 belief sich der Fonds auf 100 Millionen PLN (21,6 Millionen Euro) pro Jahr; nach dem Wahlsieg der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) im Jahr 2015 wurde er auf 145 Millionen PLN (30 Millionen Euro) aufgestockt.
Im nächsten Jahr soll der Fonds für den Klerus auf die Rekordsumme von 216 Millionen PLN (44,5 Millionen Euro) aufgestockt werden.
Auf eine Anfrage der Zeitung Rzeczpospolita nach den Gründen für die Steigerung der Mittel für den Kirchenfonds antwortete das Finanzministerium, dass dies auf eine Erhöhung des Mindestlohns und damit der Renten für die Geistlichen zurückzuführen sei, wofür das Geld aus dem Kirchenfonds hauptsächlich verwendet werde.
Allerdings wäre der Fonds auch nicht so hoch, wenn die PiS-Regierung nicht vor einigen Jahren beschlossen hätte, die Subventionen für karitative und pflegerische Aktivitäten sowie für die Reparatur von kirchlichen Einrichtungen zu verlängern.
„Für welche Sünden sollen alle Steuerzahler:innen mit diesen Kosten belastet werden?“, fragte der Abgeordnete der Christlichen Bürgerplattform (PO) Dariusz Joński auf Twitter.
Auch sein Parteikollege, der Abgeordnete Jan Grabiec, äußerte sich zu dem Fonds. „Das weckt viele Emotionen, aber es ist erwähnenswert, dass es sich um bescheidene Mittel handelt, zum Beispiel im Vergleich zu dem, was der Staat für Religion in den Schulen ausgibt“, sagte er. Die Kosten für die Katechese an öffentlichen Schulen in Polen belaufen sich auf bis zu 1,5 Milliarden PLN (309 Millionen Euro) jährlich.
Der Kirchenfonds sorgt in Polen für Kontroversen. Politiker:innen der Linken im Parlament fordern seine Abschaffung, während liberale und zentristische Oppositionspolitiker:innen fordern, ihn durch eine freiwillige Steuerabschreibung zu ersetzen.
Die polnische Kirche erlebt derzeit eine Personalkrise. Immer mehr Priesterseminare werden wegen Bewerbermangels geschlossen. So hat sich beispielsweise auf das Seminar in Lowicz in diesem Jahr nur ein einziger Bewerber gemeldet.