Polnischer Oberst: "Panikmache" Warschaus über Wagner-Söldner "absurd"

Nachdem Wagner-Söldner kürzlich in Belarus nahe der sogenannten Suwałki-Lücke eingetroffen sind, schürt die polnische Regierung Ängste vor einem Angriff auf Polen oder Litauen. Militärexperten halten dies jedoch für sehr unwahrscheinlich.

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„Jetzt wird die Situation noch gefährlicher“, sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki am 29. Juli. „Dies ist sicherlich ein Schritt in Richtung eines weiteren hybriden Angriffs auf polnisches Territorium.“ [EPA-EFE/OLIVIER MATTHYS]

Nachdem Wagner-Söldner kürzlich in Belarus nahe der sogenannten Suwałki-Lücke eingetroffen sind, schürt die polnische Regierung Ängste vor einem Angriff auf Polen oder Litauen. Militärexperten halten dies jedoch für sehr unwahrscheinlich.

„Jetzt wird die Situation noch gefährlicher“, sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki am 29. Juli als Reaktion auf die Truppenbewegungen der Wagner-Privatarmee. „Dies ist sicherlich ein Schritt in Richtung eines weiteren hybriden Angriffs auf polnisches Territorium.“

Andrzej Kruczyński, ein polnischer Sicherheitsexperte und pensionierter Oberst, bezeichnete die Äußerungen des Premierministers dagegen als „bizarr und absurd.“

„Es wird Menschen geben, die nach solchen Äußerungen des Premierministers besorgt sind. Die Leute an der Macht spielen seltsame Spiele“, sagte Kruczyński am Donnerstag (3. August) gegenüber dem litauischen Portal LRT. „Wahrscheinlich spielen auch die bevorstehenden Wahlen eine Rolle und sie versuchen, die Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Das ist schädlich.“

Tatsächlich seien die Wagner-Kräfte „in keiner Weise eine Bedrohung“ für Polen, so der Experte. Wichtig sei es nun, Ruhe zu bewahren und keine ungerechtfertigten Ängste in der Gesellschaft zu schüren.

„Wir sind ein großes Land mit einer ausreichend guten Armee. […] Wir haben Spezialkräfte, und die haben einen sehr hohen Standard“, sagte er. „Es ist kein Geheimnis, dass es an der Ostgrenze [zu Belarus] Spezialkräfte gibt, weil es unter den Flüchtlingen, die die Grenze überqueren wollen, einige fähige Akteure geben könnte.“

Seit Ende 2021 wirft die EU immer wieder dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, gezielt Flüchtlinge über die polnische und litauische Grenze zu schicken.

Er räumte jedoch ein, dass es bestimmte Bedrohungen gebe und Polens Grenzschutz nicht vollständig funktionsfähig sei.

„Es ist schmerzhaft, das zuzugeben. Trotz des Einsatzes von elektronischen Mitteln und Kameras wissen die Migranten weiterhin, wo sie die Grenze an Dutzenden von Punkten überqueren können“, so Kruczyński. „Jeden Tag überqueren etwa 150 Menschen die Grenze und wir können nur die Hälfte von ihnen aufhalten.“

Aus Sicht von Marek Meissner, einem Militäranalysten der polnischen Nachrichtenagentur ISB News, könnte Wagner polnische oder litauische Grenzsoldaten angreifen.

„Es könnte bedeuten, dass Patrouillen beschossen werden, Scharfschützen könnten gezielt Soldaten verletzen. Die Wagner-Truppen in Syrien und der Ukraine haben gelernt, Drohnen zu bedienen. Wir wissen, dass Polen und Litauen die NATO um geheimdienstliche Unterstützung gebeten haben. Es gibt bereits Operationen, um die Situation in Belarus genau zu überwachen“, so der Analyst.

Gleichzeitig habe es die rechtspopulistische polnische Regierungspartei PiS nicht geschafft, aus der Situation politisches Kapital zu schlagen.

„Es sollte politisches Gold sein, aber die Umfragewerte der Regierungspartei sind nicht gestiegen. Im Gegenteil, der Premierminister wird lächerlich gemacht. Wie man in der polnischen Politikersprache sagt: Es sollte eine politische Explosion werden, aber es hat sich als feuchter Fleck herausgestellt“, so Meissner.

Es sei schädlich, 100 Wagner-Soldaten wie „100 Spartaner“ zu betrachten, fügte er hinzu.

„Sie sollten nicht als militärische Elite betrachtet werden. Sie sind gleichzusetzen mit durchschnittlichen mechanisierten Infanteristen. Ich betone, dass es sich um leichte Infanterie handelt. Sie haben alle ihre schweren Waffen vor einem Monat abgegeben“, sagte Meissner.

Stürmen könnten die Söldner die Grenze unter diesen Umständen nicht, so der Experte.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei EURACTIVs Medienpartner LRT.lt.