Russland nimmt Erdöl-Pipeline nach China in Betrieb

Russland liefert seit dem Neujahrstag Erdöl über eine neue Mega-Pipeline nach China und baut damit seine Energie-Partnerschaft mit der asiatischen Supermacht aus. Wladimir Putin will Moskaus Abhängigkeit von europäischen Abnehmern verringern.

Russland habe Mittelstreckenraketen im eigenen Land stationiert, so die USA. Russlands Präsident Wladimir Putin chweigt zu den Vorwürfen. Foto: dpa
Russland habe Mittelstreckenraketen im eigenen Land stationiert, so die USA. Russlands Präsident Wladimir Putin chweigt zu den Vorwürfen. Foto: dpa

Russland liefert seit dem Neujahrstag Erdöl über eine neue Mega-Pipeline nach China und baut damit seine Energie-Partnerschaft mit der asiatischen Supermacht aus. Wladimir Putin will Moskaus Abhängigkeit von europäischen Abnehmern verringern.

Ein Sprecher des Pipeline-Betreibers Transneft gab am Samstag die Inbetriebnahme der bislang 2.757 Kilometer langen Röhre vom russischen Skoworodino ins chinesische Danqing bekannt. Der weltgrößte Ölproduzent stößt mit der Pipeline das Tor zum asiatisch-pazifischen Raum auf. Am Sonntag gab die russische Regierung zudem für 2010 einen Förderrekord bekannt, der Experten überraschte.

Russisches Öl wurde bislang per Bahn nach China gebracht. Die Pipeline Eastern Siberia – Pacific Ocean (Espo) soll einmal 4.070 Kilometer messen und damit die längste der Welt werden. Die Baukosten werden auf etwa 25 Milliarden Dollar geschätzt. Mit der Umstellung will Russland auch das Volumen deutlich erhöhen und künftig China, Japan und Südkorea bis vor die Haustür beliefern. Die energiehungrigen Wachstumsmärkte in Asien wollen ihrerseits Abhängigkeit vom Nahen Osten verringern.

Der Weg zurück zu weltpolitischem Einfluss?

Für Ministerpräsident Wladimir Putin ist das Projekt ein wichtiger Baustein auf dem Weg zurück zu weltpolitischen Einfluss, den er seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vermisst. Putin will auch Russlands Abhängigkeit von europäischen Abnehmern verringern.

Im abgelaufenen Jahr produzierte Russland mehr Erdöl als erwartet. Das Energieministerium gab einen Anstieg um 2,2 Prozent auf 10,145 Millionen Barrel pro Tag (bpd) bekannt, der höchste Stand seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Experten hatten im Schnitt einen Anstieg um 1,1 Prozent erwartet. Damit war Russland der einzige Produzent, der die Marke von zehn Millionen Barrel pro Tage durchbrach. Nach den Daten der Internationalen Energie Agentur (IEA) erreichte Russland 1988 – damals noch als Sowjetrepublik – ein Volumen von 11,41 Millionen bpd. Für 2011 erwartet das Ministerium einen leichten Rückgang auf 10,122 Millionen bpd.

Engere Zusammenarbeit auch bei Erdgas

Bei Erdgas erhöhte Russland 2010 ebenfalls die Förderung: Sie lag zwölf Prozent höher bei 1,78 Milliarden Kubikmeter pro Tag. Russland bleibt damit weiter hinter den USA, die 2009 die Spitze übernommen hatten und etwa zwei Milliarden Kubikmeter pro Tag produziert.

Auch bei diesem Energieträger wollen Russland und China enger zusammenarbeiten. Ende September schloss der russische Energiekonzern Gazprom ein weitreichendes Abkommen mit China. Von Ende 2015 an liefert das staatliche Unternehmen 30 Jahre lang jährlich 30 Milliarden Kubikmeter an die ebenfalls staatliche China Petroleum. Die Volksrepublik wird dabei in die Förderung investieren und so einen Teil der russischen Infrastruktur finanzieren. Die Regierung in Peking verfolgt das Ziel, den Anteil von Erdgas an seinem Energieverbrauch im kommenden Jahrzehnt zu verdoppeln, vor allem zulasten der klimaschädlicheren Kohle.

EURACTIV/rtr/dto

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