Sonnleitner: Desaströses Jahr für deutsche Bauern
Die wirtschaftliche Lage der Bauern ist desaströs, und die Aussichten bleiben schlecht. Das ist die Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der heute seinen Situationsbericht 2010 vorgelegt hat. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner hofft auf eine intakte Achse Berlin-Paris, die das EU-Budget für die Bauern auch nach 2013 verteidigt.
Die wirtschaftliche Lage der Bauern ist desaströs, und die Aussichten bleiben schlecht. Das ist die Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der heute seinen Situationsbericht 2010 vorgelegt hat. DBV-Präsident Gerd Sonnleitner hofft auf eine intakte Achse Berlin-Paris, die das EU-Budget für die Bauern auch nach 2013 verteidigt.
Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), hat heute in Berlin gefordert, dass das EU-Budget für die Gemeinsame Agrarpolitik auch nach 2013 unbedingt erhalten bleiben solle. "Das ist das Wichtigste." Um dieses Ziel zu erreichen, will der DBV in der Bevölkerung für "Akzeptanz und Wohlwollen" werben. Erst wenn das EU-Budget durchgesetzt sei, sollte der "fundamentale Diskurs über die Grundverteilung zwischen den 27 Mitgliedsstaaten" geführt werden, mahnt Sonnleitner.
Situationsbericht 2010
Derzeit ist die wirtschaftliche Lage für die deutschen Landwirte "desaströs", kommentierte Sonnleitner den "Situationsbericht 2010", den der DBV heute vorgestellt hat. Demnach haben die Landwirte im Wirtschaftsjahr 2008/2009 durchschnittlich 2000 Euro pro Monat verdient.
Während Schweine- und Geflügelhalter die Umsätze kräftig steigern konnte, sind die Einkommen der Milchbauern (minus 45 Prozent) und der Ackerbaubetriebe (minus 18 Prozent) sehr stark zurückgegangen. Vor allem das erste Haljahr 2009 sei sehr schwierig gewesen, deshalb sei auch für das kommende Wirtschaftsjahr mit schrumpfenden Einkommen zu rechnen, so Sonnleitner.
Mühselige Diskussion um Milchquote
Der DBV-Präsident lobte das Engagement der Kanzlerin Angela Merkel und der Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner für die Interessen deutscher Landwirte in Brüssel. Die "mühselige Diskussion" um die Aussetzung der Milchquote erklärte Sonnleitner dagegen für beendet. "Die Milchquote wird 2015 abgeschafft. Das ist beschlossen und wir müssen uns als Unternehmer darauf einstellen."
Während Sonnleitner in Berlin vor Journalisten sprach, besprach sich Aigner in Paris mit ihrem französischen Ministerkollegen Bruno Le Maire. Zusammen mit anderen 20 EU-Agrarministern haben sie heute den "Appel von Paris" verabschiedet. Die unkonkrete Absichtserklärung setzt sich für eine europäische Regulierung ein, um die Marktpreise und die Einkommen der Bauern zu stabilisieren.
Derzeit kommen etwa 47 Prozent des gesamten EU-Budgets (2008: 116,5 Milliarden Euro) den europäischen Landwirten zugute. Direktzahlungen und Marktinterventionen der EU schlugen 2008 mit 43,3 Milliarden Euro zu Buche und die Entwicklung des ländlichen Raumes wurde von der EU mit 11,5 Milliarden Euro gefördert.
Länder wie Schweden, die Niederlande und Großbritannien wollen Europas Bauern zu mehr Wettbewerb zwingen und ihre milliardenschweren Subventionen deutlich kürzen. Der DBV setzt daher auf eine "intakte Achse Berlin-Paris", die auch im Interesse anderer Länder sei, so Sonnleitner.
Das europäische Sicherheitsnetz
DBV-Präsident Sonnleitner appelierte für das Verständnis, dass deutsche und europäische Bauern dauerhaft auf die Abschottung von internationalen Märkten und auf Subventionen angewiesen seien. "Wir brauchen den Außenschutz und wir brauchen die Betriebsprämie. Ansonsten können die deutschen Landwirte nicht überleben."
Michael Kaczmarek
Dokumente / Links /Download
DBV: Situationsbericht 2010 (10. Dezember 2009)
EU-Parlament: Future CAP: MEPs favour maintaining a strong, reformed, common agricultural policy (11. November 2009)
Kommission: Website zur GAP-Reform
Kommission: Website zum "Gesundheitscheck" der Gemeinsamen Agrarpolitik
EU-Rat: Situation auf dem europäischen Milchmarkt (15. Oktober 2009)
Europäischer Rechnungshof: Sonderbericht zum Milchmarkt (23. Juli 2009)