Tschechiens Abhängigkeit von russischem Öl drastisch erhöht

Tschechien hat seine Abhängigkeit von russischem Öl drastisch erhöht. Die Einfuhren über die Druschba-Pipeline sind in diesem Jahr laut Barbora Putzová, Sprecherin des Staatsunternehmens Mero, auf 65 Prozent gestiegen.

EURACTIV.cz
Czech Central oil tank farm
Trotz der erheblichen Sanktionen der EU gegen Russland verzeichnete Tschechien die höchsten russischen Ölimporte seit 2012. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Tschechien hat seine Abhängigkeit von russischem Öl drastisch erhöht. Die Einfuhren über die Druschba-Pipeline sind in diesem Jahr laut Barbora Putzová, Sprecherin des Staatsunternehmens Mero, auf 65 Prozent gestiegen.

Trotz der erheblichen Sanktionen der EU gegen Russland verzeichnete Tschechien demnach die höchsten russischen Ölimporte seit 2012. Das Verbot der EU für russische Ölimporte wurde im Dezember 2022 in Kraft gesetzt, doch die Druschba-Pipeline bleibt eine Ausnahme. Sie führt durch die Ukraine zu verschiedenen europäischen Zielen.

Der Anteil des russischen Öls an den Gesamtimporten ist in den letzten Monaten stetig gestiegen. Analysten hatten diesen Trend bereits im Sommer vorausgesagt und davor gewarnt, dass die EU-Raffinerien Rohölvorräte anlegen würden, in Erwartung möglicher Unterbrechungen des Ukraine-Transits.

Am Sonntag wurde in Prag gegen den Anstieg der russischen Öleinfuhren in die Tschechische Republik protestiert. Die Initiative „No to Russian Oil“ forderte die Regierung auf, ihre Einfuhren zu reduzieren.

„Es ist notwendig, dass wir an unsere Sicherheit und Solidarität mit einer überfallenen Ukraine denken, auch in puncto Ölimporte“, forderte die Initiative in ihrer Erklärung. „Der Krieg Russlands gegen die Ukraine wird sich in diesen Monaten entscheiden und wird auch unsere Zukunft und Sicherheit stark beeinflussen.“

Das Ministerium für Industrie und Handel erklärte jedoch, dass ein sofortiger Ersatz der russischen Öllieferungen nicht möglich sei.

Die Tschechische Republik verfügt über zwei Hauptbezugsquellen für Erdöl: die Druschba-Pipeline aus Russland und die IKL-Pipeline, die mit der TAL-Pipeline aus Italien verbunden ist und Öl durch Deutschland transportiert.

Die benachbarte Slowakei ist bis zu 70 Prozent von russischem Öl abhängig, während Länder wie Polen und Deutschland ihre russischen Importe eingeschränkt haben.

Auch die Tschechische Republik unternimmt Schritte, um ihre Abhängigkeit zu verringern. Ein Projekt zur Erhöhung der Kapazität der TAL-Pipeline aus Italien soll 2025 abgeschlossen sein.