Umfrage: Digitale Revolution ohne die Deutschen?

Junge Deutsche sind einer Umfrage zufolge optimistischer als andere Europäer und gehen davon aus, dass sie ein besseres Leben als die Generation ihrer Eltern haben werden. Eine Karriere in der digitalen Wirtschaft aber will ein Drittel der 18- bis 30-jährigen Deutschen auf keinen Fall beginnen.

Euractiv.de
Foto: Axel Schwenke (CC BY-SA 2.0)
Foto: Axel Schwenke (CC BY-SA 2.0)

Junge Deutsche sind einer Umfrage zufolge optimistischer als andere Europäer und gehen davon aus, dass sie ein besseres Leben als die Generation ihrer Eltern haben werden. Eine Karriere in der digitalen Wirtschaft aber will ein Drittel der 18- bis 30-jährigen Deutschen auf keinen Fall beginnen.

33 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren wollen auf keinen Fall eine Karriere in der digitalen Wirtschaft beginnen, obwohl eine große Mehrheit den Bereich der ICT als denjenigen mit den besten Jobaussichten betrachtet. Nur 13 Prozent der Befragten beantworten die Frage nach einem möglichen Berufseinstieg im digitalen Sektor mit einem eindeutigen Ja. Eine Mehrheit der „Digital Natives“ in Deutschland kann sich zudem nicht vorstellen, für ein Start-Up zu arbeiten (70 Prozent) oder ein Unternehmen der digitalen Wirtschaft zu gründen (77 Prozent). In den krisengeschüttelten Ländern Spanien und Italien ist die Bereitschaft wesentlich höher.

Das zeigt die erstmals durchgeführte Vodafone Institute Survey „Talking about a Revolution: Europe’s Young Generation on Their Opportunities in a Digitised World„. Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov 6.000 junge Erwachsene in sechs europäischen Ländern befragt: Deutschland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Spanien und in der Tschechischen Republik.

43 Prozent der befragten Deutschen geht demnach davon aus, dass sie ein besseres Leben als die Generation ihrer Eltern haben werden. In Spanien blicken lediglich 29 Prozent der jungen Erwachsenen so optimistisch in die Zukunft, in Italien sind es sogar nur 23 Prozent. Die wirtschaftliche Lage der einzelnen Länder prägt die Ergebnisse der Befragung stark. Während junge Erwachsene in Italien und Spanien die Digitalisierung für die eigene Zukunft eher positiv bewerten und sie offenbar als möglichen Weg aus der Arbeitslosigkeit schätzen, verharren insbesondere die deutschen Altersgenossen stärker in den heute bekannten Kategorien. Die Digitalisierung wird von ihnen zwar als Chance begriffen – aber nicht für sich selbst.

David Deissner, Leiter Strategie und Programme des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation, sagt: „Die Ergebnisse für Deutschland erwecken den Eindruck, die Generation der 18- bis 30-Jährigen ist sich nicht bewusst, dass die digitale Revolution noch überhaupt nicht richtig Fahrt aufgenommen hat. Digitaler Unternehmergeist ist lange nicht so verbreitet wie es den Anschein hat.“

Die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Heimatlandes bewerten die jungen Erwachsenen sehr unterschiedlich. In Spanien fürchten 49 Prozent der 18- bis 30-Jährigen um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Heimatlandes und den Verlust von Arbeitsplätzen in Folge der Digitalisierung, in Italien sind es 60 Prozent. Diese Sorge ist in den Niederlanden (40 Prozent), Großbritannien (31 Prozent), der Tschechischen Republik (36 Prozent) und in Deutschland (35 Prozent) deutlich geringer ausgeprägt.

Digitaler Unternehmer sein ist Deutschen zu viel Arbeit

Das Interesse an der Gründung eines eigenen Unternehmens oder der Mitarbeit in einem neu gegründeten Unternehmen ist in Italien und Spanien besonders hoch. Dieses Interesse besteht auch, wenn explizit nach der Gründung und Mitarbeit im digitalen Bereich gefragt wird. 35 Prozent (Italien) bzw. 32 Prozent (Spanien und Tschechische Republik) derjenigen, die sich für die Gründung eines Unternehmens interessieren, nannten die schwierige Arbeitsmarktsituation als einen wichtigen Grund. In Deutschland (18 Prozent), Großbritannien (24 Prozent) und den Niederlanden (20 Prozent) spielt dies eine geringere Rolle.

Wenn junge Deutsche ein eigenes Unternehmen gründen wollen, dann steht Selbstverwirklichung an erster Stelle. Die Realisierung eigener Ideen (44 Prozent), der eigene Chef zu sein (38 Prozent) sowie bessere Verdienstmöglichkeiten (29 Prozent) sind die drei wichtigsten Gründe. Folgende drei Erklärungen liefern junge Deutsche dafür, kein eigenes Unternehmen gründen zu wollen: Es ist ihnen zu viel Arbeit (46 Prozent), sie sehen die Balance zwischen Arbeit und Privatleben in Gefahr (43 Prozent) oder fürchten, nicht genügend Arbeitserfahrung mitzubringen (40 Prozent).

Einer von fünf jungen Europäern hat bereits im Ausland gelebt

In allen sechs untersuchten Ländern hat bereits einer von fünf jungen Erwachsenen im Ausland gelebt, ein substantieller Teil der jungen Generation wächst also als mobile Europäer auf. Insbesondere junge Erwachsene aus Deutschland (25 Prozent) und Italien (24 Prozent) zieht es ins Ausland, der Anteil ist am niedrigsten in den Niederlanden (17 Prozent). Der Aussage „Ich plane, ins Ausland zu gehen, weil dort die Jobchancen besser sind“, stimmen insbesondere junge Italiener (61 Prozent Zustimmung), Spanier (58 Prozent) und Tschechen (42 Prozent) zu. In Deutschland stimmen 27 Prozent der Befragten zu.