EU-Kommission legt Plan zur Förderung von Künstlicher Intelligenz in der Industrie vor
Die Strategie sieht außerdem Unterstützung für branchenspezifische KI-Modelle und -Agenten im Industriesektor vor, ebenso wie Fördergelder für sogenannte „Acceleration Pipelines“, die KI-Innovationen aus Forschungslaboren direkt in die Produktion bringen sollen.
EU-Kommissarin für Technologie, Henna Virkkunen, hat am Mittwoch die „Apply AI“-Strategie der Europäischen Kommission vorgestellt – ein Maßnahmenpaket, das darauf abzielt, Unternehmen in ganz Europa beim breitflächigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu unterstützen.
Das umfangreiche Strategiepapier listet eine Reihe von Initiativen auf, mit denen die Kommission die Einführung von KI-Technologien beschleunigen will. Im Zentrum steht dabei die KI-Entwicklung selbst: Mit einer neuen „Frontier AI Initiative“ sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammengebracht werden, um „fortschrittliche KI-Fähigkeiten“ zu erschließen. Geplant sind Wettbewerbe zur Entwicklung offener KI-Modelle, die kostenfreien Zugang zu EU-eigenen Supercomputern erhalten sollen.
„Die Strategie setzt zudem auf ein Buy European AI-Prinzip – insbesondere im öffentlichen Sektor“, sagte Virkkunen. Zwar betonte sie die Bedeutung öffentlicher Aufträge zur Förderung europäischer Innovation, doch konkrete Schritte in diese Richtung fehlen bislang. Auf Nachfrage konnte ein Kommissionssprecher gegenüber Euractiv keine Details nennen, welche Maßnahmen Virkkunen meinte.
Darüber hinaus sollen europäische Rechenkapazitäten künftig auch für die Entwicklung von Verteidigungs-KI geöffnet werden. Zudem plant die Kommission neue „AI for Business“-Masterprogramme, um Unternehmen den Zugang zu qualifizierten Fachkräften zu sichern.
Die Strategie sieht außerdem Unterstützung für branchenspezifische KI-Modelle und -Agenten im Industriesektor vor, ebenso wie Fördergelder für sogenannte „Acceleration Pipelines“, die KI-Innovationen aus Forschungslaboren direkt in die Produktion bringen sollen.
Im Gesundheitswesen soll KI künftig fortschrittliche Screening-Zentren ermöglichen. Beim Klimaschutz ist ein Open-Source-KI-Modell zur Verbesserung von Wettervorhersagen geplant, während im Bereich Mobilität ausgewählte Städte als Testfelder für autonome Fahrzeuge fungieren sollen.
„Nur eine weitere Strategie?“
Das gesamte KI-Tempo soll künftig durch ein neues „AI Observatory“ überwacht und im Rahmen einer „Apply AI Alliance“ diskutiert werden – einer überarbeiteten Version der bisherigen „AI Alliance“, einem bestehenden Stakeholder-Forum.
Doch trotz der vielen Ankündigungen bleiben die konkreten Umsetzungsdetails vage. Unklar bleibt etwa, wie genau das geplante Observatorium ausgestaltet werden soll und welche Aufgaben es konkret übernimmt.
„Another day, another strategy paper“, kommentierte Daniel Abbou, Präsident des European AI Forum, das nationale KI-Verbände vereint. „Vieles in dem Papier ist richtig und wichtig – aber wie sollen diese Maßnahmen konkret umgesetzt werden?“
Abbou verweist auf die Ankündigung von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim AI Action Summit im Februar in Paris, wo von der Mobilisierung von 200 Milliarden Euro für europäische KI-Investitionen die Rede war.
Während die Kommission derzeit an sogenannten „AI Gigafactories“ – großen Trainingszentren für KI-Modelle – arbeitet, machen diese Projekte nur etwa ein Zehntel der angekündigten Investitionen aus. Ein Sprecher konnte auf Nachfrage nicht erklären, wo der Rest der Milliarden bleiben soll.
Maßnahmen brauchen Geld
Die Apply AI-Strategie enthält immerhin eine neue Finanzierungszusage in Höhe von 1 Milliarde Euro – diesmal offenbar echtes Geld, das aus bestehenden EU-Förderprogrammen stammen soll.
Doch im internationalen Vergleich bleibt das private Investitionsvolumen in Europa deutlich hinter den USA und China zurück, sagte Emmet King vom Venture-Capital-Unternehmen J12 gegenüber Euractiv. Für ihn ist klar: Wer von „europäischer KI-Souveränität“ spricht, müsse vor allem europäische Ersparnisse mobilisieren, um Innovationen zu finanzieren.
„Die Kommission verdient Anerkennung für ihren proaktiven Ansatz“, so King weiter. „Aber das Problem war nie ein Mangel an Strategien – sondern deren Umsetzung.“
King fordert, die Vielzahl an Strategien und Aktionsplänen endlich mit messbaren Ergebnissen zu verknüpfen – etwa, wie viel Rechenkapazität für KI in Europa tatsächlich verfügbar ist. Zumindest darauf könnte die Kommission bald eine Antwort geben: durch das geplante AI Observatory.
(nl, jl)