Verbreitung von Affenpocken wirft Sorgen um gerechten Zugang zu Impfstoffen auf

Der Zugang zu Affenpocken-Impfstoffen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei ein wichtiges Anliegen, sagte die stellvertretende Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Zugang zu Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten am Mittwoch.

EURACTIV.com
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Mit der Ausbreitung der Affenpocken tauchen die bekannten Probleme des weltweiten Zugangs zu Impfstoffen wieder auf. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/vaccination-booster-shot-smallpox-monkeypox-mpxv-2160003685" target="_blank" rel="noopener">SHUTTERSTOCK/angellodeco</a>]

Der Zugang zu Affenpocken-Impfstoffen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sei ein wichtiges Anliegen, sagte die stellvertretende Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Zugang zu Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, Mariângela Simão, am Mittwoch (17. August).

„Wir arbeiten mit Entwicklern und Organisationen, die mit Herstellern zusammenarbeiten, um neue Technologien zu entwickeln“, sagte Simão während einer Pressekonferenz.

„Und vor allem arbeiten wir daran, dass die Schnelldiagnosetests entwickelt werden und für die Entwicklungsländer zu erschwinglichen Preisen erhältlich sind. Das ist also eine Arbeit, die noch nicht abgeschlossen ist“, fügte sie hinzu.

Verschiedene NGOs haben bereits davor gewarnt, dass die Reaktion auf die Affenpocken und der Wettlauf der reichen Länder um Impfstoffe der Situation bei den Corona-Impfstoffen ähnele, als Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen darum kämpften, ihre Bevölkerung impfen zu können.

Der Direktor von Global Justice Now, Nick Deardin, forderte die Pharmaunternehmen auf, ihr Know-how zügig weiterzugeben, damit die Produktion von Impfstoffen gegen Affenpocken in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Gang kommt.

„Wir können nicht so weitermachen, Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf diese Weise zu verwalten. Die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt wird den Profiten der Pharmaunternehmen unterworfen. Auch wenn es sich hier um eine ganz andere Krankheit handelt, ist es in dieser wichtigen Hinsicht wie bei Covid“, sagte Deardin in einer Erklärung.

Es gebe „keine Entschuldigung dafür“, den Impfstoff gegen Affenpocken nicht offen zu lizenzieren und Forschungsergebnisse zu teilen, so Deardin. „Wenn die Krankheit endemisch wird, werden Menschen sterben, und die Verantwortung wird bei diesem pharmazeutischen System liegen“, fügte er hinzu.

Derzeit gibt es zwei von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassene Mittel gegen Affenpocken in der EU. Es handelt sich um den Impfstoff Imvanex des dänischen Unternehmens Bavarian Nordic und das Virostatikum Tecovirimat SIGA.

Zahl der Fälle nimmt zu

Mehr als 35.000 Fälle von Affenpocken in 92 Ländern und 12 Todesfälle wurden bisher von der WHO bestätigt, wie Generaldirektor Tedros Ghebreyesus am Mittwoch (17. August) bei einem Briefing der Organisation bekannt gab.

„In der vergangenen Woche wurden fast 7.500 Fälle gemeldet, das sind 20 Prozent mehr als in der Vorwoche und ebenfalls 20 Prozent mehr als in der Woche davor“, sagte Ghebreyesus und forderte die Regierungen erneut auf, die notwendigen Maßnahmen zur Überwachung, Rückverfolgung und Risikominderung zu ergreifen.

Er wies auch darauf hin, dass sich fast alle Fälle in Europa und Amerika ereigneten. Die neuesten Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vom 15. August melden 15.659 Fälle von Affenpocken in 29 Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums.

Spanien ist hierunter das Land mit den meisten gemeldeten Fällen, nämlich 5.719 Fällen, von denen zwei im Juli zum Tode führten.

Mit dem Anstieg der Fälle wächst auch die Besorgnis über Mutationen.

„Wir haben einige Mutationen festgestellt. Aber im Moment haben wir noch keine Informationen darüber, was das für das Verhalten des Virus selbst bedeutet oder wie es mit der menschlichen Immunreaktion interagiert. Wir werden diesen Bereich weiter beobachten“, sagte die technische Leiterin der WHO für Affenpocken, Rosamund Lewis.

Am 23. Juli hatte die WHO ihre höchste Alarmstufe für Affenpocken ausgelöst und die Ausbreitung des Virus als Notfall für die öffentliche Gesundheit deklariert.

Kurz darauf richtete die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ein Schreiben an die Gesundheitsminister, worin sie ein „verstärktes, konzertiertes und koordiniertes Vorgehen“ der EU forderte, „um auf die sich weltweit entwickelnde Situation zu reagieren, in der die EU das Epizentrum der entdeckten Fälle ist“.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]