Filterverbot: Der letzte Zug für die Tabakindustrie?

Ein Kommissionssprecher stellte inzwischen klar, dass die Maßnahme innerhalb der EU vorerst nicht gelten solle. Dennoch enthält der jüngste Entwurf der EU-Position weiterhin den Verweis auf ein globales Filterverbot.

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[Photo by Horst Galuschka/picture alliance via Getty Images]

Ein Vorschlag zum Verbot von Zigarettenfiltern sorgt in der EU für Aufsehen. Zwar unterstützen einige Mitgliedstaaten die Idee grundsätzlich, bislang weigern sie sich jedoch, eine Maßnahme umzusetzen, die das Rauchen deutlich unattraktiver machen könnte.

Ein Filterverbot ist keine neue Forderung, doch die Debatte hat im Vorfeld der COP11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – die vom 15. bis 22. November in Genf stattfindet – neuen Schwung bekommen. Dort wollen die Staaten über eine Reihe von Tabakkontrollmaßnahmen beraten. Innerhalb der EU wird derzeit diskutiert, wie weit Europa bei Tabakeinschränkungen gehen soll.

In ihrem Entwurf unterstützt die Europäische Kommission die Idee eines Filterverbots, um die „Attraktivität und den Geschmack von Zigaretten zu verringern“ und um „falsche Verbraucherannahmen zu korrigieren, wonach Filter die Gesundheitsrisiken deutlich mindern“. Laut Unterlagen, die Euractiv vorliegen, lehnen mehrere Länder – darunter Deutschland und Italien – den Vorschlag ab.

Ein Kommissionssprecher stellte inzwischen klar, dass die Maßnahme innerhalb der EU vorerst nicht gelten solle. Dennoch enthält der jüngste Entwurf der EU-Position weiterhin den Verweis auf ein globales Filterverbot. Das deutet darauf hin, dass die EU-Kommission die Option für eine künftige Anwendung in Europa offenhalten möchte.

Offiziell argumentiert die EU mit Umweltschäden: Zigarettenfilter seien eine erhebliche Quelle der von der Tabakindustrie verursachten Umweltverschmutzung. Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich rund 4,5 Billionen Zigarettenstummel in die Umwelt gelangen.

Praktisch gesehen würde ein Filterverbot das Rauchen deutlich unattraktiver machen – denn ungefilterte Zigaretten sind stärker und weniger angenehm zu konsumieren. Diesen Punkt vermeiden politische Entscheidungsträger allerdings öffentlich anzusprechen.

Eine Werbung in Marseille, die vor den Umweltauswirkungen von Zigarettentummel warnt. [Foto: Brenda Strohmaier | Euractiv]

Warum also ein Verbot?

Die WHO rät davon ab, Maßnahmen zu ergreifen, die die Wahrnehmung eines geringeren Schadens unterstützen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Filter genau in diese Kategorie fallen. Forschungsergebnisse deuten zudem darauf hin, dass Filter schädliche Substanzen im Rauch nicht effektiv herausfiltern. Gleichzeitig könnte ein vollständiger Verzicht auf Filter dazu führen, dass Raucher noch höheren Schadstoffmengen ausgesetzt sind.

Gijs van Wijk von der Smoke Free Partnership betont, dass Filter keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen hätten. „So wie ‚Light‘-Zigaretten als Betrug entlarvt wurden, die kein Gesundheitsrisiko reduziert haben, sind auch Filter ein trügerisches Designelement. Sie machen das Rauchen nicht sicherer – im Gegenteil: Sie können die Schädlichkeit erhöhen, indem sie zu tieferem Inhalieren und aggressiveren Krebsarten beitragen“, sagte er.

Van Wijk begrüßte die Bereitschaft der EU, ein Filterverbot in Betracht zu ziehen, und sprach sich dafür aus, ähnliche Maßnahmen auch auf neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten und erhitzten Tabak auszuweiten.

Obwohl die Tabakindustrie zunehmend auf Alternativprodukte setzt, haben diese den Marktanteil klassischer Zigaretten bislang nicht überholt. Herkömmliche Zigaretten bleiben die wichtigste Einnahmequelle – vor allem für kleinere Unternehmen. Große Konzerne wie Philip Morris International und British American Tobacco investieren parallel weiter in neue Produktlinien.

Ein Filterverbot, das das Rauchen weniger attraktiv macht, könnte die Branche daher wirtschaftlich empfindlich treffen.

Die EU erhöht bereits den Druck auf den Sektor: Geplant sind deutliche Tabaksteuererhöhungen im Rahmen einer überarbeiteten Tabaksteuer-Richtlinie. Zudem hat Brüssel die Einführung der sogenannten TEDOR-Abgabe vorgeschlagen – eine Zusatzabgabe, die jährlich rund 11,2 Milliarden Euro in den nächsten mehrjährigen EU-Haushalt einbringen soll, indem 15 Prozent der nationalen Tabakeinnahmen abgeschöpft werden.

Schmuggel bleibt ein Problem

Doch selbst höhere Steuern und ein Filterverbot wären nicht das Ende des Rauchens.

Der illegale Tabakhandel sorgt europaweit weiter für Probleme, und die Strafverfolgungsbehörden kommen kaum hinterher. Ohne stärkere Grenzkontrollen der Mitgliedstaaten dürften neue Einschränkungen ins Leere laufen.

In Frankreich – wo die Steuern besonders hoch sind – hat der illegale Handel stark zugenommen. Auch Litauen steht trotz niedrigerer Abgaben unter Druck: Hunderte mit gefälschten Filterzigaretten beladene Ballons sind aus Belarus ins Land geflogen, sodass die Behörden in Vilnius begannen, sie abzuschießen.

(bms, jl)