Wie man Edelmetall aus Straßenkehricht gewinnt
Für den Umweltkonzern Veolia scheint die Straße mit Edelmetall gepflastert. Er will winzige Teilchen des seltenen Edelmetalls aus dem städtischen Straßenkehricht gewinnen. Enorme Preissprünge dürften das Verfahren rentabel machen.
Für den Umweltkonzern Veolia scheint die Straße mit Edelmetall gepflastert. Er will winzige Teilchen des seltenen Edelmetalls aus dem städtischen Straßenkehricht gewinnen. Enorme Preissprünge dürften das Verfahren rentabel machen.
Das Edelmetall Palladium hat – vor allem durch die sprunghafte chinesische Automobilnachfrage – so gigantische Preissprünge hinter sich, dass es sich offenbar lohnt, den Straßenkehricht von Städten in einem speziellen Verfahren “auszuwaschen” und kleinste Mengen des Edelmetalls zu gewinnen.
Vorerst wird das Verfahren nur in England getestet. Der Geschäftsführer der deutschen Fachvereinigung Edelmetalle e.V., Wilfried Held, bestätigte EURACTIV.de, davon schon vereinzelt gehört zu haben, aber für die deutschen Mitgliedsbetriebe des Verbandes sei dies noch kein Thema.
Informationen über Palladium, das aus dem städtischen Straßenkehricht gewonnen wird, lägen dem Verband nicht vor. Nach einer Umfrage in den deutschen edelmetallverarbeitenden Mitgliedsbetrieben bekräftigte Held gegenüber EURACTIV.de: “Wie nicht anders zu erwarten war, liegen auch unseren Mitgliedern nach unserer Befragung keine Informationen zu dem Thema vor.” Dieses Thema komme vereinzelt auf, doch “eine verlässliche empirische Basis für eine Beurteilung ist uns jedoch nicht bekannt”.
Veolia hat indessen angekündigt, den Dreck von städtischen Straßen mit einer neu entwickelten Technologie zur Gewinnung von Palladium zu verwenden. Getestet wurde das Verfahren bei einem Volksfest in Notting Hill – dem Notting Hill Carnival – Ende August in London, wo der Konzern die Straßenreinigung übernahm.
Veolia hat sich in ganz England bereits an die dreißig Straßenreinigungsverträge gesichert und sieht großes Potenzial in der Gewinnung des Edelmetalls, das in Autoabgasen bei Fahrzeugen mit Katalysatoren in Form von Feinstaub emittiert wird.
Diese Palladium-Partikel werden zusammen mit dem Kehricht mit Hilfe von Straßenreinigungsmaschinen von den Straßenbelägen eingesammelt. Langfristig könnten dabei Werte entstehen, auch wenn die Trennung von den sonstigen Abfällen noch eine große Herausforderung darstellt.
Die Palladium-Gewinnung erfolgt durch Trennung des Straßenkehrichts in trockene und organische Materialien. Die Trennung übernimmt eine Art Auswasch-Anlage, die die verbleibenden Feinstaubelemente, die das Edelmetall enthalten, gesondert behandeln. Die Anlage befindet sich in Ellesmere Port, Cheshire, in England.
In einem Interview mit edieWaste, einem Umwelt-Onlinedienst, sagte Richard Kirkman, Leiter dieser Technologie von Veolia: “Wir haben die Technologie des Schmutzauswaschens und die Technologie zur Gewinnung des Palladiums zusammenlegen können. Das macht durchaus Sinn, da der Straßenkehricht dadurch wirtschaftlich wertvoll wird.
Nach Veolia-Angaben wird die 30.000-Tonnen-Anlage mit diesem Verfahren jährlich fünf Kilogramm Palladium gewinnen können. “Das ist zwar keine riesige Menge”, sagte Kirkman, “aber es ist ein hochwertiges Material mit einem Wert von Tausenden von Pfund pro Kilogramm.”
Das Material, das bei der Straßenreinigung nach dem Notting Hill Carnival zusammengekommen ist, soll in einer neuen Abfall-Auswaschanlage in den Midlands behandelt werden.
Das silberweiße Übergangsmetall zählt zu den Platinmetallen und kommt äußerst selten vor. Erst 2010 wurde die Weltöffentlichkeit darauf aufmerksam, weil drei Forscher mit dem Chemienobelpreis für ein Verfahren ausgezeichnet wurden, bei dem Palladium als Katalysator eine wichtige Rolle spielt.
Unter anderem wird Palladium für Abgaskatalysatoren für Ottomotoren, als Kontaktwerkstoff für Relais in Kommunikationsanlagen und in medizinischen Geräten verwendet.
Nun wird nicht nur bei der Entsorgung von Schrottautos aus den Abgaskatalysatoren Palladium recycelt, sondern künftig wohl auch aus dem, was auf den Straßen liegt.
ekö