Interessenmanagement im Jahr 2007: "Multi-Level-Lobbying" [DE]
Um im Mehrebenensystem der Europäischen Union ihren Interessen Gehör zu verschaffen, müssen sich Verbände sowohl an die europäische als auch an die nationale Ebene wenden. Dies stellen die Autoren Hans F. Bellstedt, Sandra Roling und Hubert Koch in der aktuellen Ausgabe des deutschen Magazins "Verbändereport" fest.
Um im Mehrebenensystem der Europäischen Union ihren Interessen Gehör zu verschaffen, müssen sich Verbände sowohl an die europäische als auch an die nationale Ebene wenden. Dies stellen die Autoren Hans F. Bellstedt, Sandra Roling und Hubert Koch in der aktuellen Ausgabe des deutschen Magazins „Verbändereport“ fest.
Im Zuge der Europäisierung der politischen Entscheidungsprozesse müssen Unternehmen und Verbände zunehmend ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Ebenen verteilen. Es gilt, die politischen Agenden in Brüssel und im eigenen Land im Blick zu behalten – und möglichst frühzeitig im eigenen Sinne zu beeinflussen, so die Autoren Hans F. Bellstedt, Sandra Rolling und Hubert Koch.
Hinzu kommt laut Bellstedt und Roling, dass sich Brüssel und – im deutschen Falle – Berlin wie „kommunizierende Röhren zueinander“ verhalten, so dass die Wechselwirkungen möglichst mitkalkuliert werden sollte. Sie zeigen auf, dass mit gut adressierten Stellungnahmen und Beschwerden die gewünschten Ergebnisse und sogar die Revision unliebsamer Regelungen herbeigeführt werden können.
In den Augen der Autoren ist daher der Zusammenschluss zum – möglichst europaweiten – Verband ein wichtiger Schritt, um „neue Kraftzentren zu schmieden“.
Diese Bemühungen werden von Politikern belohnt: Nicht nur, dass sie die Bündelung unterschiedlicher Positionen schätzt und aufgrund der immer komplexer werdenden Entscheidungen auf das Fachwissen aus der jeweiligen Branche angewiesen ist; sie wissen auch um die gesteigerte Akzeptanz für eine Entscheidung, wenn diese von betroffenen Verbänden unterstützt wird.
Dabei gilt für Koch immer noch die goldene Regel „Talk, don’t write“: Nur mit demjenigen, der direkt in Brüssel oder Berlin vor Ort ist, suchen die Entscheidungsträger das persönliche Gespräch. Koch weist auf eine Reihe von Kriterien hin, die Verbände beachten sollten, wenn sie einen externen Dienstleister mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragen.
Was laut Bellstedt und Roling für die Interessenvertretung auf europäischem Parkett fehlt, ist auch in diesem Zusammenhang die europäische Öffentlichkeit, die man gemeinsam für seine Interessen sensibilisieren sollte. Sie jedoch braucht mehr „europäisch handelnde Verleger, europäisch denkende Journalisten und nicht zuletzt ein europäisch denkendes Publikum.“