Abwanderung in USA: Hohe Energiekosten verschrecken Unternehmen in EU
Aufgrund des Verwaltungsaufwandes und der hohen Energiekosten wandern immer mehr Unternehmen aus Europa in die USA ab, warnte Stefano Mallia, Leiter der Gruppe Arbeitgeber des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), in einem Interview mit EURACTIV.
Aufgrund des Verwaltungsaufwandes und der hohen Energiekosten wandern immer mehr Unternehmen aus Europa in die USA ab, warnte Stefano Mallia, Leiter der Gruppe Arbeitgeber des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), in einem Interview mit EURACTIV.
Die Abwanderung betreffe vor allem jene Sektoren, die einen hohen Energieverbrauch hätten und daher von günstigen Preisen abhängig seien, so Mallia. „Ich kann dies als eine reale und gegenwärtige Gefahr bezeichnen“, sagte er. Er fügte hinzu, dass die EU die Wettbewerbsfähigkeit in den Vordergrund ihrer politischen Entscheidungen stellen müsse.
„Die Wettbewerbsfähigkeit muss im Mittelpunkt des Denkens der EU stehen, und wir sind der Meinung, dass es in der neuen, künftigen Kommission einen EU-Kommissar geben sollte, der für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zuständig ist, was derzeit nicht der Fall ist“, so Mallia gegenüber EURACTIV.cz.
Die Gruppe der Arbeitgeber des EWSA drängte die EU zur Einführung einer „Überprüfung der Wettbewerbsfähigkeit.“ Eine solche Prüfung würde bedeuten, dass während des Entscheidungsprozesses der EU die Auswirkungen der vorgeschlagenen Rechtsvorschriften auf das Unternehmensumfeld analysiert würden.
„Unser Vorschlag wurde von der Europäischen Kommission zunächst abgelehnt, aber vor ein paar Monaten, als die Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit eröffnet wurde, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass sie ihn tatsächlich umsetzen werde“, so Mallia.
„Dennoch wissen wir nicht, wie es funktionieren wird, da die Antworten, die wir bekommen, noch etwas vage sind“, fügte er hinzu.
Mallia äußerte auch Einwände gegen den Net-Zero Industry Act der EU, den die Europäische Kommission als Reaktion auf den Inflation Reduction Act (IRA) der USA vorgeschlagen hatte. Seiner Meinung nach konzentriert sich das Gesetz nur auf grüne Technologien und bevorzugt diese damit – ein Ansatz, den die Gruppe der Arbeitgeber nicht befürwortet.
„Was ist mit den anderen Branchen, die heute den Übergang vollziehen müssen? Wir können es uns nicht leisten, eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Sektoren sterben werden. Wir müssen sie alle unterstützen, wenn sie in der Lage und willens sind, den Übergang zu schaffen“, sagte Mallia. Er betonte, dass die EU eine Agenda für die Wettbewerbsfähigkeit haben müsse, die sich auf alle Branchen konzentriere, was derzeit nicht der Fall sei.