Eurenco-Chef: EU-Umweltauflagen behindern Ausbau der Rüstungsindustrie
Die EU sollte Umweltauflagen lockern, damit Rüstungsunternehmen ihre Produktion in Europa schneller ausweiten können, sagte Thierry Francou, CEO des französischen Sprengstoffherstellers Eurenco, im Interview mit Euractiv.
Die EU sollte Umweltauflagen lockern, damit Rüstungsunternehmen ihre Produktion in Europa schneller ausweiten können, sagte Thierry Francou, CEO des französischen Sprengstoffherstellers Eurenco, im Interview mit Euractiv.
Die derzeitigen Vorschriften in der EU seien nicht auf die Bedürfnisse eines europaweiten Ausbaus der Rüstungsindustrie ausgelegt, so Francou. „Wir arbeiten mit einem regulatorischen Rahmen aus Friedenszeiten.“
Da in Europa derzeit Milliarden Euro in neue militärische Produktionsstätten investiert werden und die Nachfrage nach Raketen und Artillerie steigt, kämpft die Rüstungsindustrie damit, mit den Regierungsaufträgen Schritt zu halten.
Francous Forderung nach einer Lockerung der Vorschriften unterstreicht die Schwierigkeiten, vor denen die EU in den kommenden Jahren steht: eine stärkere Verteidigungspräsenz aufzubauen, ohne dabei die hart erkämpften Umweltstandards zu opfern.
Eurenco hat kürzlich ein Schießpulverwerk im französischen Bergerac wiedereröffnet, das im Jahr 2007 stillgelegt worden war.
Ziel ist es, die nationale Rüstungsproduktion Frankreichs zu stärken und Teile der eigenen Lieferkette zu bündeln.
Doch eine neue Produktionslinie aufzubauen, sei keine einfache Aufgabe – nicht zuletzt wegen der strengen regulatorischen Auflagen der EU, so der Rüstungschef. Die Vorschriften sollen Wildtiere schützen sowie Kontaminationen und Großbrände verhindern, die durch den Umgang mit explosiven Stoffe entstehen können.
Eurenco zählt zu Europas führenden Schießpulverherstellern und beliefert unter anderem Saab aus Schweden und Thales aus Frankreich.
Das Unternehmen mit Standorten in Frankreich, Belgien und Schweden erhielt im Rahmen des EU-Programms zur Unterstützung der Munitionsproduktion „ASAP“ (Act in Support of Ammunition Production) 47 Millionen Euro an Fördergeldern, um die Pulverproduktion zu steigern.
Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, will Eurenco die Schießpulverproduktion in Bergerac zunächst auf 1.200 Tonnen jährlich erhöhen – mit dem Ziel, diese später auf 1.800 Tonnen auszubauen.
Eurenco verfolgt einen Investitionsplan über drei Jahre mit einem Gesamtvolumen von 650 Millionen Euro.
Pulver trocken halten
Rüstungsgüter herzustellen, ist naturgemäß mit Risiken verbunden.
Im Jahr 2022 explodierte in einem anderen Gebäude des Standorts Bergerac ein Lager für Nitrozellulose – eine Anlage, die unter die „Obere Störfallklasse“ der EU-Richtlinie SEVESO III fällt, die Industrieunfälle verhindern soll. Acht Menschen wurden verletzt.
Laut Francou dauerte es danach ein ganzes Jahr, bis Eurenco mit den Erweiterungsarbeiten zur Pulverproduktion am wiedereröffneten Standort beginnen konnte – aufgrund einer einjährigen, gesetzlich vorgeschriebenen Biodiversitätsstudie für das Gebiet.
Der CEO erklärte, dass es aufgrund der SEVESO-III-Richtlinie „nahezu unmöglich“ sei, in Europa eine Rüstungsfabrik neu zu bauen.
Die beste Lösung sei es daher, die Kapazitäten an bereits SEVESO-zugelassenen Standorten zu maximieren – auch wenn das „weiterhin schwierig“ bleibe.
„Wären wir im Krieg, wären diese Themen nicht mehr relevant“, sagte Francou mit Blick auf die Vorschriften und fügte hinzu, dass es derzeit keine Ausnahmeregelungen gebe, um den Ausbau von Produktionslinien im Verteidigungsbereich zu beschleunigen.
Und es geht nicht nur um Schießpulver. Die Rüstungsindustrie ist auf Chemikalien angewiesen – insbesondere auf Salpetersäure – um Munition herzustellen. Doch laut Francou habe die starke Regulierung Hersteller aus Europa vertrieben.
Dies müsse ein zentrales Thema für die EU-Kommission im Rahmen ihres Plans sein, die Verteidigungslieferkette der Union zu sichern. „Ohne Chemikalien können wir kein Pulver herstellen, und ohne Pulver keine Munition“, sagte er.
(jp, mk, kn)