'Serbien befindet sich an einem Wendepunkt'

Serbien habe einen Platz in der Familie der europäischen Nationen verdient und teile die europäischen Werte, sagte die Koordinatorin des Nationalen Konvents zur Europäischen Union in Serbien, Bojana Selaković, gegenüber EURACTIV.

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Protest in front of the Serbian Parliament during special session on negotiations with Kosovo
Die gesamte Gesellschaft muss echtes Engagement, Verantwortung und Konsequenz zeigen, aber auch einen starken Widerstand gegen die Einflüsse, die seit fast 200 Jahren beharrlich versuchen, Serbien in Bezug auf seine Werte von Europa zu trennen. [ANDREJ CUKIC/EPA]

Serbien habe einen Platz in der Familie der europäischen Nationen verdient und teile die europäischen Werte, sagte die Koordinatorin des Nationalen Konvents zur Europäischen Union in Serbien, Bojana Selaković, gegenüber EURACTIV.

„Die gesamte Gesellschaft muss echtes Engagement, Verantwortung und Konsequenz zeigen, aber auch einen starken Widerstand gegen die Einflüsse, die seit fast 200 Jahren beharrlich versuchen, Serbien in Bezug auf seine Werte von Europa zu trennen,“ sagte Selaković.

„Serbien befindet sich wieder einmal an einem Wendepunkt, wie schon bereits mehrere Male in seiner Geschichte. Wir alle haben in den letzten 30 Jahren den Preis für einen solchen Wendepunkt bezahlt. Da dies kein so langen historischen Zeitraum darstellt und wir eine generationenübergreifende Kontinuität haben, hoffe ich, dass wir als Gesellschaft diese Lektion gelernt haben und in der Lage sein werden, die Lehren klug anzuwenden“ fügte sie hinzu.

Umfragen zur Haltung der serbischen Bürger gegenüber der Europäischen Union zeigen ein immer geringeres Vertrauen in den Prozess der europäischen Integration, bestätigt Selaković. Dies sei ihrer Auffassung nach die Konsequenz mehrjähriger inkonsequenter Politik der Europäischen Union gegenüber der gesamten Region. Allerdings wären auch die Dynamiken und Narrative interner Akteure, insbesondere einiger hoher Staatsbeamter, dafür verantwortlich.

„Der Prozess der europäischen Integration wurde seit dem 5. Oktober 2000 von fast jeder Regierung ausschließlich als PR-Instrument benutzt. Gleichzeitig hatte jede Partei, die Wahlen in Serbien gewonnen hat, eine europäische Perspektive, die unter den Versprechen an die Wähler einen hohen Stellenwert hatte“, sagte sie.

Gleichzeitig betonte Selaković, dass die EU in Serbien auch ein Kommunikationsproblem habe. Insbesondere die EU-Gelder würden oft so dargestellt, also ob sie mit russischen oder chinesischen Investitionsoffensiven vergleichbar wären.

„Deshalb wurde den Bürgern nicht erklärt, dass EU-Spenden an Institutionen, gefolgt von Forderungen nach Reformen in verschiedenen Bereichen, chinesischen Krediten und einem niedrigeren Preis für russisches Gas nicht gleich behandelt werden können“, so die Koordinatorin des Nationalen Konvents zur EU.

„Unabhängig von den Umfragedaten besteht die Tatsache weiterhin, dass die Mehrheit der Bürger, selbst diejenigen, die sagen, dass Serbien die europäische Perspektive aufgeben sollte, für sich, ihre Kinder und Enkelkinder das wollen, was die Bürger der EU-Mitgliedsstaaten bekommen“, betont Selakovic.

Dies wird auch aus der Statistik ersichtlich. Denn serbische Bürger:innen wandern vornehmlich in EU-Länder wie Deutschland oder Österreich aus.