Affenpocken-Zahlen in Frankreich gehen zurück
Die Ausbreitung der im Mai in Europa ausgebrochenen Affenpocken verlangsamt sich, wie das französische Gesundheitsministerium am Dienstag (30. August) mitteilte, doch die französische Patientengruppe Monkeypox Collective ruft weiterhin zur Vorsicht auf.
Die Ausbreitung der im Mai in Europa ausgebrochenen Affenpocken verlangsamt sich, wie das französische Gesundheitsministerium am Dienstag (30. August) mitteilte, doch die französische Patientengruppe Monkeypox Collective ruft weiterhin zur Vorsicht auf.
Die Ausbreitung des Affenpockenvirus in Frankreich verlangsamt sich, wie Professor Jérôme Salomon, der Gesundheitschef der Regierung, am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums mitteilte.
„Die Prävention trägt Früchte“, sagt Salomon.
„Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass wir den Höhepunkt der Ansteckung überschritten haben“, fügte Laëtitia Huiart, wissenschaftliche Direktorin von Santé publique France – der Gesundheitsbehörde des Landes – hinzu.
Auf der Seite des Monkeypox-Kollektivs, einer erst vor wenigen Tagen gegründeten Gruppe von Patient:innen mit dem Virus, wird die Lage weniger rosig eingeschätzt.
„Dies ist eine gute Nachricht, aber wir sollten den Sieg nicht zu schnell für uns beanspruchen“, sagte Sébastien, ein Mitglied des Kollektivs, gegenüber EURACTIV.
„Wir haben auf einen Zeitplan, einen großen Plan, eine echte Strategie für die Zukunft gewartet. Nun können wir nicht wirklich nach vorne schauen. Dieser Fortschrittsbericht ist ziemlich enttäuschend“, erklärte Sébastien.
Für Verbände wie Act Up, AIDES und das Monkeypox Collective erscheint es notwendig, die Impfung zu beschleunigen und allen gefährdeten Menschen den Zugang zu ermöglichen.
„Der Staat muss seine Anstrengungen verdoppeln, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Es ist schade, dass wir es versäumt haben, einen echten Impfplan aufzustellen“, so Sébastian, der sich eine Präventions- und Sensibilisierungskampagne gewünscht hätte.
Insgesamt 140.000 Dosen
Bis Ende der Woche sollen insgesamt 140.000 Dosen an die 220 Impfzentren in ganz Frankreich geliefert werden, die nun „kurzfristig“ über freie Plätze verfügen, so das Gesundheitsministerium.
Der Impfstoffvorrat soll noch mindestens bis Anfang 2023 aufrechterhalten werden, wobei die epidemiologischen Entwicklungen berücksichtigt werden sollen.
Allerdings stehe die Bereitstellung des Impfstoffs für die breite Öffentlichkeit nicht auf der Tagesordnung, so das Ministerium weiter.
Die Impfung bleibe ein „strategischer Pfeiler“, müsse aber mit „großen Anstrengungen“ wie Prävention und Isolierung kombiniert werden, die bislang „wirksame Instrumente“ zur Eindämmung der Pandemie gewesen seien, so Salomon weiter.
Salomon zeigte sich zwar optimistisch in Bezug auf das Virus, erklärte aber, dass man die Entwicklung aufmerksam verfolgen und weiterhin alles tun müsse, um die Zahl der infizierten Personen zu verringern.
Huiart von der Gesundheitsbehörde wies außerdem darauf hin, dass die Sommermonate die Statistiken verzerren könnten, vor allem aufgrund von Verzögerungen bei der Diagnose.
Weltweiter Rückgang
Nicht nur in Frankreich, auch weltweit ist eine rückläufige Tendenz zu beobachten.
Die Zahl der Fälle ist in der letzten Woche im Vergleich zur Vorwoche um 21 Prozent gesunken, so französische Gesundheitsbehörden mit.
Die WHO bestätigte diesen Trend auch für Europa.
„Einige ermutigende erste Anzeichen, wie sie in Frankreich, Deutschland, Portugal, Spanien, dem Vereinigten Königreich und anderen Ländern zu beobachten sind, deuten darauf hin, dass sich die Epidemie möglicherweise verlangsamt“, sagte der WHO-Direktor für Europa, Hans Kluge, bei der Pressekonferenz am Dienstag.
Wie in Frankreich habe die Impfung allein die Zahl der Infektionen nicht verringern können, so Kluge.
Die frühere Entdeckung des Virus, die Isolierung, die Prävention, aber auch die intensive Arbeit vor Ort mit den Verbänden seien alles Faktoren, die einen Rückgang der Epidemie ermöglicht hätten, fügte Kluge hinzu.
Bis heute wurden in der europäischen Region mehr als 22.000 Fälle von Affenpocken bestätigt, was mehr als einem Drittel der weltweiten Gesamtzahl entspricht.
„Um die Ausrottung der Krankheit in unserer Region voranzutreiben, müssen wir unsere Anstrengungen dringend verstärken“, sagte Kluge.
Ein Beispiel für diese Bemühungen stellen die beiden Aktionspläne dar, die die WHO diese Woche veröffentlicht hat, um den europäischen Regierungen bei der Bekämpfung der Affenpocken zu helfen.
„Wir sind davon überzeugt, dass wir die anhaltende Übertragung von Affenpocken von Mensch zu Mensch in der Region beseitigen können“, sagte Kluge und schloss, dass dies „ohne die Beteiligung der LGBT-Communities“ nicht möglich sei.
Das Monkeypox-Kollektiv, Act Up und AIDES werden voraussichtlich in den kommenden Tagen an der Sitzung des Gesundheitsministeriums zum Thema Affenpocken teilnehmen.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]