Afrika: Potenziale, Perspektiven und Klischees
Am kommenden Wochenende findet bundesweit der Erste Deutsche Entwicklungstag statt. Thematischer Schwerpunkt ist Afrika. Was ist der Sinn der Veranstaltung? Was kostet das Ganze? Kommt Bill Clinton? Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und Susanne Anger von "Gemeinsam für Afrika" stellten sich den Fragen der Hauptstadtjournalisten.
Am kommenden Wochenende findet bundesweit der Erste Deutsche Entwicklungstag statt. Thematischer Schwerpunkt ist Afrika. Was ist der Sinn der Veranstaltung? Was kostet das Ganze? Kommt Bill Clinton? Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und Susanne Anger von „Gemeinsam für Afrika“ stellten sich den Fragen der Hauptstadtjournalisten.
In 16 Bundesländern finden am Samstag (25. Mai) zum Ersten Deutschen Entwicklungstag auf zentralen Plätzen parallele Veranstaltungen statt. Organisationen, Verbände und Initiativen stellen ihre Projekte vor. Ende letzter Woche traten Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und Susanne Anger, Sprecherin von „Gemeinsam für Afrika“, vor die Bundespressekonferenz. „Die Organisationen wollen die Plattform nutzen, um ihr Engagement zu präsentieren, um deutlich zu machen, was sie an guten Projekten und Inititiativen auf den Weg bringen, und um andere zum Mitmachen zu motivieren. Das ist der Sinn der Veranstaltung“, erklärte Niebel. Thematischer Schwerpunkt des Entwicklungstags ist in diesem Jahr Afrika. Der 25. Mai 2013 ist auch der fünfzigste Jahrestag der Afrikanischen Union. Am Programm in Berlin werden 33 afrikanische Botschaften teilnehmen. Eine ähnlich hohe Beteiligung habe man normalerweise nur beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung, erklärte Niebel. Das „große Ziel“ bei allen Veranstaltungen sei es zu zeigen, dass Afrika bei allen Herausforderungen, die der Kontinent zu bewältigen hat, ein enormes Potenzial habe. In vielen Ländern werde die Mittelschicht immer größer, sei immer besser gebildet und international vernetzt. Nicht nur für die eigene Entwicklung sei Afrika ein Kontinent mit vielen Perspektiven. Auch für die Kooperation mit Europa als Nachbarkontinent. „Als sich vor zehn Jahren so viele Organisationen zu ‚Gemeinsam für Afrika‘ zusammengeschlossen haben, war es so, als ob Unternehmen, die sonst miteinander konkurrieren, plötzlich etwas zusammen machen. Das ist eine Sensation gewesen. Wenn wir es in diesem Jahr schaffen, ein Bild Afrikas zu zeichnen, das nicht den gängigen Klischees entspricht, dann ist das etwas Außergewöhnliches und ein guter Anfang, Schwierigkeiten und Konkurrenzen in der Zusammenarbeit zu überwinden und sich stärker mit dem Nachbarkontinent zu beschäftigen“, eklärte Anger. Was soll der Entwicklungstag insgesamt kosten? Niebel hat geahnt, dass die Frage kommt und gleich eine Reihe von Zahlen mitgebracht. Das BMZ hat zur Förderung des kommunalen Engagements 1 Million Euro für die Aktivitäten der 15 Standorte ohne Berlin zur Verfügung gestellt. Allerdings müsse wegen der großen Beteiligung mit 1,2 Millionen gerechnet werden. Die Berliner Veranstaltung werde mit 1,63 Millionen Euro finanziert. 3,04 Millionen Euro sei also die Gesamtsumme, so Niebel – 0,05 Prozent des Haushaltes seines Ministeriums. Die Bundesregierung steht derzeit angesichts der Entfernung Deutschlands vom 0,7-Prozent-Ziel heftig in der Kritik. Bis 2015 wollte man eigentlich 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit einsetzen (Official Development Assistance – ODA-Quote). Da will Niebel – wo man gerade beim Thema Zahlen ist – in der Bundespressekonferenz sogleich ergänzen, dass sich die ODA-Quote in dieser Legislaturperiode in Deutschland „natürlich“ erhöht habe (von 0,35 auf 0,38 Prozent). Das sei zwar weniger als erwünscht, aber immerhin eine Erhöhung. Deutschland sei zweitgrößter bilateraler Geber in der Welt. So sie entwicklungspolitisch aktiv ist, wurde die Wirtschaft eingeladen, sich am Entwicklungstag zu beteiligen, erklärt Niebel. Nach Sponsoring wurde allerdings bisher nicht gefragt, da dies „in der Vergangenheit doch etwas kritischer betrachtet worden ist“. Er würde es allerdings generell nicht ausschließen, denn „es ist immer besser, das Geld anderer Leute als das der Steuerzahler auszugeben“. Was wird das Motto des nächsten Jahres? Das und welcher Kontinent Pate stehen wird, kann Niebel heute noch nicht sagen. Die „Marke Entwicklungstag“ wolle man aber dauerhaft weiterführen. Kommt Bill Clinton? Ja, allerdings erst am Sonntag. Er werde eine Rede halten, außerdem soll eine Vereinbarung für eine Kooperation mit der Bill-Clinton-Stiftung unterschrieben werden. dto
Links
Deutscher Entwicklungstag: Website Deutscher Entwicklungstag: Programm für Berlin BMZ: Was ist der Deutsche Entwicklungstag? BMZ: Erster deutschlandweiter Entwicklungstag Engagement Global: Der Deutschen Entwicklungstag kommt Gemeinsam für Afrika: Gemeinsam für Afrika lädt ein, den „Kontinent der Potenziale” zu bereisen (21. Mai 2013)