Analysten: Das "Ende des fossilen Zeitalters" hat begonnen

Laut einem neuen Bericht, der am Mittwoch vom Think-Tank Ember veröffentlicht wurde, wird das Jahr 2023 den Beginn des Rückgangs der fossilen Brennstoffe markieren. Die weltweiten CO-Emissionen durch die Stromerzeugung hätten im Jahr 2022 ihren Höhepunkt erreicht.

Euractiv.com
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Auf erneuerbare Energien und Kernenergie zusammen entfielen 39 Prozent der weltweiten Stromerzeugung, wobei die Solarenergie mit einem Zuwachs von 24 Prozent die am schnellsten wachsende Quelle war. [<a href="https://www.shutterstock.com/fr/g/Engineerstudio" target="_blank" rel="noopener">Shutterstock / Engineer studio</a>]

Laut einem neuen Bericht, der am Mittwoch vom Think-Tank Ember veröffentlicht wurde, wird das Jahr 2023 den Beginn des Rückgangs der fossilen Brennstoffe markieren. Die weltweiten CO-Emissionen durch die Stromerzeugung hätten im Jahr 2022 ihren Höhepunkt erreicht.

„In diesem für das Klima entscheidenden Jahrzehnt beginnt das Ende des fossilen Zeitalters. Wir treten in das Zeitalter der sauberen Energie ein“, sagte die Hauptautorin der Studie, Małgorzata Wiatros-Motyka.

Für den „Global Electricity Review“ von Ember wurden Daten aus 78 Ländern ausgewertet, die 93 Prozent der weltweiten Stromnachfrage repräsentieren. Der Bericht zeigt ein Rekordwachstum bei Wind- und Solarenergie, die nun 12 Prozent der weltweiten Stromerzeugung ausmachten.

Auf erneuerbare Energien und Kernenergie zusammen („sauberen Strom“) entfielen 39 Prozent der weltweiten Stromerzeugung, wobei die Solarenergie mit einem Zuwachs von 24 Prozent die am schnellsten wachsende Quelle war.

Ember hob die Rolle von Wind- und Solarenergie hervor, mithilfe derer die Welt in eine neue Ära sauberer Energie und sinkender Emissionen im Energiesektor eintrete – trotz der, durch den Krieg in der Ukraine verursachten, verstärkten Nutzung von Kohle und der damit einhergehenden CO2-Emissionen in einigen europäischen Ländern.

„Obwohl es bedauerlich ist, dass die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen im Jahr 2022 ein Allzeithoch erreicht, kann man sehen, dass Wind- und Solarenergie bereits jetzt einen Beitrag zur Reduzierung der Emissionen leisten“, so Dave Jones, Leiter der Abteilung Data Insights bei Ember.

„Schon bald werden Wind- und Solarenergie die Welt in eine neue Ära führen, eine Ära, in der die fossile Stromerzeugung zurückgeht und damit auch die Emissionen des Stromsektors“, fügte er hinzu.

Der Bericht geht davon aus, dass Wind- und Solarenergie dank ihrer geringeren Kosten im Vergleich zu fossilen Brennstoffen für bis zu 75 Prozent des Zuwachses an sauberer Energie von heute bis 2050 sorgen können.

EU kann Paris-konforme Klimaziele erreichen

In Europa vollzieht sich die Umstellung auf Wind- und Solarenergie schneller als im weltweiten Durchschnitt: Der Anteil von Wind- und Solarenergie an der Stromerzeugung lag im Jahr 2022 bei 22 Prozent, gegenüber nur 13 Prozent im Jahr 2015.

Weltweit ist der Anteil von Wind- und Solarenergie im gleichen Zeitraum von 4,6 Prozent auf 12,1 Prozent gestiegen, wie der Bericht zeigt.

Dennoch stiegen die Emissionen des Stromsektors in der EU im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent im Vergleich zu 2021. Dies ist vor allem auf einen Rückgang der Stromerzeugung aus Kernenergie zurückzuführen, der durch Wartungsarbeiten in Frankreich und die Schließung von Kraftwerken in Deutschland verursacht wurde.

Weiterhin spielte der Rückgang der Stromerzeugung aus Wasserkraft eine Rolle, der durch Dürreperioden verursacht wurde. Diese wurde teilweise durch Kohle und Gas ersetzt.

Die steigende Nachfrage nach Kohle in Europa wurde auch durch den Krieg in der Ukraine angetrieben sowie durch die Notwendigkeit, den Gasverbrauch zu reduzieren, nachdem Russland beschlossen hatte, die Lieferungen nach Europa zu verringern, so der im Dezember veröffentlichte Kohlebericht 2022 der IEA.

Doch die EU blieb auf Kurs und beschloss als Reaktion auf den Ukrainekrieg sogar, die Energiewende zu beschleunigen und neue ehrgeizige Ziele für den Einsatz erneuerbarer Energien bis 2030 zu setzen.

„Das Jahr 2022 wird als Wendepunkt der Energiewende in die Geschichte eingehen. Aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine und der globalen Energiekrise haben viele Regierungen ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überdacht“, so Jones.

Keine Zeit zum Ausruhen

Um bis 2035 einen emissionsfreien Stromsektor zu erreichen, müsste die EU 70-80 Prozent des Stroms aus Wind- und Sonnenenergie und weniger als 5 Prozent aus Gaskraft erzeugen, so die Modellierung von Ember.

Der Bericht schätzt, dass 2023 ein Rekordrückgang der fossilen Brennstoffe in der EU zu verzeichnen sein wird. Im Jahr 2030 werden nur noch 17 Prozent des Stroms in der EU aus fossilen Brennstoffen stammen, während der Großteil der EU-Länder gemäß den nationalen Plänen den Ausstieg aus der Kohle vollzogen haben wird.

„Der EU-Energiesektor befindet sich in einer guten Position, um einen Kurs zu erreichen, der mit 1, 5 Grad Celsius vereinbar ist“, heißt es in dem Bericht.

Doch während Europa bei der Revolution der erneuerbaren Energien an vorderster Front stand, wurde es nun von Ozeanien überholt. Auch Nordamerika und Asien holen schnell auf, wie die Studie zeigt.

„Die EU hat den Wettlauf um die erneuerbaren Energien früh begonnen, aber da die Welt immer schneller wird, kann sie sich keine Selbstzufriedenheit leisten“, sagte Sarah Brown, Leiterin des Ember Europe Programms.

„Europa hatte ein extrem schwieriges Jahr 2022, sollte aber jetzt die Gelegenheit ergreifen, den Einsatz erneuerbarer Energien zu verdoppeln und an der Spitze des globalen Übergangs zu einer sauberen und florierenden Wirtschaft zu bleiben“, fügte sie hinzu.

 

Kritische Rohstoffe „kein Problem“

Der Bericht geht nicht auf die Wetterabhängigkeit der Wind- und Solarenergieerzeugung ein, die oft als Herausforderungen beim Übergang zu erneuerbaren Energien genannt werden.

Der Bericht setzt sich auch nicht auf kritische Rohstoffe wie Kupfer, Lithium, Nickel, Kobalt und Seltene Erden auseinander, die wesentliche Bestandteile vieler sauberer Energietechnologien sind und bei denen Europa derzeit stark von Importen abhängig ist.

Um dieses Problem anzugehen, hat die EU-Kommission im vergangenen März ein Gesetz über kritische Rohstoffe vorgeschlagen, um sicherzustellen, dass die EU Zugang zu einer sicheren und erschwinglichen Versorgung mit wichtigen Mineralien hat, die für den ökologischen und digitalen Umbau der Wirtschaft benötigt werden.

Einige Experten sind darüber jedoch nicht beunruhigt, sondern halten es für ein „Scheinproblem.“

„Es ist recht interessant, dass in dieser Analyse nirgendwo von Mineralien oder Unterbrechungen die Rede ist, worüber die Leute ständig mit mir sprechen“, sagte Kingsmill Bond, Seniorchef des Rocky Mountain Institute in den USA.

„Und der Grund, warum sie nicht darüber sprechen, ist, dass es überhaupt kein Hindernis ist“, fügte er hinzu.

Viele Abhängigkeiten von Rohstoffen sind mit den heutigen Technologien durchaus lösbar, versicherte Bond. Er ist der Meinung, dass es sich dabei um „Scheinprobleme“ handelt, die von den etablierten Betreibern fossiler Brennstoffe in die Debatte eingebracht werden, um die Energiewende zu bremsen.

[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor]